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The Next Now!

Wenn ich mir die Trending Topics und die dazugehörigen Tweets ansehe, war ich mit der „The Next Now!“ in Berlin wohl auf der interessanteren Veranstaltung im Vergleich zur zeitgleich stattfindenden DLD. Das lag zum einen daran, dass sich Sponsor DellEMC mit eigenem Product Placement extrem zurückhielt, vor allem aber an den wirklich hochkarätigen Speakern, wie Dr. Reinhard Sprenger (Führungsexperte),  Dr. Martin Hofmann (CIO Volkswagen AG), Frank Thelen (Seriengründer, Investor), Prof. Dr. Richard David Precht (Philosoph), Dorothee Bär (CSU, MdB) sowie Dell-CEO Michael S. Dell.

Das Thema der Veranstaltung war mit „Arena for Technology, Transformation and YOU“ unterschrieben. Und es ging um die Frage, wie die Digitalisierung unser Leben beeinflusst und welche Auswirkungen sie auf Unternehmen hat und noch haben wird.

Den Anfang machte Dr. Reinhard Sprenger. Der Führungsexperte erklärte zum einen, dass die Zeiten von starren Hierarchien vorbei sind. Jemand der heute noch sagen könne, er habe 17 Leute unter sich, könne eigentlich nur Friedhofswärter sein, so Sprenger. Vielmehr ginge es darum, im Team neue Wege zu gehen und dabei auch den Mut zu Fehlern zu haben. Denn nur wenn man sich traut, auch mal eine falsche Entscheidung zu treffen oder neue Dinge zu probieren, könne man Innovationen vorantreiben. In diesem Zusammenhang bescheinigte Sprenger den deutschen Unternehmen „Misserfolgsarmut“. Heißt, deutsche Unternehmen sind zu erfolgreich, und das macht nach Sprenger „lernbehindert“. Für Innovationen müssen die Unternehmen also raus aus ihrer Komfortzone und sich auch mal auf ungewisse Pfade trauen. Ein insgesamt sehr spannender Vortrag, der von seinem Referenten lebte, der in seinen rund 45 Minuten komplett ohne Powerpointfolien und Skript auskam und freisprach – beeindruckend.

Dr. Martin Hofmann, CIO der Volkswagen AG referierte über künstliche Intelligenz und wie sie immer mehr Einzug in unser Leben erhalten wird.  So geht er davon aus, dass wir in zehn Jahren kein Taxi mehr rufen müssen. Die Systeme wissen dann, wann wir wo einen Termin haben, wie lange der Weg dorthin dauern wird und schicken das „Vehikel“ (ob es dann noch Taxis gibt, sei laut Hofmann eher unwahrscheinlich) automatisch zur richtigen Zeit zu einem nach Hause. Es steht also vor der Tür, wenn man das Haus verlässt. Und natürlich fährt dieses Vehikel dann autark zum Ziel. Die Aufgabe, mit der sich Unternehmen konfrontiert sehen, liegt laut Hofmann darin, Ersatzbeschäftigungen für die Angestellten zu finden, die durch Roboter und Artificial Intelligence (AI) abgelöst werden.

Die vielleicht krassesten und drastischen Aussagen des Tages vertrat der Seriengründer, Investor und TV-Löwe Frank Thelen. Er gab in seiner Keynote einen Abriss darüber, wie häufig er in seiner Karriere sich immer wieder den sich verändernden Marktsituationen anpassen musste. Und genauso ginge es etablierten Unternehmen. Die Disruption sei für Konsumenten super, da sie in der Regel mehr Komfort und geringere Verbraucherpreise nach sich ziehe. Für Unternehmen sei sie aber teilweise existenzbedrohend. Als Beispiele nannte er vor allem die Bankenbranche, die aufpassen müsse, nicht von innovativen Fintech-Startups abgehängt zu werden. Ebenso ginge es der Automobilbranche. Für die TV-Sendung „Höhle der Löwen“ sei er immer von einem erfahrenen Fahrer abgeholt worden. Die Fahrt zum Studio dauerte rund 45 Minuten. Als der Fahrer einmal krank war, fuhr er selbst: Mit einem seiner zwei Teslas und von Google gesteuert. Die Fahrt dauerte nur 30 Minuten. „Das war der Tag an dem ich beschloss, nie wieder etwas mit den doofen Menschen zu tun haben zu wollen“, so Thelen. Ob sich Thelen nun nur noch mit AI-gesteuerten Robotern umgibt, ließ er offen. Dafür bescheinigt er Automobilherstellern wie BMW oder VW eine düstere Zukunft. Sie seien in zehn Jahren bedeutungslos, es sei denn sie „fangen an, Software-Ingenieure einzustellen, statt Ingenieure, die sich um Spaltmaße kümmern“. Seine Liebe zu Tesla sei im Übrigen nur ein Resultat mangelnder Alternativen: „Ich find’s scheiße, einen Amerikaner fahren zu müssen. Ich würde liebend gern ein wettbewerbsfähiges deutsches Elektroauto fahren“, gestand Frank Thelen zum Ende seines Vortrags.

