Beschaffungstrends 2017

Einkauf

Beschaffungstrends verändern die Beziehung zwischen Kunden und Lieferanten

Industrie 4.0 – das ist das Schlüsselwort für den nächsten Entwicklungssprung der Industriestaaten. Noch können sich manche Vorstände, Geschäftsführer und Arbeitnehmer teilweise nur schemenhaft vorstellen, was unter Industrie 4.0 zu verstehen ist und welche Auswirkungen sich bei den Unternehmen daraus ergeben.

Klar ist, dass die nächste Stufe der Digitalisierung damit verbunden ist. Der Einsatz von intelligenter Software, immer leistungsfähigerer Netzwerke und hochleistungsfähiger Datenbanksysteme wird alle Branchen und alle Unternehmen erfassen und diejenigen aus dem Geschäft werfen, die den neuen Anforderungen nicht entsprechen.

Ein Schwerpunkt der gedachten, geplanten und gewünschten Veränderungen sind die Beziehungen zwischen Kunden und Lieferanten, zwischen weltweit agierenden Unternehmen und zwischen verschiedenen Branchen und Institutionen. Ein ganz besonderes Augenmerk richtet sich auf die Bereiche Einkauf und Beschaffung, Lagerhaltung und Logistik. 

E-Procurement – mehr Bedeutung für den Einkauf

Die meisten Fertigungsbereiche sind schon weitgehend digitalisiert, ebenso Konstruktion und Entwicklung. Dagegen sind viele Geschäftsprozesse der Unternehmensführung nicht an die neuesten digitalen Möglichkeiten angepasst. Vor allem bei den KMUs gibt es noch Nachholbedarf in Bezug auf die Vernetzung und Steuerung durch hoch leistungsfähige Computersysteme.

Dabei wird der Beschaffer mehr und mehr zum Strategen. Sie entscheiden mit, wenn es um die Produktentwicklung und die Produktion geht. Schließlich ist die Beschaffung von Material und Zulieferprodukten von strategischer Bedeutung, vor allem im Hinblick auf Global Sourcing und Risikomanagement.

Entsprechend steigen die fachlichen Anforderungen an die Einkäufer. Sie sollen die Risiken minimieren, so günstig wie möglich einkaufen, die Qualität der Produkte sicherstellen und die Beschaffung mit allen zur Verfügung stehenden digitalen Hilfsmitteln optimieren. Produktentscheidungen können schneller der Nachfrage angepasst werden, Produkte schneller entwickelt werden, wenn auch die Beschaffung mitzieht. So ergibt sich aus Industrie 4.0 zwangsläufig der Einkauf 4.0. 

Einsparungen durch Kooperation mit Lieferanten

In den meisten Branchen ist die Zusammenarbeit zwischen Entwicklern, Lieferanten und Einkäufern noch Neuland. Dabei liegen genau in der Kooperation die größten Möglichkeiten zur Verbesserung der Produkte und ihrer Fertigung.

Wenn sich Entwickler, Lieferanten und Einkäufer schon in der Konstruktionsphase eines Produktes auf gemeinsame Ziele verständigen, sind die Weichen für eine erfolgreiche Produktentwicklung und Produkteinführung gestellt. So lassen sich entscheidende Vorteile im Einkauf erzielen.

Je besser die Kooperation geführt wird, umso zufriedenstellender sind die Ergebnisse für den Kunden und den Lieferanten. Es gibt Regeln für „gute Umgangsformen“ in einer Kooperation:

  • Schaffen Sie Zustimmung zur Kooperation im eigenen Unternehmen! Widerstände gegen Veränderungen im Entwicklungsprozess und im Einkaufsverhalten sollten Sie mit guten Argumenten ausräumen.
  • Informieren Sie die ins Auge gefassten Lieferanten! Je offener und je frühzeitiger Sie Ihre Lieferanten über das Projekt und die Anforderungen informieren, umso gezielter kann sich Ihr Beschaffungspartner auf die Situation einstellen. Belohnt wird dies mit verbindlichen Konditionen, der gewünschten Qualität und günstigen Preisen.
  • Formulieren Sie Anreize für den Lieferanten! Durch wechselseitigen Know-how-Austausch entstehen nicht nur für Ihr Unternehmen Kostenvorteile. Auch Ihr Partner in der Beschaffung möchte von solchen Vorteilen profitieren. Suchen Sie die Übereinstimmung, wenn Ihr Lieferant gemeinsam erarbeitete Fertigungsverfahren auch zum eigenen Vorteil einsetzen will. Exakte Absprachen verhindern dabei den Missbrauch durch Know-how-Transfer.
  • Kontrollieren Sie alle gemeinsamen Aktionen! Die Vernetzung mit Ihren Lieferanten ermöglicht Ihnen die Echtzeit-Kontrolle aller wichtigen Vorgänge. So sind Sie über den jeweiligen Fertigungsstand und die Liefersituation informiert und können bei auftretenden Problemen rechtzeitig einwirken.

