Der Frauenanteil in den Chefetagen stagniert

Statistische Erhebungen, wie sie zum Beispiel die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) alljährlich zur Lage des deutschen Mittelstandes durchführt, zeigen, dass es im Jahre 2016 gegenüber den Jahren zuvor keinen Anstieg weiblicher Unternehmensführer im deutschen Mittelstand gab. Eine Quote von 19,4 % an frauengeführten Unternehmen im Mittelstand weist der im Jahre 2017 veröffentlichte KfW-Bericht auf. Andere Studien und Befragungen weisen ein ähnliches Bild auf. Die ermittelten Werte schwanken zwischen 18 % und 20 %, wobei eine ebenfalls von der KfW veranlasste Erhebung für das Jahr 2014 weitere Aspekte beleuchtet, die eine differenziertere Betrachtung erlauben.

Chefinnen im Mittelstand und Großunternehmen im direkten Vergleich

Den rund 1800 Großunternehmen in Deutschland standen im Jahre 2014 ca. 3,6 Millionen KMUs gegenüber. Während der Frauenanteil der Vorstände bei börsennotierten Unternehmen bei knapp 5 % lag, waren es immerhin 20 % Frauen, die ein kleines oder mittleres Unternehmen führten. Allerdings geben solche Zahlen noch keine Auskunft darüber, ob sich im deutschen Mittelstand tatsächlich schon mehr Gleichberechtigung ereignet als in den großen Flaggschiff-Unternehmen der deutschen Industrie. Per Gesetz ist vorgeschrieben, dass Aufsichtsräte bei einer Neubesetzung einen Mindestanteil von 30 % Frauen zu berücksichtigen haben. Vor diesem Hintergrund bildet die Tatsache, dass fast jedes fünfte kleine und mittelständische Unternehmen von Frauen gelenkt wird, noch keinen Anlass für Euphorie.

Zudem zeigt sich, dass die Gesamtquote von 20 % Frauenanteil auf den mittelständischen Führungsetagen durchaus noch typische geschlechtsspezifische Rollenklischees offenbart. Im von Frauen geführten Mittelstand nehmen unternehmensnahe Dienstleistungen und sogenannte sonstige Dienstleistungen einen Anteil von 58 % ein, wohingegen diese Branchen bei männlich geführten Unternehmen nur einen Wert von 43 % aufweisen.

Dienstleistungen als Domäne der Frauen

Im Segment der unternehmensnahen Dienstleistungen, worunter Kanzleien, Agenturen, Architektur- und Ingenieurbüros sowie Finanz- und Personalberater fallen, werden immerhin 27 % von Frauen geführt. Damit schließen sie fast zu den 30 % männergeführten Unternehmen in diesem Segment auf. Ein starkes Gefälle besteht allerdings im Bereich der sonstigen Dienstleistungen, zu denen Unternehmen aus den Bereichen Pflege, Aus- und Weiterbildung sowie Kultur und Sport gehören. Mit 31 % repräsentiert dieses Segment fast ein Drittel aller von Frauen geführten Betriebe, während dort lediglich 13 % mit männlichen Führungskräften besetzt sind.

Neben diesen branchenbezogenen Unterschieden ergeben weitere Betrachtungen ein deutliches Gefälle zwischen frauen- und männergeführten Betrieben. Gemessen am 20-%-Anteil, den weibliche Unternehmensführer im Mittelstand einnehmen, ergibt sich für diese Betriebe eine deutlich darunter liegende Verhältnismäßigkeit, was die Zahl der Beschäftigten, Auszubildenden sowie das Export- und Investitionsvolumen betrifft.

Geringeres wirtschaftliches Gewicht frauengeführter Mittelständler

Für das Jahr 2015 zeigt das KfW-Mittelstandspanel folgende Fakten für von Frauen geführte Mittelständler:

  • Zum Außenhandelsvolumen des Mittelstands steuerten sie lediglich 7 % bei.
  • Bei Investitionen in Anlagen, Maschinen und Bauten repräsentierten sie 8 % des gesamten Aufkommens.
  • Lediglich 11 % aller Erwerbstätigen im Mittelstand arbeiteten unter einem weiblichen Chef.

Dieses Gefälle an wirtschaftlicher Bedeutung gegenüber dem 20-%-Anteil frauengeführter Unternehmen insgesamt ist allerdings nur zum Teil den branchenspezifischen Unterschieden geschuldet. Zwar spiegelt sich darin das Bild wider, dass es nach wie vor berufsbezogene Rollenverteilungen zwischen Männern und Frauen gibt. Weitaus gravierender ist jedoch das Verhältnis zwischen Unternehmensgröße und geschlechtsspezifischer Besetzung der Führungsetage. Je größer ein mittelständisches Unternehmen ist, desto kleiner wird der Anteil weiblicher Chefinnen.

Im Jahre 2014 lag der Anteil der frauengeführten Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern bei 9,7 % gegenüber 20,7 Prozent bei Kleinbetrieben mit weniger als 5 Beschäftigten. Und bei Unternehmen mit mehr als 50 Mio. Euro Jahresumsatz näherte sich die Frauenquote in den Führungsetagen dem Wert, den börsennotierte Unternehmen aufweisen. Bei nur 5 % der großen Mittelständler tragen Frauen die Gesamtverantwortung für den geschäftlichen Erfolg.

Noch besteht großer Nachholbedarf im Mittelstand, wollte man die per Gesetz verordnete Quote von mindestens 30 % Frauenanteil in Aufsichtsräten von Aktiengesellschaften zugrunde legen. Das politische Ziel und Gebot der Gleichberechtigung spiegeln die Verhältnisse in Deutschlands Führungsetagen noch nicht wider.

  • Knapp 20 % der mittelständischen Unternehmen werden von Frauen geführt.
  • Mit einem Anteil von 57 % überwiegen Dienstleistungsbranchen als Feld, in dem Frauen eine größere Aussicht auf beruflichen Aufstieg und Führungsverantwortung haben.
  • Je größer ein Unternehmen in Bezug auf die Beschäftigtenzahl oder den Jahresumsatz ist, desto geringer ist der Anteil an weiblichen Unternehmensführern.