Mit Spannung hatte ich den Vortrag von Prof. Dr. Richard David Precht erwartet. Den Philosophen kennt man aus diversen Talk-TV-Formaten oder seiner eigenen Sendung, in denen er sich aktuellen Fragestellungen annimmt. Auf der „The Next Now!“ erklärte er, dass „wir in revolutionären Zeiten leben.“ Ähnlich der ersten industriellen Revolution als die Dampfmaschine erfunden wurde.  Diese massiven Veränderungen werden dazu führen, dass in manchen Bereichen, wie zum Beispiel der Versicherungsbranche über 70 Prozent der Belegschaft wegfallen wird. Denn Computer und künstliche Intelligenz wird hier zum Beispiel statistische Berechnungen ersetzen, auf denen Versicherungsmodelle basieren. Darüber hinaus müssen wir unsere Ansicht ändern, was Arbeit wert ist. „Unser Verständnis, ein Mensch ist so viel wert, wie viel er arbeitet‘, müssen wir verlieren“, erklärte Precht. „Die Digitalisierung wird die größte jemals dagewesene Wertschöpfung mit sich bringen und mit ihr wird das bedingungslose Grundeinkommen kommen“, so Precht weiter. Mit der gewonnenen Zeit müsse man jedoch wieder lernen, umzugehen und deshalb die Kreativität schulen.  Precht lieferte sehr spannende Ansätze und war mit seiner philosophischen Sicht auf die Dinge eine erfrischende Ergänzung zu den Techie-Vorträgen seiner Vorredner.

Im Gegensatz dazu enttäuschte mich allerdings der Vortrag von Dorothee Bär. Die parlamentarische Staatssekretärin hat mich leider gar nicht abgeholt. Überschrieben war er mit „Digitalisierung vs. Dämonisierung“ und es ging um die Ängste, die immer mir Veränderungen einhergehen. Das war schon zu Zeiten der Dampfmaschine so und das sei auch heute so. Wichtig beim Thema Digitalisierung sei, alle abzuholen und Ängste nicht abzutun, sondern darauf behutsam einzugehen. Alles richtig. Leider war das Verhältnis an Ironie im Vortrag von Frau Bär (als einzige sprach sie vom Pult aus) so hoch, dass sie zwar die Lacher im Saal auf ihrer Seite hatte, aber dies auch die nachhaltigste Erkenntnis ist, die ich von ihrem Beitrag mitnehme. Da wäre für eine Politikerin, die seit zwölf Jahren im Bundestag sitzt, meines Erachtens mehr drin gewesen.

Ähnlich verhielt es sich mit dem Interview des Ehrengastes: Michael S. Dell, Gründer, Chairman und CEO von Dell und mit einem geschätzten Privatvermögen von rund 20 Milliarden Dollar Nummer 35 auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt. Bezugnehmend auf die Aussage von Herrn Precht, dass wir bald nicht mehr für Geld arbeiten müssen, fragte die sonst so sichere und charmante Moderatorin des Tages Andrea Thilo jedoch Michael Dell ernsthaft, was ihn antreiben wird, wenn er mal nicht mehr für Geld arbeiten müsste. Dell guckte etwas verdutzt und antwortete: „Ist das eine ernstgemeinte Frage?“ und fügte augenzwinkernd hinzu: „Glauben Sie mir, ich brauche nicht noch mehr Geld. Aber ich arbeite gerne jeden Tag, weil es mir Spaß macht, was ich tue.“

Und damit ging ein Tag vieler interessanter Einsichten zu Ende, der wirklich viel Spaß gemacht hat. Und Firmen-Sponsoring hin oder her. So hochkarätige Redner bekommt man nicht alle Tage geboten und vor allem nicht umsonst.

 

Dr. Richard Sprenger warb für mehr Risiko und flache Hierarchien
Dr. Richard Sprenger warb für mehr Risiko und flache Hierarchien
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Carsten Brandt

Carsten ist bei wlw Senior Manager Corporate Communications und kümmert sich um die externe und interne Kommunikation.

4 thoughts to “The Next Now!”

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