Digitalisierung der Arbeitswelt: Sind die Aussichten düster?

Alarmierend erscheinen die US-amerikanischen Zahlen zur „Generation Computer“. Dort erwarten Experten, dass künftig etwa 50 Prozent aller Jobs wegfallen und schon in wenigen Jahren Arbeitsplätze durch Roboter ersetzt werden. Entwarnung gibt das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung: Der Arbeitsmarkt in den USA lasse sich mit Deutschland nicht vergleichen. Beispielsweise fehlten in den USA ein duales Ausbildungsprinzip und darauf aufbauende Qualifizierungsmaßnahmen wie Techniker- oder Meisterschulen. Weil Highschool-Absolventen ohne akademischen Abschluss statt einer umfassenden Ausbildung nur eine kurze Einarbeitungszeit absolvierten, so die Studie, könnten diese Tätigkeiten auch leichter durch Automation wegrationalisiert werden. Eine Veränderung der klassischen Arbeitswelt dürfe von diesem Gesichtspunkt her nicht so düster betrachtet werden. 

Schöne, neue Arbeitswelt: Digitale Kompetenz ist gefragt

Die Gesellschaft ist von der Vorstellung einer industriellen Arbeitskultur geprägt. Diese Arbeitskultur wird sich jedoch mittelfristig verändern. Die wichtigsten Rohstoffe werden bald nicht mehr Arbeitszeit und Arbeitskraft sein, sondern Wissen und Kreativität. Noch sind die Konturen der neuen Arbeitswelt nicht klar ersichtlich. Sicher dürfte jedoch sein, dass lebenslang unveränderte Beschäftigungsverhältnisse in Zukunft nur noch die Ausnahme sind.

Die Perspektive auf flexible Tätigkeiten im Beruf eröffnet Chancen für die persönliche Arbeitswelt der Mitarbeiter. Während zunehmend einfache Tätigkeiten an Computer und Roboter delegiert werden, ist die menschliche Arbeitskraft bei der Koordination von Prozessen gefragt. Arbeitnehmer können sich bereits jetzt darauf vorbereiten, indem sie sich mit den Themen Datenverarbeitung, Datenspeicherung und Datenverteilung vertraut machen. Diverse Bildungsträger wie die DEKRA-Akademie haben für die Arbeitswelt 4.0 bereits Kurse und Programme entwickelt. Interessant sind diese Angebote vor allem für ältere Mitarbeiter, die nicht im digitalen Zeitalter aufgewachsen und deshalb nicht von Beginn an im Umgang mit Computern vertraut sind. 

Generation Computer: Welche Arbeiten werden automatisiert?

Entfallen dürften vor allem monotone Tätigkeiten, für die sich der Mensch bislang in ein starres Schichtmuster pressen lassen musste. Weil menschliche Arbeitskraft auch bei höchsten Automatisierungsgraden gefragt bleiben wird, bedeutet das für die Mitarbeiter vermutlich auch flexiblere Zeitmodelle und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. 

Darum bleiben manuelle Tätigkeiten weiterhin gefragt

Wenngleich davon auszugehen ist, dass monotone Tätigkeiten auf absehbare Zeit von Robotern übernommen werden, so ist die menschliche Arbeitskraft auch künftig noch gefragt – etwa wenn Tätigkeiten ein Ausbrechen aus der Routine erfordern. Fahrzeuge brauchen trotz allen Fortschritts nach wie vor einen menschlichen Fahrer. Computer und Roboter werden den Menschen auch bei manuellen Tätigkeiten nicht komplett ersetzen können. Der Grund: Selbst den intelligentesten Systemen fehlen wichtige Eigenschaften. Dazu gehören neben sozialer und kreativer Intelligenz auch Feinmotorik sowie Wahrnehmung.

Ein klassisches Beispiel dafür, dass manuelle Tätigkeiten auch in der neuen Arbeitswelt gefragt sind, ist der Kfz-Mechaniker. Weil die klassische Ausbildung angesichts zahlreicher elektronischer Bauteile in modernen Fahrzeugen nicht mehr ausreichte, wurde 2003 der Ausbildungsberuf des Kfz-Mechatronikers installiert. Die Auszubildenden werden hier sowohl in der Mechanik als auch in der Elektronik eines Fahrzeugs geschult. 

Fazit: Digitalisierung und Automatisierung stellen die klassische Arbeitswelt vor einen radikalen Umbruch. Wirtschaft und Arbeitnehmer müssen sich rechtzeitig auf diesen Wandel einstellen, um die Herausforderung der Generation Computer zu meistern. Möglich ist das mit Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen.