Doch was gilt es bei der Online-Suche zu beachten? Wir haben mit Sebastian Dettmers über die Personalbeschaffung via Web gesprochen. Dettmers arbeitet als Geschäftsführer bei StepStone, einem Unternehmen, das bereits 1996 als eine der ersten Online-Jobbörsen in Europa live ging. 

Herr Dettmers, ist die Jobsuche via Internet nach wie vor der Königsweg für Unternehmen, um Fach- und Führungskräfte zu gewinnen?

Sebastian Dettmers: Eindeutig ja. Für 80 Prozent aller Fach- und Führungskräfte ist die Online-Stellenanzeige heute die erste Anlaufstelle, wenn sie nach einer neuen Karrierechance suchen. Unabhängige Studien belegen zudem regelmäßig, dass Jobbörsen die beste Bewerberresonanz erzielen. 

Reicht heute eine Anzeige auf dem passenden Portal? Oder sind Jobbörsen Teil eines Mixes in der Personalbeschaffung?

Wer seine Stellenanzeige auf einer passenden Jobbörse schaltet, erzielt in der Regel den besten Bewerberrücklauf – bei vergleichsweise geringen Kosten und wenig Aufwand. Natürlich sind auch andere Maßnahmen im Rahmen der Personalbeschaffung von großer Bedeutung; es ist also immer ein Mix. Dazu gehören zum Beispiel Mitarbeiterempfehlungen und eine zielgruppenaffine Kommunikation der Employer Brand, also der eigenen Arbeitgebermarke. Für spezielle Positionen kann in bestimmten Fällen außerdem die Direktansprache eine sinnvolle Ergänzung zur Stellenanzeige sein. 

Welche Rolle spielt der digitale Fußabdruck von Unternehmen bei der Personalbeschaffung und wo sollten Betriebe sonst noch auftreten außer in einer Online-Jobbörse?

Fach- und Führungskräfte nutzen heute in den meisten Fällen das Internet für die Jobsuche, und um sich über Karrierethemen zu informieren. Aus diesem Grund spielt der digitale Fußabdruck eines Unternehmens eine sehr bedeutende Rolle. Unternehmen sollten grundsätzlich überall dort einen professionellen digitalen Fußabdruck hinterlassen, wo sich potenzielle Bewerber tummeln. 

Quotation mark

Unternehmen müssen sich heute bei potenziellen Kandidaten bewerben.

Wie müssen sich Unternehmen heute inhaltlich im Vergleich zu früher präsentieren?

Unternehmen müssen sich heute bei potenziellen Kandidaten bewerben. Das heißt, sie müssen in ihren Stellenanzeigen über das informieren, was sie ihren Mitarbeitern bieten können, beispielsweise hinsichtlich der Entwicklungsmöglichkeiten, Fortbildungen, Zusatzleistungen, Work-Life-Balance und so weiter. Stellenanbieter sollten potenziellen Bewerbern außerdem Fragen wie diese beantworten: Was zeichnet sie als Arbeitgeber aus? Was bieten sie Mitarbeitern, was ihr Wettbewerber nicht bietet? Welche Mitarbeiter passen zu ihrer Unternehmenskultur? Die Bildung und klare Kommunikation einer Employer Brand war vor dem Jahrtausendwechsel noch eher unüblich. Doch der Fachkräftemangel hat bei vielen Unternehmen zum Umdenken geführt. Dieser Prozess wird sich mit steigendem Bedarf an hoch qualifizierten, raren Fachkräften weiter dynamisieren. 

Machen flexible Modelle es für Unternehmen einfacher, passende Bewerber zu finden?

Fachkräften geht es heute in erster Linie um die Substanz ihrer Arbeit und ihre eigenen Perspektiven. Sie wünschen sich interessante Arbeitsinhalte, sie wollen Erfolge erzielen und sich vor allem weiterentwickeln. Flexible Arbeitszeiten sind nur ein Faktor von vielen im breiten Spektrum der Arbeitgeber-Attraktivität – können bei ansonsten vergleichbaren Jobangeboten aber durchaus das Zünglein an der Waage sein. Es kommt auch auf die Bewerberzielgruppe an. Sieht ein Unternehmen zum Beispiel großes Bewerberpotenzial bei Teilzeit arbeitenden Frauen, gewinnt der Faktor Flexibilität entsprechend an Bedeutung. 

Wie wichtig ist es für Bewerber heute, dass Unternehmen moderne Arbeitsplatzmodelle wie etwa Homeoffice anbieten?

Ein Ergebnis unserer Trendstudie von 2015 ist, dass immerhin 68 Prozent der Fach- und Führungskräfte Wert auf flexible Arbeitszeiten legen. Den perfekten Arbeitsplatz machen heute aber immer noch andere Faktoren aus. Zufriedenstellende Arbeitsinhalte, eine gute Beziehung zu Kollegen, klare Anforderungen und Ziele, das Gehalt und Zusatzleistungen sowie Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen sind beispielsweise viel wichtiger. Flexibilität im Arbeitsumfeld wird jedoch in Zukunft an Bedeutung gewinnen, so viel ist sicher. 

Die klassische Personalbeschaffung hat also in Zukunft keine Chance mehr?

Richtig. Die Zeit der Stellenbörsen-Anzeigen in Zeitungen und Magazinen ist vorbei. Um beim Wettstreit um Fach-und Führungskräfte als Unternehmen attraktiv zu bleiben, müssen Firmen heute dort inserieren, wo sich ihre Zielgruppe aufhält: im Internet. Neben harten Faktoren wie das Gehalt sind für neue Mitarbeiter zunehmend weiche Faktoren wie etwa flexible Arbeitszeitmodelle, zufriedenstellende Arbeitsinhalte sowie nette Kollegen entscheidend. 

Herr Dettmers, vielen Dank für das Interview.