Was ist das SCOR-Modell?

Im Supply-Chain-Management dient das SCOR-Modell (Supply Chain Operations Reference Model) dazu, die komplette Lieferkette zu beschreiben: von der Planung über den Beschaffungsprozess mit den Lieferanten bis hin zum Endkunden. Es wurde 1996 vom Supply Chain Council, das aus zwei amerikanischen Unternehmensberatungen hervorging, konzipiert und heute noch ständig weiterentwickelt.

Das SCOR-Modell ist dabei genau genommen keine Methode, kein Verfahren und auch kein Werkzeug. Denn es dient nicht der Gestaltung von Lieferketten, sondern nur deren Beschreibung. Das Modell wurde im Kern dafür geschaffen, um „die Geschäftsaktivitäten zu beschreiben, die mit allen erforderlichen Phasen verbunden sind, um die Anforderungen des Kunden zu erfüllen“ (Definition Supply Chain Council).

Die vier Prozessstufen des SCOR-Modells

Als ganzheitliches Referenzmodell bezieht sich das SCOR-Modell auf sämtliche Prozesse, die für ein Unternehmen innerhalb der Lieferkette relevant sind. Die Prozesse werden dabei vier unterschiedlichen Aggregationsebenen zugeordnet, wobei der Detaillierungsgrad in jeder Ebene zunimmt:
 

  • Auf Ebene 1 (Hauptebene) werden der Umfang und Inhalt der Lieferkette identifiziert. Das SCOR-Modell legt dafür die fünf Kernprozesse im Supply-Chain-Management zugrunde: Planung, Beschaffung, Herstellung, Lieferung und Rückgabe.
  • In Ebene 2 (Konfigurationsebene) werden die Kernprozesse aus Ebene 1 mit Hilfe von Standardprozesskategorien in unterschiedliche Teilprozesse aufgesplittet, die unternehmensspezifisch auszuwählen und zu konkretisieren sind. Meist werden in dieser Ebene bereits durch die Verknüpfung der einzelnen Prozessketten Schnittstellenprobleme und Redundanzen deutlich.
  • In Ebene 3 (Gestaltungsebene) werden die Teilprozesse aus Ebene 2 in weitere Prozesselemente zerlegt. Dabei wird die Leistungsfähigkeit der einzelnen Elemente anhand verschiedener Leistungsmerkmale (zum Beispiel: Kosten) über entsprechend zugeordnete KPIs (zum Beispiel: Garantiekosten, Anzahl der Produktionsbeschäftigten oder auch Wertschöpfung) ermittelt.
  • In Ebene 4 (Implementierungsebene) des SCOR-Modells werden die Aufgaben und Aktivitäten für jedes Prozesselement beschrieben. Im Kern geht es dabei um die Implementation der hinter den Prozesselementen der dritten Ebene stehenden Einzelaktivitäten (zum Beispiel: Preiskalkulation oder auch die Definition von Lieferterminen).
     

Vor- und Nachteile des SCOR-Modells

Die Vorteile des SCOR-Modells:

  • tiefgehende Analyse und Ordnung der gesamten Supply Chain möglich
  • gibt Kennzahlen zur Leistungsmessung vor
  • einheitlicher Standard für die Leistungsmessung und Kommunikation
  • Learnings von Geschäftspartnern möglich

Die Nachteile des SCOR-Modells:

  • Hohe Abhängigkeit von den verschiedenen Geschäftspartnern
  • Abteilungen abseits der Lieferkette (Marketing, Entwicklung, After-Sales-Management) werden nicht berücksichtigt
  • Finanzströme werden nicht berücksichtigt
     

Fazit

Das SCOR-Modell bietet besonders Unternehmen mit komplexen Lieferketten eine gute Möglichkeit, ihre Prozesskette zu steuern und auch zu verbessern. Das umfasst die Auftragseingänge, die Beschaffung, die Produktionsplanung und die Auslieferung der Güter an den Auftraggeber. Dadurch, dass alle beteiligten Parteien entlang der Lieferkette mit einbezogen werden, lassen sich Probleme auf Prozessebene schnell erkennen und Gegenmaßnahmen einleiten. Neue Partner können jederzeit integriert werden.