Krankheitsbedingte Fehlzeiten haben in deutschen Betrieben deutlich zugenommen. Waren es 2006 erst 12,8 Tage, stieg die Zahl 2011 auf 16,3. Im vergangenen Jahr waren Arbeitnehmer sogar fast 19 Tage pro Jahr krank. Gerade in mittelständischen Unternehmen wird die gefühlte Arbeitsbelastung als überdurchschnittlich hoch empfunden, beobachtet die Handelskammer Hamburg. Gleichzeitig können Fehlzeiten bei kleineren Unternehmen die Betriebsabläufe besonders beeinträchtigen. Aus diesem Grund und vor dem Hintergrund alternder Belegschaften und längerer Lebensarbeitszeiten müssen Unternehmen stärker in die Gesundheit und Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter investieren.

Aber welche Maßnahmen eignen sich? Soll der Schwerpunkt auf Sport und Bewegung, auf Ernährung oder auf die psychische Gesundheit gelegt werden? Bevor aufwendige Projekte entwickelt werden, muss der Bedarf analysiert werden. Welche Belastungen treten am häufigsten auf? Von welchen Angeboten würden die meisten Mitarbeiter profitieren? Um ein Zeichen in die Belegschaft zu senden, ist eine offene Kommunikation wichtig. So können Management und Arbeitnehmer beispielsweise in Workshops über Nutzen und Ziele gemeinsam diskutieren. Nicht zu vernachlässigen beim Thema Gesundheit ist die Rolle der Führungskräfte. Durch Schulungen können sie ihre Kompetenz bezüglich der eigenen Gesundheit und möglicher Gefährdungen ihrer Beschäftigten weiterentwickeln. Auch eine gute Arbeitsorganisation, Wertschätzung und Anerkennung erhöhen die Wahrscheinlichkeit gesunder Mitarbeiter. Zwei Beispiele aus Hamburg zeigen, dass mittelständische Unternehmen bereits mit kleinen Veränderungen große Erfolge beim Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter erzielen können.

Beispiel 1: Ingredion Germany

Bei Ingredion in Hamburg ging es beim Arbeits- und Gesundheitsmanagement vor allem um eine altersgerechte Arbeitsgestaltung. Der Hersteller von Lebensmittelstärke versuchte, den hohen Anteil an Hebe- und Tragtätigkeiten in der Produktion zu verringern. Projektteams erarbeiteten Lösungen und unter Anleitung eines Sportwissenschaftlers fanden für alle Produktionsmitarbeiter Coachings zur Ergonomie am Arbeitsplatz statt. Am Jahresende beurteilt eine Lenkungsgruppe den Erfolg der umgesetzten Maßnahmen für die rund 235 Mitarbeiter.

Beispiel 2: HS Hamburger Software

Mit einer Gesundheitsoffensive wollte der Hamburger Softwarehersteller HS die Mitarbeiterzufriedenheit und das Arbeitsklima verbessern. Um die Mitarbeiter einzubinden, wurde ein Zirkel gegründet, für den sich alle Interessierten bewerben konnten. Das Gremium organisiert seither alle Aktivitäten. Bei einem ersten Infotag gaben Ernährungsberater und Sporttherapeuten Einblick in Kurse wie Tai-Chi oder progressive Muskelentspannung. Mittlerweile werden pro Jahr 20 Veranstaltungen mit insgesamt etwa 400 Teilnehmern organisiert. Im Angebot sind Lauftrainings, Fahrradaktionen, Badminton sowie entspannende Kurse in Yoga, Meditation und Shiatsu – zusätzlich Kurse zur Gewichtsreduktion, Vorträge zu ausgewogener Ernährung oder der Besuch eines Biobauernhofs. Der monatliche Aufwand für die Zirkelorganisatoren beträgt vier bis sechs Stunden. Die Anbieter der Kurse haben zusammen mit Krankenkassen den Bedarf für die 160 Mitarbeiter ermittelt. Vor Einführung des Projekts gab es durchaus Skeptiker, doch inzwischen sind alle vom Nutzen überzeugt. Das Betriebsklima habe sich spürbar verbessert, teilt die Geschäftsführung mit.

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