FinTech-Unternehmen

Digitalisierung des Mittelstandes

FinTech-Unternehmen unter die Lupe genommen

Das Internet krempelte bereits viele Branchen um. Nun ist die Finanzwelt dran: Junge FinTech-Unternehmen drängen mit neuen Angeboten auf den Markt. Sie reichen vom webbasierten Zahlungssystem per App oder Smartphone über Kontoverwaltung bis zu Geldanlagekonzepten. Die Idee dahinter: Geldlösungen sollen einfacher und innovativer werden.

Einige Euros anlegen, einen Kredit aufnehmen, sich zu Finanzen beraten lassen oder einfach im Internet etwas bezahlen – und das alles in Eigenregie und ohne die Dienste einer Bank in Anspruch zu nehmen. Klingt unmöglich? Könnte aber schon bald zum Alltag gehören wie das Buchen einer Reise (ohne Reisebüro) oder das Bestellen der Lieblingsschuhe beim Hersteller (ohne Einzelhandel). Die Möglichkeiten des Internets haben nun auch die Banken erreicht. FinTech lautet das Schlagwort der Stunde, es steht für Financial Services und Technology.

Zu den Vorreitern der Szene gehörten britische Start-ups wie die Mikrofinanzierer Wonga oder auch Zopa. Deren Idee: Privatpersonen geben – vermittelt über eine Internetseite – Kredite an andere Privatpersonen oder auch an Unternehmen. Crowdlending heißt dieses Prinzip. Für die Vermittlung kassiert der Online-Kreditmarktplatz eine Gebühr. Derzeit sind es vor allem US-Amerikaner, die ihr Geld auf diese Weise anzulegen bereit sind – mehr als die Hälfte des in Crowdlending investierten Kapitals kommt aus den USA.

Aber auch in Deutschland wird FinTech immer mehr zu einem Thema. Mehr als 80 Start-ups beschäftigen sich bereits mit der Entwicklung von neuen Finanzdienstleistungen im Web. Im Trend liegen hierzulande mobile Applikationen für einen sicheren und effizienteren Zahlungsverkehr beim E-Commerce. Zum FinTech Sektor zählen auch Plattformen, auf denen die persönlichen Finanzen gemanagt werden können. Die Direktbank Fidor, 2009 gegründet, wirbt mit einem „Dialog auf Augenhöhe“ – die Kunden dürfen nicht nur teilweise mitbestimmen, welche Finanzdienstleitungen im Angebot sind, sie können auch rund um die Uhr mit anderen Mitgliedern der Fidor-Community – Kunden, Mitarbeitern und sogar den Vorständen der Bank – in Kontakt treten.

Woher das Geld kommt

Zu den Finanziers der FinTechs zählt zum Beispiel das als Inkubator bezeichnete Unternehmen Rocket Internet der Brüder Samwer. Sie sind seit 2013 mit Lendico am Markt, eine Plattform für Kredite. Ähnliche Konzepte verfolgen die Start-ups Auxmoney oder Smava. Auch klassische Venture Capital Unternehmen wie Target Partners unterstützen die FinTech-Szene. Seit gut einem Jahr investiert die Firma in Finanzchef24, ein Vergleichsportal für Gewerbeversicherungen. Hier können Selbstständige und Kleinunternehmer kostenlos Versicherungen vergleichen und abschließen. 

Banken ziehen nach

Bei so viel Bewegung kommen die traditionellen Geldhäuser langsam in Zugzwang. Die Deutsche Bank hat nun angekündigt, sich stärker digitalisieren zu wollen. Die Commerzbank ist schon einen Schritt weiter: Die Frankfurter Bank hat mit dem Main Incubator bereits einen eigenen Brüter für innovative Finanzideen am Markt.

