Eine Prothese, die fühlen kann? Das ist keine abwegige Vorstellung, sondern eine konkrete Produktidee des Weltmarktführers in der Prothetik, Ottobock. „Künftig wollen wir Prothesen mit Drucksensoren ausstatten, die Belastungssignale empfangen können, um so dem Anwender eine Rückmeldung zu geben“, sagt Michael Hasenpusch, Leiter des „Open Innovation Space“ von Ottobock. In dem hauseigenen Ideenlabor verbindet das 1919 in Berlin gegründete Unternehmen die eigene Innovationskraft mit frischen Ideen, etwa von akademischen Einrichtungen oder Start-ups.

„Wollen den Innovationsgrad erhalten“

Die großen Konzerne machen es ihnen vor: Sicher, sie können es sich leisten, Geld und Manpower in die Zusammenarbeit mit jungen Denkfabriken zu stecken. Fast alle haben Strukturen geschaffen, um Kontakt zur Start-up-Szene zu finden: Die Deutsche Telekom betreibt seit fünf Jahren einen Inkubator: Hubraum heißt der Brutkasten, in dem Ideen geboren werden, die schnell reifen sollen. Auch die Firma Henkel arbeitet mit Start-ups zusammen und erhofft sich vom Austausch Impulse für neue Technologien und Anwendungen. Und die Deutsche Börse bietet mit ihrem Fintech-Hub jungen Finanzfirmen 60 Arbeitsplätze mit allem Drum und Dran – inklusive Blick auf die Frankfurter Skyline.

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„Synergien können nur in einem offenen und vorbehaltlosen Miteinander entstehen. Die Förderung dieses Vertrauens braucht stete Unterstützung.“

Michael Hasenpusch, Leiter des Ottobock „Open Innovation Space“

Das Thema Innovationen steht bei allen Unternehmen ganz oben auf der Agenda. Nur gerade beim Mittelstand hapert es noch an der Umsetzung. Mittelständler tun sich häufig schwer, sich Kooperationspartner zu suchen. Schnelligkeit, Innovationsfreude und Kreativität– darin sind junge kleine Unternehmen häufig besser. Was liegt näher, als sich in der Start-up-Szene oder an Universitäten und Forschungseinrichtungen nach Partnern umzusehen? Doch nur 37 Prozent aller KMU haben schon einmal mit einem Start-up zusammengearbeitet, fand das RKW-Kompetenzzentrum bei einer Befragung von 200 mittelständischen Unternehmen heraus. Das Marktforschungsunternehmen Lünendonk bescheinigt den KMU eine zu geringe Vorstellungskraft, welche Innovationen ihnen einen Vorteil im Wettbewerb verschaffen könnten. „Gerade bei Themen, die fern vom bisherigen Geschäftsmodell sind, sollten sich Unternehmen viel stärker öffnen. Anders haben sie auch keine Chance, an Kreativität und neue Ideen zu kommen“, sagt Mario Zillmann von Lünendonk.

Geschützter Raum, in dem sich Spirit entfalten kann

Den richtigen Partner zu finden, ist tatsächlich nicht einfach. Ein Ergebnis der RKW-Studie lautet, dass die Hälfte der Befragten nur mit Gründern zusammenarbeiten möchte, die sie kennt. Doch wer sich auf neue Partner einlässt, profitiert meist. Schleicher Electronic Berlin etwa, ein Spezialist für Steuerungssysteme, hat mit den Schleicher Incubator Zoom Zone Labs, genannt „Sizzl“, einen Ort geschaffen, wo Start-ups an Produktentüfteln, sich mit erfahrenen Ingenieuren austauschen und die Produktionskapazitäten des Unternehmens nutzen können. Ein geschützter Raum, in dem sich Spirit entfalten kann.

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„Wir sind stolz, unser erstes Produkt zu verkaufen. Die enge Kooperation mit Kunden wie BMW zeigt, wie stark „ProGlove“ Ergonomie und Effizienz in der Produktion beeinflusst. Bis zu 2.000 Minuten können pro Tag eingespart werden.“

Thomas Kirchner, Gründer und Geschäftsführer ProGlove

BMW und ProGlove Prozess

Der Barcodescanner erleichtert das Verpacken: Die Hände bleiben frei.

