Incoterms beim internationalen Warenhandel

Fairer Warenhandel basiert auf Regeln, die die beteiligten Partner vereinbaren und an die sie sich halten. Geht es um grenzüberschreitenden Handel, ist von International Commercial Terms, kurz Incoterms, die Rede. Sie wurden erstmals 1936 von der International Chamber of Commerce (ICC) festgelegt. Mittlerweile werden sie alle zehn Jahre neu gefasst und aktualisiert. Die jüngste Reform trat zum 1. Januar 2020 in Kraft. Incoterm-Verträge sind nicht vorgeschrieben, sondern werden auf freiwilliger Basis geschlossen. Dann aber sind sie verbindlich.

Insgesamt gibt es elf Incoterms, von denen zwei besonders für den Seeverkehr wichtig sind. Deshalb spielen sie beispielsweise eine große Rolle bei Geschäften mit chinesischen Lieferanten. Gemeint sind die Incoterms CIF für Cost, Insurance and Freight (Kosten, Versicherung und Fracht) und FOB für Free On Board (Frei an Bord). Sie beschreiben, welche Pflichten Käufer und Verkäufer in welcher Phase des Handels erfüllen müssen.

Im Kern geht es um die Frage, wer die Verantwortung für die Ware bis zum Eintreffen am Bestimmungshafen trägt (Gefahrübergang). Das betrifft die Übernahme von:
 

  • Transportkosten
  • Versicherungskosten
  • Versandrisiken
     

CIF: Pflichten des Käufers und Verkäufers

Nach den CIF-Incoterms ist der Verkäufer, also der Lieferant, in weiten Teilen verantwortlich für die Fracht und die dabei entstehenden Kosten. Im Detail hat er folgende Pflichten, bis das Schiff im Bestimmungshafen des Käufers eingelaufen ist:
 

  • Liefern der Ware
  • Bereitstellen der notwendigen Dokumente
  • Internationaler Transport im Exportland bis zum Bestimmungshafen im Importland
  • Kostenübernahme für den Zoll im Exportland
  • Auslaufgebühr des Schiffes
  • Kostenübernahme der Versicherung

Mit der Ankunft im Bestimmungshafen findet der Gefahrenübergang vom Verkäufer auf den Käufer statt. Dieser ist verantwortlich für:
 

  • Bezahlen der Ware
  • Kostenübernahme für den Wareneingang
  • Kostenübernahme für den Zoll im Importland
  • Transport im Importland
  • Übernahme der weiteren anfallenden Kosten
     

CIF und FOB: Ein feiner Unterschied


Im Vergleich zu den CIF-Incoterms verschieben sich bei den FOB-Incoterms teilweise die Verantwortlichkeiten zwischen Beschaffer und Lieferant. Dementsprechend sehen die Pflichten für den Verkäufer wie folgt aus:
 

  • Liefern der Ware
  • Bereitstellen der notwendigen Dokumente
  • Transport im Exportland
  • Kostenübernahme für den Zoll im Exportland
  • Auslaufgebühr des Schiffes

Für den Käufer ergeben sich daraus diese Verantwortlichkeiten:
 

  • Bezahlen der Ware
  • Internationaler Transport vom Auslaufhafen bis zum Bestimmungshafen
  • Kostenübernahme für den Wareneingang
  • Kostenübernahme für den Zoll im Importland
  • Transport im Importland
  • Kostenübernahme der Versicherung
  • Übernahme der weiteren anfallenden Kosten

Der Unterschied zwischen CIF-Incoterms und FOB-Incoterms: Unter FOB-Bedingungen geht die Verantwortung für die internationale Lieferung der Seefracht vom Verkäufer auf den Käufer über. Das heißt, dass dieser die Transportkosten und -gefahren trägt sowie für die Transportmodalitäten zuständig ist. Deshalb mögen die CIF-Incoterms aus Sicht der Beschaffung einfacher und praktischer erscheinen. Und auf den ersten Blick sind sie oft auch günstiger. Dennoch können FOB-Incoterms vorteilhafter für den Beschaffer sein.
 

  • Der Käufer bekommt früher die Kontrolle über Transportkosten und -gefahren der Ware und kann beispielsweise selbst einen Spediteur für die Lieferung bestimmen. Er hat also mehr Einflussmöglichkeiten hinsichtlich von Cost, Insurance, Freight und ist damit weniger abhängig von entsprechenden Vereinbarungen des Verkäufers. Denn der handelt nicht zwangsläufig im Sinne des Beschaffers.
  • Besonders bei Geschäften mit chinesischen Partnern bleiben die CIF-Kosten oft nicht so niedrig, wie anfangs erwartet. Das liegt an folgender Praxis mancher Exporteure: Sie schalten in der Lieferkette einen Zollagenten zwischen, der als Empfänger im Frachtbrief steht. Er übergibt die Ware erst im Bestimmungshafen an den Käufer. Das bedeutet, dass dieser vorher kein Anrecht an der Lieferung besitzt. Außerdem verlangen die Zollagenten für die Übergabe teils hohe Prämien, die sie sich mit dem Verkäufer teilen und die den Gesamtpreis deutlich erhöhen können. Diese Praxis wird mittlerweile nicht nur in China, sondern auch in anderen Ländern angewendet, zum Beispiel in Lateinamerika. Unter diesen Umständen sind FOB-Incoterms häufig günstiger für den Käufer.