Wie gut verstehen Sie Ihre Kollegen?

In vielen Unternehmen herrscht ein regelrechtes Silodenken. Mitarbeiter kennen die Arbeitsabläufe ihrer eigenen Abteilung und wissen genau, was zu tun ist. Doch es fehlt ihnen häufig an Verständnis für den Gesamtzusammenhang. Welche Strategien und Hintergründe hinter bestimmten Entscheidungen stehen, ist ihnen unbekannt. Das führt im besten Fall zu Unverständnis, im schlimmsten Fall stehen sich Abteilungen sogar feindlich gegenüber. Für das Unternehmen ist das gleich in mehrfacher Hinsicht schädlich. Arbeitsabläufe werden nicht mehr effizient durchgeführt, die Kommunikation stockt, das Betriebsklima wird vergiftet.

Heute hier, morgen dort

Mit wenigen Schritten kann es einem Unternehmen gelingen, den eigenen Mitarbeitern Einblick in alle Abteilungen der Firma zu ermöglichen – Stichwort: Abteilungswechsel.

Das Trainee-Programm macht es beispielsweise vor:

Ein Trainee, der im Verlauf seiner Ausbildung alle Bereiche der Firma kennenlernt, verfügt oftmals über mehr Durch- und Weitblick als ein Manager, der lediglich seine eigene Abteilung kennt. Dabei sollte gerade das Management diesen Blick über den Tellerrand wagen, um die eigene Strategie optimal auf die Ziele des Unternehmens abstimmen zu können. Auch für das Team ist ein zeitweiser Abteilungswechsel förderlich, um mit anderen Bereichen des Unternehmens erfolgreich zusammenzuarbeiten.

Innovationspotenzial durch Abteilungswechsel

Wenn leitende Mitarbeiter häufiger die Abteilung wechseln, lässt sich ein „Platzhirsch-Gebaren“ vermeiden. Die Zeit in der Abteilung ist von vorneherein begrenzt, ein Wechsel konfrontiert den Mitarbeiter mit völlig neuen Aufgaben und Abläufen. Dabei findet ein Wissenstransfer statt, der als Innovationsschub dienen kann und für das Unternehmen von Vorteil ist.

Und genau einen solchen Innovationsschub braucht der Mittelstand auch: Zu wenig Innovationen bescheinigt etwa der KfW Innovationsbericht 2017 den deutschen KMU. Dabei schlagen sich große Unternehmen im Vergleich zu den kleinen, die bis zu zehn Mitarbeiter beschäftigen, immer noch besser. Die Mittelständler mit bis zu 250 Beschäftigten können in Sachen Innovationsgrad mit den Großunternehmen kaum noch mithalten.

Strategien und Vorgehensweise: So funktioniert ein zeitweiser Abteilungswechsel

Während ein vollständiger Wechsel der Abteilung in der Regel eine interne Bewerbung und/oder eine Änderung des Arbeitsvertrags voraussetzt, kann ein Wechsel für einen begrenzten Zeitraum auch mit weniger bürokratischem Aufwand funktionieren. Allerdings sollte der Wechsel sorgfältig vorbereitet werden, denn langjährige Mitarbeiter und Manager sind fest in ihre Arbeit eingebunden. Eine wichtige Voraussetzung ist somit, dass sie in ihrem Bereich für einige Wochen entbehrlich werden. So sind diese Punkte im Vorfeld zu klären:

  • Wann ist der zeitweise Wechsel geplant?
  • Wie lange verbleibt der Mitarbeiter in der fremden Abteilung?
  • Welche Aufgaben kann er aufgrund seiner Ausbildung und seines Vorwissens dort erledigen?
  • Wie wird seine Arbeit in seiner eigenen Abteilung aufgeteilt?
Quotation mark
Mitarbeiter vorübergehend in eine andere Abteilung zu versetzen, fördert die Kommunikation der Abteilungen untereinander und setzt so wichtige Potenziale für die Innovation frei.

Beispiel Einkauf und Entwicklung: So können die beiden Abteilungen voneinander profitieren

Wie kann eine solche zeitweise Entsendung in der Praxis aussehen? Ein interessantes Beispiel ist ein temporärer Wechsel von der Einkaufsabteilung in die Entwicklung und umgekehrt. Arbeiten beide Abteilungen eng zusammen, kann ein immenses Innovationspotenzial entstehen. Wird der Einkauf frühzeitig in die Produktentwicklung miteinbezogen, lassen sich Kundenwünsche besser erfüllen, Produktionszeiten verkürzen und Kosten senken. Zudem kann der Einkauf wertvolle Impulse für neue Entwicklungen geben. Zu diesem Schluss kommt auch die Studie „Innovationsmanagement durch den Einkauf“ vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT und Ernst & Young. Die Voraussetzungen für eine solche Erfolg versprechende Zusammenarbeit sind eine reibungslose Kommunikation und das Wissen über die Arbeitsweisen der jeweils anderen Abteilung. Auch der persönliche Kontakt kann für die Kooperation nur nützlich sein.

Wechsel wagen, Innovationen fördern

Mitarbeiter vorübergehend in eine andere Abteilung zu versetzen, fördert die Kommunikation der Abteilungen untereinander und setzt so wichtige Potenziale für die Innovation frei. Verständnis für die Arbeitsweise in anderen Bereichen, für ihre Vorgaben, Termine und alltäglichen Herausforderungen dient nicht nur der Entwicklung neuer Lösungen und Produkte für den Kunden, sondern trägt letztendlich auch zu einem positiven Betriebsklima bei.                                    

Abteilungswechsel in KMU – kurz zusammengefasst

  • Die temporäre Entsendung von Mitarbeitern in eine andere Abteilung fördert ihr Verständnis für die Gesamtzusammenhänge des Unternehmens.
  • Der Wechsel muss sorgfältig geplant werden, damit in der „Heim-Abteilung“ keine Engpässe entstehen und der Mitarbeiter seinem Know-how entsprechend eingesetzt wird.
  • Dauert der Einsatz in der fachfremden Abteilung länger als vier Wochen, muss der Mitarbeiter ausdrücklich zustimmen und der Betriebsrat ist zu informieren.