Beschaffungsmarkt Orientierung

Ihre Lieblingsbeschaffungsmärkte liegen in Westeuropa. 54% kaufen außer in Deutschland hauptsächlich in dieser Region ein. Die westeuropäischen Länder liegen damit deutlich vor Asien und Osteuropa, die in ihrer Attraktivität als Beschaffungsmarkt mit jeweils 15,5% gleichauf liegen. Weniger Relevanz haben die USA mit 5%. Fragt man Einkäufer hierzulande nach dem Trend der kommenden fünf Jahre, so bestätigen 77%, dass ihr Beschaffungsmarkt internationaler wird.

Unschlagbar niedrig: Günstige Preise sind das A und O für eine Beschaffung im Ausland

Als Hauptgrund für den Sprung ins Ausland nennen 67% niedrige Preise. Immerhin 39% sagen: „Das Angebot/die Auswahl ist größer.“ Eine bessere Qualität der Produkte/Dienstleistungen (5,5%) und schnellere Lieferzeit (7%) werden nur „unter ferner liefen“ als Vorteile angesehen. 

Auf der anderen Seite gibt es aber auch Hemmnisse. Am häufigsten monieren den Zeitaufwand beim Suchen und Finden von passenden Anbietern (49%), die sprachlichen Barrieren (42%), die Intransparenz der Kosten zum Beispiel durch Zollgebühren und Besteuerung (41%) und die Nicht-Einhaltung von Lieferterminen (40%). 29% geben die mangelnde Fachkompetenz auf Anbieterseite als größte Herausforderung bei einer Beschaffung im Ausland an.

Einsen und Nullen: Warum diese Ziffern die Beschaffungswelt in Atem halten

Warum es an der Internationalisierung des Beschaffungsmarktes dennoch keinen Weg vorbei gibt, beantworten 64% der Befragten mit der zunehmenden Digitalisierung, weil sich dadurch die Zugriffsmöglichkeiten auf Märkte in der ganzen Welt vereinfachen. Darüber hinaus ist für zwei von drei der Einkäufer der steigende Preis- und Kostendruck und damit der steigende internationale Wettbewerb ein Hauptgrund für die zunehmende Digitalisierung.

Das sieht auch Peter F. Schmid, CEO von „Wer liefert was“, so. Schmid blickt auf über 20 Jahre Erfahrung im Online-Business und E-Commerce zurück und kennt die Vorteile dieses Mediums bei der Beschaffung, weiß aber auch um die Herausforderungen, die mit der Digitalisierung einhergehen: „Gewohnheiten brechen auf und die Chancen der Digitalisierung werden gesehen. Längst hat sich die Suche nach Produkten und Dienstleistungen ins Internet verlagert. Doch für den Einkauf in KMU ist es zukünftig wichtig, eine ganzheitliche digitale Systematik zu schaffen. Digitale Infrastruktur heißt, intelligente Software und Beschaffungssysteme in die Arbeitsabläufe zu implementieren, nicht nur die Produktion muss digitalisiert sein, sondern alle Bereiche der Wertschöpfungskette. Das fängt beim Einkauf an, reicht über die Logistik und Kundenansprache bis hin zum Marketing und Vertrieb. In diese Form der Digitalisierung zu investieren, ist nicht nur aus Effizienz-, sondern vor allem auch aus Wettbewerbsgründen sinnvoll.“

Immer noch ein Erfolgsgarant: der persönliche Kontakt

Weil die Suche im Internet Usus geworden ist, suchen deutsche Einkäufer nach ausländischen Anbietern folglich zu 70% bei Google oder in anderen allgemeinen Suchmaschinen. 46% nutzen dafür Business-Suchmaschinen wie „Wer liefert was“, etwas mehr als jeder Fünfte greift auf eigene Anbieter-Datenbanken zur Suche zurück.

Nicht zu vernachlässigen ist im digitalen Zeitalter jedoch der Stellenwert von persönlichen Empfehlungen – zum Beispiel über Kollegen oder bestehende Kontakte zu Einkäufern: Mit 48% liegt die Mund-zu-Mund-Propaganda immer noch hoch im Kurs.

Österreich und Schweiz: Weniger Skepsis als in Deutschland

Die Umfrage wurde nicht nur in Deutschland, sondern zeitgleich auch unter Einkäufern in Österreich und der Schweiz durchgeführt.

Ein wesentlicher Unterschied in den Ergebnissen ist, dass die europäischen Nachbarn die Herausforderungen bei der Beschaffung im Ausland anders gewichten: Während nur 9% der Deutschen keine Herausforderungen sehen, sind es in Österreich 19% und in der Schweiz 13%; sie sehen damit der internationalen Beschaffung gelassener entgegen. Auch dafür hat Schmid eine Erklärung: „Unsere Nachbarn begegnen dem Trend mit weniger Skepsis. Dies ist mit Sicherheit auf die Historie beziehungsweise die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zurückzuführen, dass Österreich und die Schweiz seit jeher deutlich stärker auf Im- statt Export fokussiert sind.“  


*Umfrage auf www.wlw.de, Zeitraum der Befragung: 15.04.-25.05.2015, Teilnehmerzahl: 1.365