Rohstoffpreise: Neue Rekordhöhen im Jahr 2021

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie machten der weltweiten Wirtschaft auch 2021 stark zu schaffen. Nach massiven und anhaltenden Lieferengpässen kämpften die meisten Unternehmen mit hohen Beschaffungskosten. Vor allem die Energie- und Rohstoffpreise entwickelten sich im vergangenen Jahr rasant nach oben.

Beispiel Energieversorgung: Für Großkunden kostet eine Megawattstunde Strom zu Beginn 2021 noch rund 51 Euro, zum Jahresende 220 Euro. Ein ähnliches Bild bot sich beim Erdgas. Dessen Preis pro Megawattstunde stieg von zunächst 20 Euro auf 106 Euro an, wie der Focus schreibt. Das entspricht einer Verteuerung von 331 beziehungsweise 430 Prozent. Ebenfalls deutlich mehr zu zahlen war für Treibstoffe. Für Diesel beispielsweise wurden nach Angaben des ADAC  im Januar 2021 durchschnittlich 1,23 Euro fällig, im Dezember 1,52 Euro – und im Januar 2022 gut 1,60 Euro.

Gleichzeitig mit den Energiekosten zogen auch die Weltrohstoffpreise stark an. Das gilt nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) unter anderem für Vorleistungsgüter, vor allem für Metalle, Sekundärrohstoffe, Düngemittel und Holz. In der Folge lagen in Deutschland die Erzeugerpreise für gewerbliche Produkte im Dezember 2021 um 24,2 Prozent höher als im Dezember 2020. Das sei „der stärkste Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat seit Beginn der Erhebung 1949” gibt Destatis in seinem monatlichen Vergleich vom Januar 2022 an.

In Deutschland lagen die Erzeugerpreise für gewerbliche Produkte im Dezember 2021 um 24,2 Prozent höher als im Dezember 2020.
 

Auswirkungen auf die europäischen Unternehmen

Wie versuchen Unternehmen die steigenden Herausforderungen in Beschaffung und Lieferkette bei Preisen und Lieferengpässen zu meistern? Dieser Frage ging das Beratungsunternehmen Inverto mit der Rohstoffstudie 2021 nach. Dabei zeigten sich die aktuellen und die erwarteten Folgen der Rohstoffpreise und ihrer Entwicklung.

Herausforderungen für den Einkauf

Rund 45 Prozent der Studienteilnehmer – 100 Vorstände und Führungskräfte aus den Bereichen Supply Chain und Einkauf in Europa – berichten, dass sie stark von veränderten oder geringeren Rohstoffangeboten betroffen sind. Als die größten Herausforderungen für die Lieferkette gelten:
 

  • verlängerte Lieferzeiten (86 Prozent),
  • geringere Rohstoffverfügbarkeit (73 Prozent) sowie
  • ein erhöhtes Risiko für Lieferausfälle (68 Prozent).
     

Für die Zukunft erwarten 76 Prozent innerhalb der nächsten 18 Monate einen starken oder moderaten Kostenanstieg bei den Rohstoffpreisen.
 

Gefährdete Rohstoffe für 2022

Bezüglich der verschiedenen Rohstoffarten sind die Befürchtungen von weiteren Preiserhöhungen unter den Befragten bei (fast) allen Rohstoffgruppen im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Am stärksten bei:
 

  • Aluminium (48 Prozent),
  • Kunststoffen (48 Prozent),
  • Eisenmetallen und Stahl (48 Prozent) sowie Holz, Papier und Zellulose (40 Prozent).
     


Unternehmen müssen reagieren

Wie wollen die Unternehmen die steigenden Rohstoffpreise abfedern? Die Weitergabe erhöhter Kosten in einem angemessenen Umfang gilt als die geeignetste Maßnahme (75 Prozent), zusammen mit einer Reihe von Initiativen, die die zukünftige Leistung verbessern können. Um den Rohstoffdruck zu vermindern, gehören Preisverhandlungen (68 Prozent), der Aufbau alternativer Lieferanten (55 Prozent) sowie indexbasiertes Pricing (54 Prozent) zu den häufigsten Reaktionen. 

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Für 2022 erwartet ein großer Teil der Befragten, dass sich das Risikomanagement in der Lieferkette durch die Pandemie dauerhaft ändern wird (74 Prozent), gefolgt von weniger Just-in-Time-Lieferungen (51 Prozent). 49 Prozent wollen sich besser auf Krisensituationen vorbereiten (z. B. mit Dual-/Multiple Sourcing).

Entwicklung der Rohstoffpreise in Europa: Es bleibt teuer

Rohstoffe werden aller Voraussicht nach auch 2022 begehrt bleiben und die Preise auf einem hohen Niveau verharren. So erwartet es beispielsweise ein Rohstoffanalyse-Team der Commerzbank, das mit einer Seitwärtsentwicklung auf den Weltmärkten rechnet.

Ein Hauptgrund für diese Sicht der Dinge liege in China, der größte Abnehmer von Rohstoffen. Dort würden „der angespannte Immobilienmarkt, eine Verschlechterung der Arbeitsmarktsituation und die hohe Verschuldung“ das Tempo der Wirtschaftsdynamik bremsen. Einen ähnlichen Effekt hätten in Europa die momentanen Lieferengpässe. Deshalb, so die Einschätzung, würden die Preise nicht mehr stark ansteigen. Die globale Nachfrage sei aber dennoch weiter so hoch, dass mit geringeren Kosten ebenfalls kaum zu rechnen sei.

Für Entlastung zumindest auf dem Markt für Erdöl dürfte laut Commerzbank die angekündigte Mehrproduktion der OPEC-Staaten führen. Es könne hier sogar zu einem Überangebot kommen. Eine vergleichbare Entwicklung zeichne sich für 2022 bei den metallischen Rohstoffen Kupfer und Nickel ab, während bei Aluminium die Lage sehr wahrscheinlich stark angespannt bliebe.

Auch müssten sich Unternehmen auf weiter steigende Stromkosten einstellen. Das liegt laut Strom-Report vor allem an den Börsenstrompreisen, der CO2-Abgabe und der EEG-Umlage. Letztere würde zwar sinken, doch die beiden anderen Faktoren im Laufe des Jahres 2022 stark zulegen. Eine vergleichbare Entwicklung ist auch beim Erdgas zu erwarten.
 

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