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April 16th, 2018

The Next Now: Digitalisierung und Innovation

Was kann man erwarten, wenn der drittgrößte PC-Hersteller der Welt, Dell Technologies, für einen Tag zu den Themen Digitalisierung und Innovation einlädt? Eine ganze Menge! Zum Beispiel: Michael Dell würde sich wünschen, dass  „Companies wie YouTube und Facebook ihre Algorithmen an einen Rechtslehrstuhl schicken“. Bei Ratepay in Berlin arbeiten nur Leute, die „Cool im Kern“ sind. Und der Sohn von Kai Diekmann ist „voll das Opfer“. Das sind die Key-Take-Aways von der „The Next Now“, die am 10. April in München stattfand.

Unter dem Motto „Lead. Network. Innovate.“ diskutierten hochkarätige Referenten die Herausforderungen der Digitalisierung: Michael Dell, Gründer und CEO, Richard David Precht, deutscher Philosoph und Kai Diekmann, ehemals Bild, gaben sich ebenso die Klinke in die Hand, wie die CDOs bzw. Digital-Verantwortlichen von Adidas, Continental, Daimler, DB Schenker und MSC Germany.

Aber der Reihe nach.

Eröffnet wurde der Tag mit einem Interview mit Michael Dell, Gründer, CEO und Chairman von Dell Technologies.  Mit einem Privatvermögen von ca. 20,4 Milliarden US-Dollar ist er laut Forbes der 38. reichste Mensch der Welt. Für ihn ist klar, dass jedes Unternehmen die Digitalisierung auf die Agenda setzen muss. Aus seiner Sicht sollte die digitale Transformation zwar von der IT-Abteilung geleitet werden, die dazugehörige Strategie müsse aber im gesamten Unternehmen verankert sein. Wenn es darum geht, wie man die Digitalisierung anpacken soll, hat Michael Dell den Rat: „Ich würde mit einem einfachen Blick auf die Daten starten. Denn jedes Unternehmen generiert Daten. Und die Menge an Daten nimmt immer mehr zu. Alles dreht sich um Daten und wie man diese nutzen kann.“ Für Deutschland sieht er aber keine Gefahr: „Der deutsche Mittelstand hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er sich an verändernde Gegebenheiten anpassen kann. Und er wird es wieder schaffen.“ Apropos Daten: Am 10. April musste Mark Zuckerberg vor dem US Kongress aussagen.

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Auf den Datenskandal bei Facebook angesprochen, sagte der Technologie-Unternehmer, dass man aus der Krise lernen und die Sicherheitsstandards verbessern müsse. Von Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell rein auf der Nutzung von Daten ausgerichtet haben, wünsche er sich, dass „Companies wie YouTube und Facebook ihre Algorithmen mal an einen renommierten Rechtslehrstuhl schicken würden“.

Innovation braucht wirtschaftliche und gesellschaftliche Akzeptanz

Auf Micheal Dell folgte der deutsche Philosoph Richard David Precht. In seiner Keynote sprach er davon, dass Innovation nur dann dauerhaft funktionieren kann, wenn sie von allen Seiten akzeptiert werde. Dabei gebe es sowohl eine wirtschaftliche als auch eine gesellschaftliche Akzeptanz. Wie die Gesellschaft der Zukunft aussehen werde, vermochte Precht allerdings nicht zu sagen, nur dass es eine gänzlich andere sein werde, als die aktuelle: „Wir leben in einer revolutionären Zeit. Die Digitalisierung ist ein weltweites gesellschaftliches Experiment.“ Kein gutes Haar ließ er an der deutschen Politik. Sie sei viel zu langsam, vor allem deutlich langsamer als die Unternehmen: „Keine Partei hat Konzepte für die Digitalisierung. Politisch gesehen, leben wir in der innovationsfeindlichsten Zeit, die es je gegeben hat.“ Auch das Bildungssystem sieht Precht nicht ausreichend gerüstet für die Zukunft. Lebenslanges Lernen gehöre heute für die Arbeitnehmer genauso dazu, wie, dass es keine lebenslangen Angestelltenverhältnisse mehr geben werde. Aber gerade zu lebenslangem Lernen hätte niemand Lust, der heute zur Schule geht. „Enttäuschungen und Kränkungen sollten zur Schule gehören, um auf das Arbeitsleben vorzubereiten.“ Außerdem müsse Kreativität gefördert werden, um ein innovationsfreudiges Umfeld zu schaffen: „Programmieren im Kindergarten ist nicht die Lösung!“ Aus seiner Sicht werden Empathie getriebene und handwerkliche Berufe die Berufe der Zukunft sein.

 „Heute kann 20 Uhr auch nachmittags um 3 sein“

Welche Bedeutung und Auswirkungen die Digitalisierung und der Einsatz von sozialen Medien auf die Medienlandschaft hat, erklärte Kai Diekmann. Der ehemalige Chefredakteur von Bild und Bild.de zog 2012 für knapp ein Jahr ins Silicon Valley, um nach Wegen zu suchen, wie es für die Bild-Zeitung und den ganzen Springer-Konzern weitergeht „vom Bedrucken toter Bäume hinaus in eine digitale Welt“. Heute ist Diekmann unter anderem Berater des US-Fahrdienst-Anbieters Uber. Die Erkenntnis, die der Journalist aus dem Silicon Valley mitgenommen hat, war: „Wenn wir uns nicht neu erfinden, werden wir bald kein Geschäft mehr haben. Und das trotz eines funktionierenden und profitablen Geschäftsmodells.“ Ein Ansatz, der ja auch ganz gut zu uns, zu „Wer liefert was“ passt. Ein radikaler Umbau war die Folge, zu dem auch die schmerzhafte Veräußerung von Springer-Medien der ersten Stunde gehörte, wie dem Hamburger Abendblatt und der Hörzu: „Wir haben die Hörzu verkauft, weil wir sie nicht digitalisieren konnten.“ Für Diekmann ist die Digitalisierung in einem Unternehmen „immer ein Top-Down-Prozess, denn Sie müssen durch eine dicke Lehmschicht.“ Dafür sind drei Dinge wichtig: „Kommunikation, Kommunikation und Kommunikation.“

Wie die Digitalisierung die Mediennutzung bereits komplett verändert hat, illustrierte Diekmann an ein einigen anschaulichen Beispielen: „Donald Trump hat 49 Millionen Follower und damit mehr Reichweite als CNN oder die New York Times. Trump braucht die klassischen Medien nicht.“ Oder: „Taylor Swift hat durch ihre sozialen Medien-Profile über 300 Millionen Follower. Dafür beschäftigt sie ein 30-köpfiges Redaktionsteam. Früher wurdest du Chefredakteur bei der Bild, heute wirst du Chefredakteur bei Taylor Swift.“

Und aus dem persönlichen Umfeld: „Als bei uns das WLAN ausfiel und mein Sohn Netflix nicht mehr nutzen konnte, kam er zu mir und sagte ‚Papa, ich bin voll das Opfer – ich muss jetzt gucken, was und wann DIE es wollen‘.“ Daran zeige sich, dass die aktuelle Generation nachrichtentechnisch anders sozialisiert ist: „Heute kann 20 Uhr (Start der Tagesschau) auch nachmittags um 3 sein.“

Anforderungen an Arbeitnehmer: Skill-Set ist wichtiger als gute Noten

Dell, Precht und Diekmann waren sicherlich die Highlight-Referenten, aber auch die anderen Speaker konnten sich sehen lassen. In Best Practice-Vorträgen teilten die Digital-Verantwortlichen von Adidas, Continental, Daimler, DB Schenker und MSC Germany ihre Erfahrungen aus dem Bereich der Digitalisierung. Und hier verstärkt mit dem Fokus auf Ausbildung und wie man die geeigneten Mitarbeiter findet. Denn der „War for talents“ stellt für alle Unternehmen die größte Herausforderung dar. Dabei ist nicht zwingend mehr die Abschlussnote entscheidend, sondern vielmehr das Skill-Set, also die Fähigkeiten, die ein Mitarbeiter mitbringt. Darüber hinaus ist die Bereitschaft wichtig, offen zu sein, sich ständig weiterzuentwickeln und disziplinübergreifend und in interkulturellen Teams zu arbeiten. Eine klare Vorstellung davon, was das bedeutet und wie ein neuer Mitarbeiter sein soll, hat Miriam Wohlfahrt, Geschäftsführerin und Gründerin von dem Online-Payment-Dienstleister Ratepay: „Ich will keine Ja-Sager und keine Angsthasen, sondern Leute, die sich trauen eine Meinung zu vertreten.“ Und sie fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Wer bei uns arbeiten möchte, der muss also cool im Kern sein.“

Viel Input, viel Inspiration und die Gewissheit, dass wir bei „Wer liefert was“ auf einem guten Weg sind. Also ja, man kann eine ganze Menge erwarten – auch von einer komplett gesponserten Veranstaltung, die sehr informativ war und ohne Dell-Marketing-Brainwash auskam.

1 comment

  • Marc LangeMarc Lange

    Spannende Take-Aways dabei!

    Reply to Marc Lange

Comments & Reviews

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