Betrachten Sie Ihre Lieferanten immer als gleichwertigen Partner, dann werden auch Sie als Partner ernst genommen. Vertrauen ist eine wesentliche Voraussetzung für eine gute Partnerschaft in einer Kooperation und bei der Vernetzung, besonders mit Blick auf das Global Sourcing. 

Neue Technologien rationalisieren die Beschaffung

Neue Produktionsverfahren und neue Technologien führen zu verkürzten Produktionsprozessen. Zeit ist Geld und deshalb sollten auch Sie auf die neuen Techniken und Verfahren setzen! Beispielsweise, indem Sie die Produktentwicklung verkürzen.

Ein Weg dazu ist die Nutzung von 3D-Druckern. Mit Ihnen können Entwurfsversionen oder Produktionsmuster schnell und flexibel erzeugt werden, was auch dem Einkauf neue Möglichkeiten eröffnet. Schon frühzeitig, in der Entwicklungsphase, entstehen Teile, die Lieferanten zur Kalkulation und für die Einrichtung des Produktionsprozesses nutzen können. Wertvolle Vorlaufzeiten und kürzere Produktionszeiten verkürzen damit die Entwicklung und die Lieferzeiten der Lieferanten.

Neue Technologien stehen dem Einkauf auch direkt zur Verfügung. Etwa durch die Vernetzung zwischen Kunden und Lieferanten. Nach erfolgreicher Produkteinführung, wenn die Liefermengen und Lieferzyklen eingependelt sind, kann der gesamte Beschaffungsprozess automatisiert werden. Die Lieferanten bekommen Zugriff auf die Planzahlen und können die Teillieferungen pünktlich bis in die Produktion beim Kunden zustellen.  

Einsparungen durch den Einkauf von Baugruppen

Der Einkauf von gleichartigen Produkten oder Komponenten bei unterschiedlichen Lieferanten war in der Vergangenheit der Standard. Doch vor allem in der Produktion von Produkten mit großen Stückzahlen erweist sich die Streuung inzwischen als Hindernis. Denn viele Produkte lassen sich in Baugruppen gliedern – zum Beispiel elektrische oder elektronische Massenartikel, Autos oder andere motorisierte Fahrzeuge.

Die jeweiligen Baugruppen erfordern komplexe Fertigungsverfahren beim Lieferanten. Dies führt zu längerfristigen Beziehungen zwischen Auftraggebern und Lieferanten. Die Verlagerung der Fertigung ganzer Baugruppen an Zulieferunternehmen bedingt eine enge Verknüpfung über alle Abteilungen, was zu sehr intensiven Kunden-Lieferanten-Beziehungen führt.

Letztendlich verhandelt der Einkauf des Kunden mit, wenn der Zulieferer den Zukauf von Baugruppenkomponenten organisieren muss, Material und Leistungen beschafft. Das wiederum bedeutet, dass gemeinsam über Preise und Margen verhandelt wird.

Möglich sind so enge Verflechtungen nur, wenn Kontrollsysteme existieren, die wie ein Frühwarnsystem auf Schwachstellen oder Komplikationen in der Lieferkette hinweisen. 

Fazit

Die Kunden-Lieferanten-Beziehung wird durch neue Technologien und neue Organisationsformen nachhaltig verändert. Der Einkauf rückt immer mehr ins Zentrum des Geschehens. Von der Produktentwicklung bis zum fertigen Produkt bekommen Einkäufer immer umfassendere Mitsprache- und Entscheidungsbefugnisse.

Die erweiterten Kompetenzen setzen aber auch größere Verantwortung voraus. Für die Einkäufer bedeutet dies, technisches und organisatorisches Know-how zu erwerben, um den neuen Anforderungen gewachsen zu sein.

Unterstützt werden die Mitarbeiter der Einkaufsabteilungen durch die Vernetzung und die Controlling-Systeme. Gefragt sind Einsatzbereitschaft auch vor Ort beim Lieferanten, ständig aktuelles Wissen und tiefgreifende organisatorische Fähigkeiten. Einkauf ist eine zentrale Management-Aufgabe.

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