Flexibilität ist gefragt

Keine Produktionsanlage wird so in Betrieb genommen, wie sie geplant war. Im Lauf der Bauzeit verändern sich die Ansprüche des Auftraggebers. So besteht bereits bei der ersten Inbetriebnahme Optimierungsbedarf, wenn sich der Produktmix geändert hat oder neue Materialien andere Arbeitsschritte erfordern. Moderne Fabriken benötigen modulare Maschinenparks, die sich schnell umbauen und erweitern lassen. Ein gutes Beispiel ist die Automobilindustrie. Noch ist es nicht möglich, verschiedene Modellreihen auf einem Band zu produzieren. Die Lösung dieser Aufgabe stellt einen echten Meilenstein in der Industriegeschichte dar. Wäre eine solche Flexibilität möglich, käme es einer industriellen Revolution gleich. 

Schwankungen werden die Regel

Produzenten haben sich an eine schwankende Auftragslage gewöhnt. Zwar sind die großen Effekte der Wirtschaftskrise vorbei, die jährlichen Unterschiede bei den Produktionsmengen betragen trotzdem regelmäßig bis zu 25 Prozent. Die Flexibilisierung der Produktion senkt die Fixkosten und trägt zur Optimierung der Gewinnschwelle bei. Modulare Maschinenparks erlauben eine schnelle Anpassung an die Auftragslage. Die flexiblen Maschinen und Teile können leicht an die Produktion anderer Produkte angepasst werden. Außerdem können Standorte verlagert werden, um Zugang zu Fachkräften zu erhalten oder ein günstigeres Produktionsumfeld zu nutzen. 

Detailplanungen senken die Flexibilität

Noch vor wenigen Jahren erfolgte die Planung neuer Anlagen maßgeschneidert auf die spätere Aufgabe. Das rächt sich heute. Auftraggeber und Produkte wechseln ständig. Wer beispielsweise Förderbänder oder ein Transportsystem mit Schienen installiert, legt sich unnötig fest. Die höheren Anfangsinvestitionen für ein Transportsystem mit Indoor-GPS-Steuerung machen sich durch die große Flexibilität langfristig bezahlt. Ändert sich der modulare Maschinenpark, kann das Transportwesen den neuen Anforderungen einfach angepasst werden. Der Trend geht zu Lösungen, die sich leicht verlagern, umbauen und neu ausrichten lassen. 

Das Unternehmen ganzheitlich betrachten

Techniker und Ingenieure sollten produzierende Unternehmen als gesamte Einheit verstehen. Die Verbesserung einzelner Prozesse bietet wenige Möglichkeiten zur weiteren Entwicklung. Die größten Innovationen entstehen aktuell an den Schnittstellen der verschiedenen Fachdisziplinen. Für die Industrie sind daher interdisziplinär ausgebildete Fachkräfte von größter Bedeutung. An den Hochschulen des Landes findet langsam ein Umdenken statt. Immer mehr Studiengänge werden durch eine fächerübergreifende Ausbildung den Anforderungen der Wirtschaft gerecht. 

Die Vision der modularen Maschinenparks

Experten haben klare Vorstellungen der Maschinen der Zukunft. In einer Maschinen-Cloud arbeiten modulare Werkzeugmaschinen flexibel zusammen. Die Fachleute stellen sich vom Maschinenbauer per Konfigurator für den Kunden individuell zusammengestellte Einzelmaschinen vor. Innovative Textilien und Leichtbauelemente dienen als recycelfähige Grundlage. Selbst die Verkleidung ist Teil der Systembauweise nach dem Baukastenprinzip. Eine spezielle Fördereinrichtung transportiert die Werkzeugmaschinen beim Kunden automatisch an den jeweiligen Einsatzort. Auch die Bestückung über Container mit Werkstücken wird vollautomatisch realisiert. Ab dem Jahr 2020 halten die Forscher es für möglich, dass sich der modulare Maschinenpark nach Eingabe des Auftrags in die Steuerungs-IT selbstständig konfiguriert und passgenau zusammenstellt. Sind zusätzliche Module und Maschinen nötig, soll der flexible Maschinenpark innerhalb von 24 Stunden erweitert werden können. 

Neue Märkte erschließen

Werkzeugmaschinen aus Deutschland genießen weltweit einen ausgezeichneten Ruf. Für ausländische Unternehmen und Fabrikationsanlagen in weltweiten Niederlassungen bietet die Flexibilität von modularen Maschinenparks große Chancen. Die schnelle Umstellung der Produktion ohne lange Wartezeiten auf Lieferungen aus Europa steigert die Produktivität und verhindert Produktionsausfälle. Die Entwickler setzen beim Entwurf von Verschleißteilen auf Materialien, die nicht ausschließlich in Europa erhältlich sind. 

Fazit
Den modularen Maschinenparks gehört die Zukunft. Flexible Maschinen, die mobil eingesetzt und schnell den Erfordernissen angepasst werden können, sichern Produktionsbetrieben den Wettbewerbsvorteil. Für Auftraggeber sind Unternehmen mit modular geplanter Technik besonders attraktiv. Sie können schnell liefern und gleichzeitig günstige Konditionen anbieten. Auch die Produzenten selbst profitieren, denn sie haben die Möglichkeit, flexibel auf die Auftragslage zu reagieren. Außerdem verringern sie ihre Abhängigkeit von einzelnen Auftraggebern. Die höhere Auslastung führt zu geringeren Kosten und höheren Gewinnen. Damit ist das Kapital für die Investitionsrunde vorhanden.