Marc Kloepfel

Business Management

Marc Kloepfel über den Brexit: „Nicht so dramatisch, wie teils erwartet“

Marc Kloepfel, Geschäftsführer der Kloepfel Group, reflektiert den Brexit und die damit einhergehenden Auswirkungen für deutsche Unternehmen.

Im Zuge des BREXITs fielen immer wieder Begriffe wie steigende Kosten und mehr Bürokratie. Nachdem die BREXIT-Entscheidung nun mehr als 4 Monate her ist herrscht Klarheit. Welche Auswirkungen hat der BREXIT konkret auf kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland?

Die Auswirkungen des Brexits auf kleine und mittelständische Unternehmen fallen nicht so dramatisch aus, wie es teils erwartet wurde. Wer vorher von einem drastischen, wirtschaftlichen Einbruch als Folge des Brexits ausging, der hat die Realität mit seiner Prognose weit gefehlt. Dass trotz alledem Auswirkungen auf den deutschen Mittelstand existieren, ist unumstritten. Anders als Großunternehmen und Konzerne, sind deutsche Mittelständler nicht in der Lage entstehende Einbußen mit erhöhten Einnahmen anderer Geschäftsbereiche zu kompensieren. Unsere Umfrage unter 691 Einkäufern, Einkaufsleitern und Geschäftsführern zeigt, dass immerhin 33 Prozent davon ausgehen, dass ihrem Unternehmen Kunden und Aufträge wegbrechen. Hier stellt sich die Frage, ob diese Sorge berechtigt ist, insbesondere im Hinblick auf die bisherigen, harmlosen Entwicklungen.

Welche Veränderungen erleben Unternehmen in der Praxis, beispielsweise bei der Zollabfertigung?

Die Zollabfertigung könnte im Falle der Einführung von Einschränkungen zu einem Störfaktor für Unternehmen werden. Einschränkungen bedeuten Kontrollen, was zwangsläufig in erhöhtem Zeitaufwand bei der Lieferung resultiert. Für Unternehmen die nach Großbritannien exportieren, würde dies längere Lieferzeiten und im Zuge dessen eine schlechtere Verhandlungsgrundlage schaffen. Hinzu kommt noch der mit Einschränkungen einhergehende bürokratische Aufwand, welcher unweigerlich entsteht. Selbstverständlich würde auch ein Kostenaufwand durch das Erheben von Zöllen auf bestimmte Produkte entstehen.

Welche Unterlagen benötigen Unternehmen für den Export nach Großbritannien, die sie vorher nicht benötigten?

Deutsche Unternehmen benötigen künftig jegliche Zollunterlagen, um nach Großbritannien exportieren zu können. Dazu gehören die Handelsrechnung, die Zollwertanmeldung, die Beförderungspapiere oder auch eine Liste der Packstücke, um nur einige Unterlagen zu nennen. Dies führt einen hohen bürokratischen Aufwand herbei, welcher letztendlich weitere Kosten mit sich bringt.

Welche Branche hat der BREXIT in Deutschland am härtesten getroffen?

Die Automobilindustrie und die Pharmaindustrie haben es hier wohl am schwersten. Ganze 12,8% der deutschen Automobil-Ausfuhren gehen nach Großbritannien. In der Pharmaindustrie sind es 10,5%, ein ebenfalls gravierender Anteil. Fest steht: Je tiefer das Pfund fällt, desto stärker werden auch die Investitionen zurückgehen. Daraus ergibt sich eben auch, dass der Brexit auf Unternehmensebene die Investitionsentscheidungen sowie die Preisgestaltung deutscher Unternehmen in Großbritannien beeinflusst. Denn den schrumpfenden Anteil der britischen Ausfuhren müssen deutsche Unternehmen kompensieren, was dann nun mal über Preisveränderungen läuft. Für deutsche Einkäufer hingegen wird der Brexit eher geringe Auswirkungen haben. Nur ein sehr kleiner Teil der eingekauften Ware wird in Großbritannien beschafft.

Inwieweit gibt es durch den BREXIT Auswirkungen für die Importe produzierender Unternehmen?

Das einzige potentielle Risiko sehe ich hier in möglichen Importzöllen. Ich gehe allerdings nicht davon aus, dass diese eingeführt werden. Vielmehr ist ein Erhalten der Freihandelszone wahrscheinlich. Davon abgesehen macht das fallende Pfund den britischen Markt interessant für Importe sofern keine Importzölle erhoben werden. Wie bereits erwähnt, stellt Großbritannien allerdings keinen typischen Beschaffungsmarkt dar.  

Wie groß ist die Chance auf ein Freihandelsabkommen zwischen EU und GB, das dem Schweizer Modell ähnelt?

Ich schätze die Chance auf ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien als sehr hoch ein. Der Binnenmarkt der EU war und ist einer der wichtigsten Wertschöpfer für Großbritannien, dort kann man es sich nicht leisten darauf zu verzichten. Andererseits möchte natürlich auch die EU nicht auf Großbritannien verzichten. Grund dafür sind eben die hohen Exportanteile, wie bereits am Beispiel der Automobil- und Pharmaindustrie verdeutlicht wurde. Hier bleibt allerdings noch das Streitthema „Arbeitsmigranten“ offen, welches sich meiner Einschätzung nach klären wird. Ich gehe davon aus, dass der britische Arbeitsmarkt auch weiterhin für europäische Arbeitskräfte verfügbar sein wird. Man kann nicht abstreiten, dass die EU und Großbritannien sich vom äußeren Erscheinungsbild her voneinander wegbewegen werden. Allerdings werden die tatsächlichen Änderungen im inneren Kern minimiert. Ich rechne damit, dass Großbritannien auch weiterhin wie ein Mitgliedsstaat behandelt wird, obwohl er das nicht mehr ist.

Herr Kloepfel, vielen Dank für das Interview!

Marc Kloepfel - Geschäftsführer

Marc Kloepfel spezialisierte sich während seines internationalen Studiums früh auf die Fachbereiche Einkauf, Logistik und Supply Chain Management. 2007 gründete er gemeinsam mit Efe Duran Sarikaya die Einkaufsberatung Kloepfel Consulting. Marc Kloepfel hat über 15 Jahre Industrie übergreifende Erfahrung im Bereich der ganzheitlichen Beschaffungsoptimierung. Bei Kloepfel Consulting verantwortet er die strategische Ausrichtung der Gesellschaft sowie das Projektmanagement.

Über Kloepfel Consulting

Als eine der führenden Einkaufsberatungen senkt Kloepfel Consulting unter anderem Einkaufkosten nachhaltig und zu 100 Prozent auf Erfolgsbasis. Unsere Mission dabei ist es, nicht nur Beschaffungskosten zu optimieren, sondern dabei auch den Einkauf zu stärken. Mit unserer technischen und kaufmännischen Expertise optimieren wir zudem Einkaufsprozesse, senken Produktkosten, erhöhen die Materialeffizienz, optimieren Lieferketten und steigern somit die Liquidität und Umsatzrendite unserer Kunden.

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