Investition in digitale Projekte: eine Aufgabe von übergeordneter Bedeutung

In Japan ist jeder Minister eines Ressorts zugleich auch ein Digitalminister. In einer der führenden Wirtschaftsnationen der Welt lastet die Verantwortung für das Vorantreiben der Digitalisierung somit nicht auf zwei, sondern auf vielen unterschiedlichen Schultern.

In Deutschland gilt der Mittelstand als tragende Säule der Wirtschaft. Aus diesem Grund misst auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) dem Digitalisierungsfortschritt bei kleinen und mittelständischen Betrieben große Bedeutung zu. Anders als Start-ups, die mit einer Mischung aus Pioniergeist, Experimentierfreude – und oft auch stattlichem Risiko- und Wagniskapital im Rücken – neue digitale Geschäftsmodelle verfolgen, haben traditionelle KMU weniger Spielräume.

Digitalisierung als Evolution statt Revolution

Am Investitionsvolumen, das seitens des deutschen Mittelstands in digitale Projekte fließt, lässt sich ermessen, welche Dynamik sich die digitale Transformation dort besitzt. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) veröffentlichte 2016 eine Studie im Auftrag der KfW-Banken, um die Investitionsbereitschaft mittelständischer Betriebe zu ermitteln. Eine wichtige Kernaussage der Studie belegt, dass die Digitalisierung bei den KMU in kleinen Schritten erfolgt.

Ein Indiz dafür ist die Tatsache, dass der Mittelstand seine Digitalisierungsvorhaben vorwiegend aus dem eigenen Cashflow finanziert. Kredite für größere Vorhaben, durch die sich in kürzerer Zeit größere Entwicklungssprünge realisieren ließen, spielen im Mittelstand eine untergeordnete Rolle.

Formale Hemmnisse bei der Finanzierung von digitalen Projekten

Kreditinstitute setzen voraus, dass ihre Kredite durch verwertbares Anlagevermögen abgesichert sind. In der digitalen Welt spielen immaterielle Werte wie IT-Kompetenz, Datenbanken und intelligente Vernetzungsstrategien jedoch die Hauptrolle.

 

Wenn ein Unternehmen strategisch in digitale Technologien investiert, besteht ein zusätzlicher Bedarf an qualifiziertem Personal mit entsprechender Expertise im Bereich IT-Kommunikation und an externen Beratungs- und Dienstleistungen.

 

Ziel eines Digitalisierungsvorhabens ist die Umrüstung eines traditionellen Geschäftsmodells, um es fit für die smarten Nachfragemärkte der Zukunft zu machen. Dabei muss jedes Unternehmen seinen eigenen Weg finden, den Bedarf an Digitalisierung zu ermessen.

Neben standardisierten Lösungen wie die Implementierung von ERP-Software oder automatisierten Produktionsverfahren sind vor allem maßgeschneiderte, aus eigenen Ressourcen heraus entwickelte Lösungen gemeint, wenn von digitaler Transformation die Rede ist. Allerdings fehlen oft noch smarte Möglichkeiten der Fremdfinanzierung. Selbst die KfW-Bankengruppe hat in erster Linie die Vorreiter der Industrie 4.0 im Visier, wenn sie günstige Kredite in Aussicht stellt.

Finanzierung durch KfW-Fördermittel

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau stellt Unternehmen und Freiberuflern, die sich bereits erfolgreich in ihrem jeweiligen Markt bewegen, sogenannte ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredite zu besonders günstigen Konditionen zur Verfügung. Allerdings setzt die KfW bereits ein hohes Maß an Innovationsfreude und „Digitalität“ voraus. Vergünstigte Kredite werden bevorzugt solchen Unternehmen bewilligt, deren Geschäftsmodell in den letzten drei Jahren vor Antragstellung eine nachweislich überdurchschnittliche Wachstumsrate generiert hat.

 

Große Chancen haben Unternehmen, die eine Innovation auf den Weg gebracht haben oder deren Betriebskosten zu einem überdurchschnittlichen Anteil aus eigener Forschung und Entwicklung bestehen.

 

Mit der Einschränkung auf bestimmte Unternehmensprofile stellt die KfW sicher, dass Kredite nicht dazu verwendet werden, Versäumnisse der Vergangenheit nachzuholen oder Investitionslücken zu stopfen. Der Kriterienkatalog der KfW für förderungswürdige Digitalisierungsvorhaben wird angeführt von Themen, die tatsächlich eine strategische Qualität für das zukünftige Geschäftsmodell aufweisen:

  • ERP- und Produktionssysteme für automatisierte Prozesse im Sinne der Industrie 4.0
  • Investitionen in Datensicherheitskonzepte
  • Entwicklung von eigenen digitalen Plattformen und digitalen Vertriebskanälen
  • Innovative Fertigungsverfahren, wie zum Beispiel 3-D-Druck
  • Ausbau der unternehmensweiten Infrastruktur im Bereich Datenübertragung und Vernetzung

Pioniergeist ist gefragt, auch in Finanzierungsfragen

Aus Sicht der Banken sind Kredite für ambitionierte digitale Projekte ein Risiko. Denn es besteht grundsätzlich kein großer Unterschied zwischen dem Risiko- und Wagniskapital für ein digitales Start-up und einem strategischen Digitalisierungsvorhaben in einem bereits etablierten Unternehmen. Die digitale Transformation im Mittelstand stellt somit weit mehr als eine Anpassung der Betriebsmittel an die zukünftigen Herausforderungen dar. Gefragt ist eher das, was das Bundesministerium für Wirtschaft in seiner Digitalen Strategie 2025 als „Neue Gründerzeit“ bezeichnet.

Ein neuer Businessplan 2.0 für den Mittelstand

Die Finanzierung von Digitalisierungsvorhaben ähnelt dem Finanzbedarf von Start-ups, deren Geschäftsmodell bereits von Beginn auf der Entwicklung und Weiterentwicklung smarter digitaler Lösungen basiert. Etablierte mittelständische Unternehmen benötigen somit einen neuen Businessplan 2.0, wenn sie den Sprung in die Industrie 4.0 wagen.

So bleibt unter dem Strich, die Finanzierung der Digitalisierung für den Mittelstand schwer einzuschätzen:

  • Bei Digitalisierungsvorhaben stehen weniger materielle Sachanlagen im Vordergrund, sondern die Investition in eine langfristige Strategie.
  • Für den Mittelstand ist es ebenso schwierig wie für die Kreditinstitute, den Finanzbedarf genau einzuschätzen.
  • Kleinere mittelständische Betriebe finanzieren ihre digitalen Projekte in erster Linie aus eigener Kraft, weshalb die Digitalisierung hier vorerst in kleineren Schritten erfolgt.