Deutsche FinTechs - eine Auswahl

FinTech im Aufwind: Mehr als 80 deutsche Start-ups bieten bereits webbasierte Dienste rund ums Thema Geld

Beispiel 1 Kreditvergabe (Lending):

Kreditech

Kreditech hat eine Scoring-Technologie entwickelt, um kleinere Kredite an Privatpersonen in Länder vermitteln zu können, in denen keine Daten zur Kreditwürdigkeit erhoben werden. Das geschieht mithilfe aller online frei zugänglichen Informationen über die Person, die einen Kreditantrag stellt. Quellen sind zum Beispiel Facebook- und LinkedIn- Profile. Die durchschnittliche Kreditentscheidung wird nach nur 43 Sekunden gefällt. Wird der Antrag bewilligt, enthält der Kunde innerhalb weniger Tage eine Gutschrift auf seinem Konto. Die Kunden des Hamburger Unternehmens sind hauptsächlich in Australien, Russland, Mexiko, Spanien und Tschechien beheimatet. Über 55 Millionen Kredite wurden bislang weltweit ausgezahlt, jeden Tag kommen 2000 Anträge hinzu.

CEO Sebastian Diemer

„Wir definieren Banking neu. Unser Ziel ist es, dem Kunden auf Basis von algorithmischem Banking – das heißt durch Big-Data-Analysen und automatisierte Prozesse – maßgeschneiderte Finanzprodukte anzubieten.“

Beispiel 2 Versicherungen (Insurance):

Friendsurance

Versicherte schließen sich zu kleinen Gruppen zusammen. Von den gezahlten Beiträgen fließt ein Teil in einen Topf. Passiert kein Schaden, bekommt jeder einen Teil aus diesem Topf als Bonus zurück. Vergangenes Jahr kamen 84 Prozent der Mitglieder in den Genuss des Schadensfrei-Bonus und erhielten bis zu 40 Prozent der gezahlten Beiträge für ihre Hausrat- oder Haftpflichtversicherungen zurück. Aktuell kooperiert Friendsurance mit rund 60 Versicherungspartnern in Deutschland. Die Firma hat ihren Sitz in Berlin. Sie wurde 2010 gegründet und beschäftigt inzwischen mehr als 50 Mitarbeiter aus insgesamt 13 Nationen.

Gründer und Geschäftsführer Tim Kunde

„Wir verstehen uns als Ergänzung zu traditionellen Versicherungsunternehmen, denn unser Modell schafft nicht nur Mehrwert für die Kunden, sondern auch für Versicherungsunternehmen. Sie profitieren von einer gesteigerten Zufriedenheit und Bindung ihrer Kunden.“

Beispiel 3 Geldanlage (Trading): 

easyfolio

Grundlage des Start-ups bildet die wissenschaftliche Erkenntnis, dass die Geldanlage dann gut und ertragreich ist, wenn das Geld diversifiziert angelegt und der produzierenden Wirtschaft zur Verfügung gestellt wird. Das Unternehmen easyfolio investiert in mehr als 5000 Aktien und Anleihen, welche die Weltwirtschaft abbilden. Für die Kunden soll sich alles so einfach wie möglich gestalten.

Gründer und Geschäftsführer Markus Jordan

„Vermögensaufbau mit uns ist ideal für alle, die beruflich stark eingebunden sind und wenig Zeit haben. In nur drei Schritten ist die individuelle langfristige Geldanlage abgeschlossen: Anlegertyp ermitteln, Strategie wählen und direkt ins bestehende Depot kaufen. Einfacher geht es wirklich nicht.“

Beispiel 4 Bezahlen (Payment): 

Cashcloud

Cashcloud ermöglicht mithilfe einer kostenlosen mobilen elektronischen Geldbörse (E-Wallet) das weltweite Bezahlen im Internet und auch per Funktechnologie in Ladengeschäften. Seit Juni 2015 ermöglicht beispielsweise der Lebensmittelhändler Aldi Nord das kontaktlose Bezahlen. Kunden profitieren von Einkaufsvorteilen durch mobile Coupons und Cashback-Aktionen. Freunde können sich untereinander einfach Geld senden. Seit Kurzem ist das Schweizer Unternehmen an der Börse notiert.

Managing Director Olaf Taupitz

„Wir machen das Smartphone zur Brieftasche. Das bargeldlose Bezahlen sowie der Geldtransfer zwischen Freunden sind damit so einfach wie niemals zuvor.“

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