Herr Biesterfeld, auf welche Produkte hat sich Ihr Unternehmen spezialisiert?

BIEGLO hat sich auf Hochleistungskunststoffe spezialisiert. Diese Kunststoffe sind Nischenprodukte und selbst Menschen in der Kunststoffindustrie oft nicht bekannt. Insgesamt haben wir vier Hochleistungskunststoffe in unserem Sortiment: Polyetheretherketone (PEEK), Polyimide (PI), Polyetherimid (PEI) und Polyiamidimid (PAI).

Wie definieren Sie Hochleistungskunststoffe?

Hochleistungskunststoffe sind auch bei extremen Temperaturen einsetzbar, wie beispielsweise unsere Hauptprodukte Polyetheretherketone (PEEK) mit 240°C und Polyimide (PI) mit über 300°C. Unser Polyiamidimid (PAI) oder unser Polyimid (PI) behalten ihre guten mechanischen Eigenschaften sogar bei -270°C. Dabei zeichnen sie sich durch eine außergewöhnliche Chemikalienbeständigkeit und durch hervorragende mechanische Eigenschaften, wie hohe Schlagzähigkeit und wenig Gleitwiederstand aus.

In welchen Bereichen werden Ihre Kunststoffe eingesetzt?

PEEK wird gern als Stützring für Dichtungen, als Kompressorventil, Isolator oder Steckverbinder verwendet. Außerdem eigenen sich PEEK-Filamente für den 3D-Druck. Unser CoPEEK hat zudem eine Medizinzertifizierung und wird immer häufiger als Knochenersatz eingesetzt, da es biokompatibel ist und vom Körper besser angenommen wird als Titan oder Edelstahl.

Hochleistungskunststoffe treten zunehmend als Metallersatz auf. Wieso?

Fahrzeuge und Anwendungen müssen immer leichter werden, besonders in der Automobil- und Luftfahrtindustrie. Gleichzeitig werden mehr Leistung und eine hohe Zuverlässigkeit gefordert. Hochleistungskunststoffe können hier oft bessere Ergebnisse erzielen als Stahl und Aluminium. Dazu kommen weitere Vorteile. PEEK zum Beispiel ist selbstschmierend. Es muss also kein Öl oder Fett zum Einsatz kommen. Außerdem kann eine längere Lebensdauer von Komponenten aus PEEK und PI beobachtet werden. Das spart weitere Kosten.

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„Viele Menschen sagen, dass wir nach Stein- und Eisenzeit inzwischen in der Kunststoffzeit angekommen sind.“

John Biesterfeld, BIEGLO GmbH

Wie entwickelt sich das Material weiter?

Viele Menschen sagen, dass wir nach Stein- und Eisenzeit inzwischen in der Kunststoffzeit angekommen sind. Aber Kunststoffe sind gerade mal 100 Jahre alt. Es wird also noch viel geforscht, vor allem bei den High-Tech-Kunststoffen.

Gerade bei den sogenannten Composites gibt es spektakuläre Neuerungen. Kombiniert man beispielsweise neueste Kohlenstoff-Fasern mit Hochleistungskunststoffen, bekommt man Stoffe, die Leichtigkeit mit extremer Belastbarkeit verbinden. Daraus werden Formel-1-Autos oder moderne Flugzeuge hergestellt.

Weitere Entwicklungen sind immer spezialisiertere Kunststoffe mit besonderen Eigenschaften. Bakterien-tötend, selbstschmierend, hart, weich, magnetisch, isolierend, leitend – für jede Anwendung kann man heute einen Kunststoff finden.

Bei der Verarbeitung gibt es auch neue Prozesse. Bekannt sind oftmals nur Extrusion oder Spritzguss, aber auch andere Verfahren wie der 3D-Druck bieten heute bereits viele neue Möglichkeiten.

Wie ist die aktuelle Marktsituation für Kunststoffe?

Obwohl Plastik in den letzten Jahren sehr in Verruf geraten ist, sehen wir die Kunststoffbranche stetig wachsen. Dieser Trend spiegelt sich auch in unseren Geschäftszahlen wider.

Wie sind die weiteren Aussichten?

Wir sehen großes Wachstumspotenzial. Unsere Nischenprodukte wie PEEK werden immer bekannter. Der Trend geht zu immer kleiner und heißer werdenden Geräten. Die Energiedichte steigt. Die Leistung nimmt stetig zu. Man bohrt tiefer nach Öl und Gas und erobert den Weltraum. Ohne moderne Werkstoffe wäre das alles nicht denkbar.

Was halten Sie von der Diskussion über Kunststoffrecycling?

Es ist eine wichtige Diskussion. Jedoch ist sie für unser tägliches Geschäft nur bedingt relevant. Hochleistungskunststoffe sind sehr teuer und die Mengen zum Teil sehr klein. Wir fördern bei unseren Kunden das Sammeln von sortenreinen Abfällen und bieten Ihnen auch an, bestimmte Abfälle zurückzukaufen. Damit leisten wir unseren Beitrag zur Nachhaltigkeit.

Darüber hinaus haben einige Verarbeiter ein Interesse daran, gerade recycelte Hochleistungskunststoffe zu nutzen, da der Preis für Rezyklate niedriger ist als der von Neuware. So wird R-PEEK verstärkt in weniger kritischen Bereichen eingesetzt.