Dr. Felix Menden - Industrie 4.0

Digitalisierung des Mittelstandes

Industrie 4.0: Karriereturbo für Einkäufer

Die Unternehmenswelt wird zunehmend digitaler. Doch der Datenaustausch in Sekundenschnelle, mobile Mehrwertdienste und vieles mehr stellen Unternehmen vor neue Herausforderungen. Die neuen Technologien scheinen ein grundliegendes Umdenken zu erfordern. Gleichzeitig bieten die digitalen Innovationen jede Menge Potenzial für die Zukunft. Duran Sarikaya von der Unternehmensberatung Kloepfel Consulting traf sich mit „Wer liefert Was“-Chief Technology Officer und Digital-Experte Dr. Felix Menden zum Gespräch. Hier die spannendsten Fragen und Antworten!

Duran Sarikaya: Herr Menden, wie verändert sich Führung durch das immer digitaler werdende Tagesgeschäft? 

Dr. Felix Menden: Die Digitalisierung erlaubt eine Flexibilisierung der Arbeit bei gleichzeitiger Verbesserung der Leistung. Sowohl inhaltlich, örtlich als auch zeitlich. Für den Mitarbeiter bedeutet dass, dass er auch mal von zu Hause arbeiten kann, wenn er auf einen Handwerker wartet oder sich besonders konzentrieren muss. Insgesamt werden Mitarbeiter so produktiver. In der Führung bedeutet dies auch eine gewisse Asynchronität bewältigen zu können und über Aufgaben und Vertrauen zu führen. E-Mail, Video, Chat und Wiki-Systeme bieten sehr nützliche Umgebungen mit niedriger Nutzungshemmschwelle. Führung im Digitalen Zeitalter bedeutet auch, mit den Mitarbeitern permanent nach Automatisierungsmöglichkeiten zu suchen und diese zu nutzen. 

Wie begeistert man die Mitarbeiter und gewinnt deren Vertrauen, wenn Unternehmen ihr Unternehmen in eine digitale Zukunft führen? 

Vertrauen gewinnt man durch ein ehrliches Weiterentwicklungsangebot an die Mitarbeiter während des Transformationsprozesses. Bei uns gibt es Beispiele von altgedienten Redaktions-Mitarbeitern, die nun professionell eine mathematische Search-Engine-Advertising Maschine steuern oder von SAP Mitarbeitern, die PHP und JavaScript lernen, um unser neues CRM-Tool zu programmieren. Dennoch muss man hier transparent sein, denn dies trifft nicht auf jeden zu und es möchte auch nicht jeder Mitarbeiter solch einen Weg gehen.  Zusätzlich kommen mit jedem Innovationsschritt neue Mitarbeiter in das Unternehmen, die jeweils Spezialisten auf ihrem Gebiet sind. So entwickelt sich die Firma Schritt für Schritt weiter. 

„Wer liefert was“ kommt aus einem klassischen Verlag. Welches waren die Erfolgsfaktoren dafür, „Wer liefert was“ für die digitale Zukunft zu rüsten? 

Immer mit neuen Medien zu experimentieren und die stetige Freude sich kontinuierlich weiter zu entwickeln sind die Erfolgsfaktoren. Das Unternehmen hat schon immer einen signifikanten Teil seiner finanziellen Überschüsse in den Fortschritt und in Innovationen gesteckt. Dies begann mit Mikrofiche, ging über Medien-CDs bis hin zur Verzeichnis-Website und nun zum Online-B2B-Marktplatz. 

Birgt die Digitalisierung der Wirtschaft auch Risiken? Und wenn ja, für wen und welche? 

Es gibt drei Risiken. Erstens, dass der internationale Wettbewerb schneller digitalisiert und den global-lokalisierten Markt unwiderruflich besetzt. Zweitens, dass die Arbeitsmodelle in einer durch die Digitalisierung getriebenen „Projektwirtschaft“ von den Unternehmen nicht mehr ausreichend gut gemanaged werden können. Drittens, dass ein nicht ausreichendes Verständnis von Datenflüssen, Datenhoheit und Sicherheit mittelfristig zu unguten Abhängigkeiten und Schäden führen kann. In allen Punkten sind Gesetzgeber, Firmen, Gewerkschaften und jeder einzelne gefragt sich gut aufzustellen, um mitzuhalten. 

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Mit neuen Medien zu experimentieren und die stetige Freude sich kontinuierlich weiter zu entwickeln sind die Erfolgsfaktoren.

Betrachten wir einmal den Einkauf: Inwiefern profitieren Einkaufsmanager von Industrie 4.0? Und wie kann man diese dafür begeistern? 

