Einer, der vom ersten handgefeilten Wasserhahn bis hin zur programmierbaren Dusche die Trends in Bad und Küche über Jahrzehnte mitbestimmt hat, ist das Unternehmen Dornbracht aus Iserlohn. 1950 begann die Geschichte des Familienunternehmens. Damals arbeiteten der 57-jährige Aloys F. Dornbracht und sein Sohn Helmut nach der Arbeit in einer alten Baracke, um dort ihr eigenes Geschäft aufzubauen. Jeden Abend standen sie an der Werkbank und tüftelten an dem ersten Dornbracht-Patent: einer Armatur mit ausziehbarem Auslauf. Die Idee überzeugte und einige Jahre später produzierte der Betrieb bereits 40.000 Stück pro Monat. Heute stehen die Söhne von Helmut Dornbracht, Andreas und Matthias, an der Spitze des mittelständischen Unternehmens, das in sechs Jahrzehnten vom Zwei-Mann-Betrieb zum Weltmarktführer der Smart-Home-Bäder wurde.

    Wie erhält man sich diesen Erfolg? „Unser Denken und Arbeiten ist davon geprägt, dass wir uns und das, was wir geschaffen haben immer wieder in Frage stellen“, sagt Andreas Dornbracht, der im Unternehmen für Marketing und Vertrieb zuständig ist. Der Erfindung des ausziehbaren Laufs folgten weitere Produktinnovationen. Als separate Badezimmer in den 1950er Jahren in Neubauten Standard wurden, erweiterte Dornbracht den Betrieb, stellte Mitarbeiter ein und war so in der Lage, die steigende Nachfrage zu bedienen. In den 1960er und 70er Jahren rückte Funktionalität in den Vordergrund, Armaturen wurden neugestaltet, die Dusche bekam einen Thermostat, das Waschbecken den Einhandmischer und Spiegelschränke Ablageflächen mit integriertem Licht.

    Mit digitalen Produkten behaupten

    Überall digitalisieren sich die Herstellungsprozesse. Fertigungen werden individueller. Am Ende stehen Produkte, die immer schlauer werden – Industrie 4.0 sei Dank. „Smart Home“ lautet hier etwa ein Begriff. Er beschreibt den Einzug digitalisierter Prozesse in unser Wohnen. Auch in Küche und Bad ziehen intelligente Technologien ein. Digital gesteuerte Armaturen im Bad und Fußsensoren in der Küche lassen das Wasser fließen, ohne dass der Benutzer noch selbst Hand anlegen muss. Noch liegt das aktuelle Marktvolumen in Deutschland mit 1,3 Milliarden Euro recht niedrig. Aktuell nutzten hierzulande erst fünf Prozent der deutschen Haushalte Smart-Home-Lösungen. Doch in den kommenden fünf Jahren soll sich der Markt mehr als verdreifachen und bis 2022 auf 4,3 Milliarden Euro anwachsen, haben der Internetverband Eco und die Unternehmensberatung Arthur D. Little ermittelt.

    Gefragt nach den Herausforderungen, die sich aus der Digitalisierung ergeben, antwortet Dornbracht-Sales Director Dieter Kraus: „Was den B2B-Bereich betrifft, wollen wir in  Zusammenarbeit mit Architekten natürlich für eine schnelle, effiziente Umsetzung sorgen. Der Kunde setzt auf digitale Medien und kommt mit bereits geformten Ideen zum Handwerker oder in die Ausstellung.“ Inspiriert von verschiedensten Medien und Bildern suche er nach individualisierten Lösungen für Bad und Küche. Und dazu gehört längst auch die digitale Beratung.

    Dem Designanspruch unterordnen

    Matthias Dornbracht, zuständig für Produktion, Einkauf und Logistik, betont, dass bei allen technischen Verbesserungen die Qualität in der Fertigung Vorrang hat. Zum Beispiel in der Galvanik, dem wichtigsten Wertschöpfungsprozess bei der Herstellung von Armaturen. Nachdem im Sommer 2009 ein Brand die alte Gestellgalvanik völlig zerstört hatte, baute man eine neue Oberflächenveredelung. Matthias Dornbracht sagt: „Unsere Produktionssystematik ordnet sich dem Designanspruch unter. Kein Radius und keine Kante werden geändert, damit wir schneller oder günstiger fertigen können.“

    Für die Zukunft könnten andere Kriterien wichtiger werden: „Nur schön reicht heute als Leistungsversprechen sicher nicht mehr aus“, sagt Andreas Dornbracht. Bereits heute stattet das Unternehmen seine Duschen mit Programmen so aus, dass der Benutzer per Knopfdruck Temperatur und Wassermenge exakt steuern kann. „Wenn ein Knopfdruck 100 manuelle Handgriffe ersetzt, kann sich der Kunde auf das Erlebnis des Duschens konzentrieren. Dann bietet Technologie einen hohen Mehrwert.“