Ein Lab ist nur die erste Stufe der Zusammenarbeit. Interessant wird es, wenn es an die praktische Umsetzung geht. Wie beispielsweise beim Autohersteller BMW und ProGlove. Das Münchener Start-up entwickelte einen intelligenten Arbeitshandschuh mit integriertem Barcode-Scanner, der per Daumendruck ausgelöst wird. So hat der Träger die Hände frei. Die praktische Innovation wird inzwischen in der Produktion des Autobauers eingesetzt.

Ob kreative Impulse durch Partner für die Entwicklung neuer Produkte oder gleich clevere Lösungen, die zum Einsatz kommen – die Zahlen bestätigen: 95 Prozent aller mittelständischen Unternehmen würden sofort wieder mit einem Start-up kooperieren wollen.

 

Tipp:
Hier können Sie sich kostenfrei das aktuelle White Paper „B2B-Start-ups in Deutschland: Chancen und Herausforderungen.“  von „Wer liefert was“ herunterladen.

Herr Milde, der Innovationsstarter Fonds Hamburg unterstützt seit 2011 Hamburger Start-ups. Wie sieht
diese Förderung aus?

Der Innovationsstarter Fonds Hamburg investiert Risikokapital in junge innovative Hamburger Unternehmen, um
die Hamburger Start-up-Szene zu stärken und zum Aufbau aussichtsreicher Unternehmen beizutragen. Investoren des Fonds sind zu gleichen Teilen die Freie und Hansestadt Hamburg sowie der Europäische Fonds für regionale
Entwicklung (EFRE).

Mit welcher Förderung können Start-ups rechnen?
Sie können maximal eine Million Euro Beteiligungskapital erhalten.

Wie wählen Sie aus, wen Sie fördern?
Voraussetzung ist eine wachstumsstarke Geschäftsidee, die auf einer selbstentwickelten Innovation basiert und von
einem überzeugenden Team vorangetrieben wird. Idealerweise kommen die Start-ups zu uns, wenn sie bereits erste
Kunden und Umsätze haben.

Was sind die Standortvorteile Hamburgs?
Da gibt es viele: Eine große Vielfalt von Hochschulen und Forschungseinrichtungen sorgt kontinuierlich für Innovationen und hoch qualifizierte Fachkräfte. Zudem haben viele etablierte Unternehmen aus verschiedensten Branchen ihren Sitz an Alster und Elbe, sodass die Vernetzung zu spannenden Geschäftspartnern leicht fällt. Es gibt auch viele Co-Working-Spaces und Acceleratoren und natürlich eine hohe Lebensqualität.

Welches Entwicklungspotenzial sehen Sie in Hamburg?
Die in der Stadt herrschende Aufbruchsstimmung sollten wir noch besser nutzen und dabei noch mehr auf Hamburgs
Stärken setzen. Ich denke da primär an Luftfahrt, Hafen und Logistik, aber auch an das private Kapital, das sich
gegenüber Start-ups stärker öffnen könnte. Insgesamt stellt sich die Hamburger Start-up-Szene noch sehr hanseatisch zurückhaltend dar. Aber ich denke, dass die vielen Erfolgsstorys von Hamburger Start-ups noch mehr Menschen dazu motivieren werden, hier zu gründen.

Hamburg: Beliebter Start-up-Standort

In Hamburg gibt es laut dem Hamburg Start-up-Monitor aktuell 654 Startups. Die meisten davon, 147 an der Zahl, sind im E-Commerce-Bereich tätig, gefolgt von den Bereichen Service, Tech und Food. Insgesamt beschäftigten
diese Hamburger Start-ups 5.969 Menschen. Die Hamburger Gründerszene ist – wie die Gründerszene im Allgemeinen – sehr männerlastig: Von 1.324 Gründerinnen und Gründern sind nur 205 weiblich.

 

Tipp:
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