"Industrie 4.0“ ist ein Sammelbegriff für die aufkommende Prozessintegration von Sourcing, Zulieferung, Herstellung und Verkauf und After-Sales bis auf die Ebene der einzelnen Produkteinheit hinunter. Für den Einkäufer bedeutet das auf der einen Seite eine immer höhere Markttransparenz, von der er profitieren kann; andererseits bedeutet es auch, dass Produktions- und Lagerstätten bzw. die Herstelleinheiten selbst nach Bedarf und Auftragslage ihre Ausgangsmaterialien bestellen. In Echtzeit. Stellen Sie sich den Einkäufer 4.0 eher als einen Programmierer vor, der Sourcing-Algorithmen für eine Produktionsstätte entwickelt und implementiert. Die Daten dafür kommen über von ihm ausgewählte und abonnierte Dienste (wie z.B. von „Wer liefert was“). 

Wie unterstützt „Wer liefert was“ den Einkauf? Bzw. wie kann der Einkaufsmanager mit „Wer liefert was“ nachhaltig Geld sparen und sich die Arbeit erleichtern und unter den Lieferanten auch echte Innovationspartner finden? 

In Punkto Innovation und neuen Beschaffungsquellen läuft der erste Schritt über Spezialsuchmaschinen wie „Wer liefert was“ und perspektivisch über von ihm genutzte Prozesssoftware. „Wer liefert was“ bietet hierbei eine Produktsuche an, über die sich nicht nur alle Lieferanten, sondern auch die Sortimente durchsuchen lassen. Letzteres ist besonders hilfreich, wenn die Möglichkeiten und das Wissen um das Beschaffungsgut beim Einkäufer noch nicht vollständig ist. Das Geldsparen geht heute schon über einen klassischen Ausschreibungsprozess – ob elektronisch oder nicht. Spannend wird es bei Lohnherstellungen, Lieferantenfähigkeiten, Sortimenten, Anpassungen, Zertifizierenden und verlässlichen Qualitäten. Mögliche Innovationspartner zeichnen sich jetzt schon dadurch aus, dass sie ihre Sortimente digital verfügbar machen (können). Wie z.B. in der Produktsuche auf „Wer liefert was“ oder in dedizierten Login-Bereichen bei den Herstellern. Hier sollte der Einkäufer die Augen aufmachen. 

Finden Einkäufer nicht auch über Google die richtigen Ansprechpartner und Zulieferer für Ihr Unternehmen? 

Nicht wirklich. „Wer liefert was“ bietet eine gezielte Produkt- und Sortimentssuche mit vielen Bildern. Das ist besonders hilfreich, da der Einkäufer seine Möglichkeiten eines Beschaffungsgutes fokussiert abscannen kann. In so einem Zustand, kommt die Google Bildersuche dem Bedürfnis zwar schon sehr nahe. Bei Preisen, Zahlungskonditionen und Qualitäten hört es aber bei Google schon auf. Hier bauen wir unsere Datenbanken entsprechend aus. Spannend wird es dann vor allem dann, wenn man in einer Produktsuche Lohnerstellungen, Lieferantenfähigkeiten, Zertifikate usw. zur Selektion heranziehen kann. Sollte der Einkaufsmanager auch Innovationspartner suchen, so findet er sie jetzt schon erste Vorreiter unter unseren Kunden, die ihr Sortiment digitalisieren. 

Der Einkauf, das erleben wir immer wieder, wird als Wertschöpfer insofern unterschätzt, weil es doch schon bei vielen Unternehmern heißt: „Wer sparen muss, dem geht es schlecht!“ Wie kann man die Einkäufer im Unternehmen aufwerten und beim Unternehmern ein Bewusstsein für die Wichtigkeit der Lieferkette schaffen? 

Wie schon eingangs erwähnt, kommt der Automatisierung eine Schlüsselrolle zu. Denn zwei Disziplinen sind für den Dauererfolg zu knacken: Erreichung einer ausreichend hohen Mittel-Effizienz und die Fähigkeit Komplexität zu bewältigen. Wir sind mit unserem Denken noch viel zu sehr in der Vergangenheit, wenn wir glauben, Skalierung sei ein reines Effizienzspiel – so wie gelernt. Tatsächlich benötigt man sowohl Effizienz- als auch Komplexitätsbewältigungsfähigkeiten, denn nur so sind viele z.B. unterschiedliche Konfigurationen bei hohen Qualitäten und vertretbarem Mitteleinsatz gleichzeitig zu erreichen. Klingt Paradox, wird aber genau durch Digitalisierung ermöglicht und von allen Marktteilnehmern ausgenutzt. Wenn der klassische Einkäufer sich das dafür nötige System-Programmier-Prozess-Logistik-Wissen angeeignet, wertet er sich im Unternehmen von ganz alleine auf. Ihm kommt in der Digitalisierung somit eine Schlüsselrolle zu, da er am Anfang der Prozesse steht. 

Danke, Dr. Menden, für das Gespräch!


Lesen Sie jetzt mehr über die digitalen Herausforderungen für den Einkauf und das Supply Chain Management in unserem Artikel über die Industrie 4.0.

Dr. Felix Menden

Dr. Felix Menden ist Chief Technology Officer bei „Wer liefert Was“ und Digital-Experte.

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