Welche Auswirkungen haben die neuen Zölle?

Der deutsche Mittelstand, der Rohstoffe in die USA liefert, leidet unter den Strafzöllen. Und die von der EU als Revanche verhängten Gegenzölle wiederum treffen die Importeure und damit die Einkaufsabteilungen. Betroffen sind hier vor allem Kohle, Maschinen und Elektronik. Aber auch die US-Zölle auf Importe aus China können ganze Märkte verändern: Wird es für chinesische Unternehmen teurer, ihren Stahl in die USA zu exportieren, könnte sich das Reich der Mitte auf den europäischen Markt konzentrieren und mit seinen Kapazitäten hier die Märkte drücken.

Was bedeuten EU-Gegenzölle für deutsche Mittelständler?

Auf der Liste der betroffenen US-Produkte stehen vor allem Agrar- und Konsumprodukte wie Motorräder, Jeans, Erdnussbutter und Cranberrys. Die Gegenzölle treffen also in erster Linie die Verbraucher und nicht die Unternehmen. Und Stahlstäbe, legierte Stangen und Aluminium, die ebenfalls auf der Liste stehen, sind als Importprodukte für den deutschen Markt eher weniger relevant. In diesen Märkten waren die USA auch in der Vergangenheit nicht wettbewerbsfähig. Bei Rohstoffen sowie chemischen Erzeugnissen wie Pharmazeutika hingegen spielen die USA eine wichtige Rolle für Deutschland. Auch Maschinen und Elektronik werden von Deutschland in größerem Stil importiert. Hier bleibt abzuwarten, ob und inwiefern die EU auch auf diese Produkte Gegenzölle erhebt.

Was also tun in Zeiten von „America First“?

Führungskräfte und Einkaufsmanager sollten sich spätestens jetzt vorbereiten – besonders, wenn sie für international agierende Unternehmen mit internationalem Lieferantenportfolio und weltweiten Produktionsstandorten sowie internationalen Absatzmärkten agieren.

Es gilt, die Beschaffung so abzusichern, dass die Wertschöpfungskette weiteren protektionistischen Maßnahmen standhält. Unternehmen müssen mehr Transparenz über ihren Bedarf und ihre Lieferquellen herstellen. Nur, wenn Unternehmen genau wissen, welche Rohstoffe sie wirklich benötigen, und aus welchen Ländern diese kommen, können sie ihre Risiken frühzeitig erkennen und gegebenenfalls gegensteuern.

Regionale Lieferanten als Plan B

Im Interview mit dem Magazin „Markt und Mittelstand“ (Juli 2018) nannte Lars Peter Häfele, Geschäftsführer beim Einkaufs-Unternehmensberater Inverto, als besonders wichtigen Punkt, Schlüssellieferanten durch weitere zu ergänzen. Dabei sollten auch regionale Lieferanten als Back-up in Betracht gezogen werden. Mehr Transparenz und Flexibilität sowie ein Lieferantenpool innerhalb Europas könnten Häfeles Meinung nach deutsche Unternehmen wettbewerbsfähiger machen: „Die Kunst besteht jetzt darin, trotz fehlender Planbarkeit eine Absicherung in verschiedene Richtungen vorzunehmen.“

Laut Lars Peter Häfele reagieren viele Unternehmen zu spät. Nämlich dann, wenn die Rohstoffpreise am Markt steigen und Lieferanten die Preise bereits erhöhen. Er empfiehlt ein proaktives Handeln, wodurch Unternehmen schneller auf Änderungen in den Beschaffungsmärkten reagieren können. Dabei kann auch die Digitalisierung helfen. Wenn Unternehmen es schaffen, durch eine vernetzte Produktions- und Absatzplanung den Materialbedarf besser zu planen, kann der Einkauf in Zusammenarbeit mit den Lieferanten auch die Versorgungssicherheit erhöhen und Preisrisiken minimieren.