Commerzbank-Studie zur Digitalisierung

Digitalisierung des Mittelstandes

Commerzbank-Studie zur Digitalisierung: Der deutsche Mittelstand ist kritisch, aber optimistisch

Wie verändert die digitale Transformation die Arbeit in einem mittelständischen Unternehmen? Wie wirkt sich der Wandel auf die Märkte aus? Mit diesen Fragen befasst sich die Studie „Management im Wandel: Digitaler, effizienter, flexibler!“ der Commerzbank von Anfang 2015. Dafür wurden 4.000 Führungskräfte aus mittelständischen Unternehmen in Deutschland zu ihrem Umgang mit der Digitalisierung befragt. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Mittelständler die digitale Transformation als Chance wahrnehmen. Worin sie die größten Herausforderungen sehen und wie sie den digitalen Wandel angehen wollen erfahren Sie in dieser Zusammenfassung der Studie. 

Trends am Markt – so fordert die Digitalisierung den Mittelstand schon heute 

Die Märkte und die Konkurrenzsituationen verändern sich durch den fortschreitenden digitalen Wandel permanent. 68 Prozent der befragten Manager gaben an, dass sich die Märkte durch die Digitalisierung verengen würden und es einen stärkeren Verdrängungswettbewerb gäbe. Etwa die gleiche Anzahl an Mittelständlern bemerkte zudem, dass sich die Produkt- und Innovationszyklen stetig verkürzen. Sie sehen sich allerdings gut dafür gerüstet und halten ihre Produkte und Dienstleistungen für ausgereift. Gleichzeitig erkennen sie aber die zahlreichen Herausforderungen, die die Digitalisierung für ihre Betriebe bereithält. 

Nachwuchs, Produktentwicklung und neue Vertriebswege als große Herausforderungen

63 Prozent der Befragten geben an, dass die größte Herausforderung der Digitalisierung die Gewinnung von qualifiziertem Nachwuchs sei. Gleichzeitig stehen sie durch den technischen Fortschritt vor Herausforderungen in den Bereichen Kosten und Effizienz. Sie müssen Kosten reduzieren, während sie gleichzeitig die Produktivität steigern wollen.

Weitere Herausforderungen sehen die befragten Manager in den Bereichen Innovation und Expansion. 37 Prozent der Befragten haben Schwierigkeiten in der Entwicklung von Innovationen für Produkte und Dienstleistungen, 32 Prozent in der Erschließung neuer Vertriebswege. Des einen Chance ist des anderen Hürde – so lässt sich der aktuelle Zustand im Mittelstand wohl am besten beschreiben. 

Wachstumspotenzial der nächsten fünf Jahre 

Trotz großer Herausforderungen blicken die meisten Mittelständler positiv in die Zukunft und prognostizieren Wachstum. Die Hälfte der Befragten geht davon aus, dass ihr Unternehmen in den kommenden fünf Jahren substanziell wachsen wird. Knapp 40 Prozent rechnen damit, dass sie ihr Umsatzniveau halten können. Lediglich zwölf Prozent befürchten rückläufige Umsätze. Führungskräfte aus dem verarbeitenden Gewerbe und dem stark internationalisierten Mittelstand sind dabei am optimistischsten. Von ihnen rechnen 53 Prozent beziehungsweise 59 Prozent mit einem deutlichen Umsatzplus in den kommenden fünf Jahren. 

Verlust von Arbeitsplätzen möglich 

Insgesamt bewertet der Mittelstand die zunehmende Digitalisierung positiv. Das gaben 86 Prozent der befragten Führungskräfte an. Dennoch rechnen 40 Prozent von ihnen mit dem Verlust von Arbeitsplätzen. Dafür gibt es verschiedene Ursachen: Zum einen drängen neue Wettbewerber und Nischenanbieter auf den Markt, die Geschäftsfelder der Mittelständler erobern wollen. Gleichzeitig ersetzen immer mehr Maschinen die Arbeitskraft von Menschen. 

Skepsis gegenüber neuen Möglichkeiten 

Zwei Drittel der befragten Manager gaben an, dass ihr Unternehmen die Digitalisierung im Moment nur beobachtet und abwartet. Die Führungskräfte setzen derzeit auf Konkurrenzanalysen und handeln bei Bedarf ihrer Kunden. Aktuell nutzen mittelständische Unternehmen neue, digitale Technologien überwiegend, um administrative Abläufe zu optimieren. Sie ermöglichen damit beispielsweise standortübergreifendes Arbeiten, flexible Arbeitsformen und verbesserten Service durch Onlinebetreuung.

Gegenüber neuen Möglichkeiten herrscht Skepsis. Besonders in Bezug auf Big Data und die digitale Vernetzung haben viele Führungskräfte Vorbehalte. Nur 24 Prozent der Befragten sehen Big Data als Chance, wohingegen acht Prozent diese Technologie sogar als Bedrohung betrachten. Auch im Cloud Computing und dem „Internet der Dinge“ sieht aktuell nur knapp ein Drittel der befragten Entscheider eine Chance – vor allem, weil sie Produktpiraterie befürchten.

Nutzung digitaler Technologien bisher wenig verbreitet

Nur 15 Prozent der befragten Unternehmen ziehen schon heute einen starken Nutzen aus der Digitalisierung. Diese Innovatoren setzen beispielsweise in Form vernetzter Wertschöpfungsketten auf neue Technologien. 

Im folgenden Diagramm sehen Sie, inwiefern und wie stark Innovatoren und „normale“ Mittelständler neue digitale Technologien bereits heute einsetzen. Auffällig ist, dass klassische Mittelstandsunternehmen sich schwertun, in ihren Abläufen auf Neuerungen zu wechseln. Vor allem in der Vernetzung der Wertschöpfungskette und der Nutzung neuer Geschäftsmodelle sind die Innovatoren den Mittelständlern weit voraus. 

Hürden der Digitalisierung

Viele Unternehmen warten mit ihrer digitalen Transformation im Moment noch ab, weil sie viele Barrieren beim Einsatz neuer digitaler Technologien sehen. Als Hürden nennen die befragten Manager vor allem:

  • Komplexität und Geschwindigkeit der technischen Entwicklung (52 Prozent)
  • Hoher Investitionsbedarf (50 Prozent)
  • Sicherheitsrisiken und Datenschutzprobleme (49 Prozent)
  • Unsichere Erfolgsaussichten (35 Prozent)

Fazit:  Managementebene stellt sich behäbig auf Digitalisierung ein

Die Manager gaben auch an, welche Herausforderungen die Digitalisierung für sie persönlich bedeutet. Dabei wurden folgende Kompetenzen genannt, die im Management zukünftig stärker gefragt sein werden:

  • Verständnis digitaler Technologien
  • Fähigkeit, Innovation und Information zu filtern
  • Flexibilität und schnelle Entscheidungsfindung
  • Offenheit für Kooperationen und externe Partnerschaften
  • Bereitschaft, bewährte Erfolgsmodelle infrage zu stellen
  • Kooperative Führung und flache Hierarchien
  • Interesse an branchenfremden Entwicklungen
  • Interesse an der Lebenswelt junger Menschen

Trotz Skepsis, Hürden und neuen Anforderungen rechnen die Manager mit einem Wettbewerbsvorteil durch die Digitalisierung. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist, dass Führungskräfte mehr Kenntnisse über digitale Technologien erwerben und damit Bedenken abbauen. 

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