Familienunternehmen

Business Management

Nachfolge in Familienunternehmen: So gelingt der Stabwechsel

Die nächste Generation steht schon in den Startlöchern – idealerweise jedenfalls. In der Praxis birgt die Nachfolgeregelung jedoch jede Menge Fallen. Eine frühzeitige Planung ist daher unverzichtbar, bleibt in vielen Fällen jedoch aus; schließlich ist der Gedanke, eines Tages das Lebenswerk aufzugeben, für kaum einen Unternehmer angenehm. Die Frage zu vertagen kann jedoch schlimme Folgen haben. Und sie ist dringend: Jedes Jahr suchen rund 71.000 familiengeführte Unternehmen einen Nachfolger - acht Prozent von ihnen finden keinen und stehen vor dem Aus. Das berichtet die Studie „Unternehmensnachfolge im Mittelstand“, herausgegeben von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlands und dem Institut für Unternehmenswertsteigerung. Worauf bei der Nachfolge in Familienunternehmen zu achten ist und wann Nicht-Familienmitglieder ins Spiel kommen, erfahren Sie hier.

Die Übernahme regeln: der frühe Vogel

Rechtzeitige Planung ist das A und O, wenn es um die Nachfolge im Unternehmen geht. Und rechtzeitig bedeutet: fünf bis zehn Jahre, bevor der Stabwechsel über die Bühne gehen soll. Es gilt schließlich, den richtigen Nachfolger zu finden, ihn auf das Erbe vorzubereiten und die Mitarbeiter mit ins Boot zu holen. Und nicht immer ist in der Familie ein geeigneter – und williger – Kandidat zu finden. Auch im umgekehrten Fall wird die Nachfolge zum Geduldsspiel, nämlich wenn mehrere Kinder das Zepter übernehmen möchten. Letztendlich ist die Nachfolge im Familienunternehmen eine höchst emotionale Sache, die an Querelen innerhalb der Familie scheitern kann.

Innovationstreiber Nachfolge

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Einer Studie der Stiftung Familienunternehmen zufolge stehen die Chancen gut, Ihr Unternehmen innerhalb der Familie übergeben zu können: Rund 75 Prozent der Nachfolger sind demnach gewillt, das operative Geschäft zu übernehmen. Ein Verkauf kommt für die wenigsten infrage. Allerdings spielt ein beträchtlicher Teil der Nachfolgegeneration auch mit dem Gedanken, selbst eine Firma zu gründen – und zwar dann, wenn der Übergang nicht konkret geplant und festgelegt wird. Dabei kann ein gut geplanter Wechsel das Unternehmen voranbringen. Gerade hinsichtlich der weiter zunehmenden Digitalisierung ist die Nachfolge in zahlreichen Unternehmen sogar dringend notwendig, um nicht den Anschluss zu verpassen.

Stiefkind Digitalisierung

Das Thema Digitalisierung ist ein anschauliches Beispiel für Fallstricke, die im Rahmen der Nachfolgeregelung lauern können: Die Chef-Generation sieht die Notwendigkeit nicht und ist oftmals schlicht überfordert mit dem Thema. Die zukünftigen Nachfolger dringen mit ihren Ideen nicht durch – mit desaströsen Folgen für den Unternehmenserfolg. Geht es um neue Technologien, sollte sich die ältere Generation von der jüngeren beraten lassen – und ihr so auch den Weg zur Geschäftsführung ebnen.

Die richtige Vorbereitung

Unternehmer lassen ihr Lebenswerk meist nur ungern los. Doch verpassen sie es, frühzeitig für die Übergabe zu sorgen, können enorme finanzielle Verluste drohen. Die Folge: Das Betriebskapital sinkt, der Fortbestand des Unternehmens und zahlreiche Arbeitsplätze sind gefährdet. So gilt es etwa, unter den Kindern einen geeigneten Nachfolger zu bestimmen – kein einfaches Unterfangen, wenn sich mehrere Erben für die Firma interessieren. Gute Chancen bestehen, wenn alle bereits in das Unternehmen in verschiedenen Positionen involviert sind. Trägt einer Verantwortung für das Marketing, der andere für strategische Entscheidungen, kann eine fruchtbare Zusammenarbeit gelingen.

Wege zur Übergabe

Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten, die Firma an Ihre Nachfolger zu übergeben:

  • Schenkung
  • Verkauf
  • Erbvertrag

Vor einer Schenkung sollten Sie sich mit dem Erbrecht vertraut machen. So müssen gegebenenfalls Geschwister des Nachfolgers ausbezahlt werden, wenn das Unternehmen nur an ein Kind übertragen wird. Der Vorteil der Schenkung: Es fällt kein zu versteuernder Gewinn an, da kein Geld fließt. Der Verkauf noch zu Lebzeiten überträgt alle Rechte und Pflichten auf den Käufer – Sie als (dann ehemaliger) Chef haben keine Handhabe mehr. Für viele ist der Verkauf daher keine attraktive Alternative. Bleibt die Übergabe nach dem Erbrecht. Auch diese ist nicht unbedingt die beste Lösung. Gibt es mehrere Erbberechtigte, muss die Erbengemeinschaft alle Entscheidungen einstimmig treffen – ein Unterfangen, das in seltenen Fällen dauerhaft gelingt. Schon allein deshalb ist die sorgfältige Planung, die in der Schenkung oder im Verkauf mündet, essenziell für den Bestand des Unternehmens.

Übernahme von außen

Können die eigenen Kinder – aus welchen Gründen auch immer – die Firma nicht übernehmen, ist die Übergabe an Außenstehende womöglich die beste Lösung, das Unternehmen zu erhalten. Bei einem Management-Buy-out werden die Geschäftsanteile vollständig an ausgewählte Mitarbeiter, idealerweise Mitglieder der Führungsebene, übergeben. Die Vorteile: Sie kennen Strategie und Philosophie, können allerdings auch eine gewisse Unternehmensblindheit mitbringen und neue Strategien womöglich schwer umsetzen. Die externe Nachfolge (Management-Buy-in) bringt eher frischen Wind, doch einen vertrauensvollen Nachfolger zu finden, kann ein langwieriges Unterfangen sein, das nicht selten scheitert.

Rechtzeitige Vorbereitung ist das A und O

Zeit, ein offenes Ohr für Innovationen und vor allem: loslassen. Das sind die Zutaten, aus denen eine erfolgreiche Nachfolge im Familienunternehmen besteht. Streitigkeiten können dagegen den Tod der Firma bedeuten. In diesem Falle kann es helfen, sich extern beraten zu lassen, etwa von einem Mediator.

  • Planen Sie frühzeitig: Fünf Jahre vor der geplanten Übergabe sind das Minimum.
  • Neue Strategien zulassen: Lassen Sie die junge Generation wirklich ans Ruder.
  • Notariell beraten lassen: Das gilt insbesondere dann, wenn mehrere Kinder erbberechtigt sind.
  • Eine geeignete Nachfolge lässt sich mitunter auch im internen Management oder von außen finden.

 

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