Der Handel mit dem Osten nimmt zu

Der Ost-Ausschuss – Osteuropaverein der Deutschen Wirtschaft (OAOEV) hat erst kürzlich die Daten des Statistischen Bundesamts für das Gesamtjahr 2018 ausgewertet. Demnach stieg der deutsche Außenhandel mit den 29 Ländern der OAOEV-Region im Jahr 2018 nach bereits vorangegangenen, starken Wachstumsjahren um weitere 6,5 Prozent. Das sind 2,3 Prozent mehr, als der deutsche Handel insgesamt wuchs.

Der deutsche Handelsumsatz mit den OAOEV-Ländern hatte 2018 einen Gesamtwert von 453,4 Milliarden Euro. Das entspricht knapp 20 Prozent des gesamten deutschen Außenhandels – mehr als der Handel mit China oder den USA.

Osteuropa als Beschaffungsmarkt

Gabriel A. Brennaur, Vorstand der Deutsch-Ungarischen Industrie- und Handelskammer, und Axel Limberg, Präsident der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer, sehen die Vorteile der osteuropäischen Märkte für den deutschen Einkauf vor allem in ihrer geographischen Nähe zu Deutschland sowie den stabilen politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen.

Hinzu kommen die durchschnittlichen Lohnkosten (Gehalt plus Arbeitgeberanteil) vor Ort, die Osteuropas Märkte für den deutschen Einkauf so attraktiv machen. Die monatlichen Lohnkosten in ausgewählten Ländern im Überblick:
 

  • Tschechien und Ungarn: circa 900 Euro
  • Estland, Polen und Slowakei: circa 750 Euro
  • Lettland und Litauen: circa 500 Euro
  • Rumänien: circa 375 Euro
  • Bulgarien: circa 300 Euro.

China und Indien sind, was die Löhne angeht, ähnlich attraktiv – aber auch deutlich weiter entfernt. Das macht Lieferzeiten und Logistikkosten ungleich höher als bei der Beschaffung in einem der Nachbarländer in Mittel- oder Osteuropa.

Polen: Als Handelspartner fast so wichtig wie Großbritannien

Polen ist der größte osteuropäische Handelspartner Deutschlands. 2018 wuchs das Außenhandelsvolumen mit Polen laut OAOEV um 7,5 Prozent auf 118 Milliarden Euro. Damit liegt Polen als Handelspartner fast gleichauf mit Großbritannien. Besonders wichtig ist Polen für den Maschinenbau – und das hinsichtlich Im- und Export: 2015 kamen 34,5 Prozent der von Polen importierten Maschinen aus Deutschland. Erst mit großem Abstand folgten als weitere Maschinenlieferanten aus dem Ausland Italien (10,3 Prozent), China (7,4 Prozent) und die USA (4,7 Prozent). 2016 lieferte Deutschland Maschinen im Gesamtwert von 5,7 Milliarden Euro nach Polen.

Aber Polen kauft nicht nur Maschinen in Deutschland, unser Nachbarland ist ein wichtiger Beschaffungsmarkt im Maschinenbau. 2016 importierte Deutschland Maschinenbauprodukte im Wert von knapp 2,6 Milliarden Euro aus Polen. Rund 70 Prozent davon entfielen auf Teile und Komponenten und etwa 30 Prozent auf Komplettmaschinen.
 

Beschaffungsmarkt Polen

Die Skyline von Warschau: Polen ist aktuell der wichtigste osteuropäische Handelspartner Deutschlands. (Foto: Unsplash.com/Alexey Topolanskiy)

Lieferketten wachsen weiter zusammen

Die Lieferketten Osteuropas und Deutschlands sind also bereits eng verflochten – eine Entwicklung, die sich noch verstärken wird. Wesentlich dazu beitragen will der OAOEV. Sein oberstes Ziel ist, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und den mittel- und osteuropäischen Ländern zu kräftigen und auszubauen.

Der OAOEV betreut 29 Länder. Dazu gehören die osteuropäischen EU-Länder Bulgarien, Kroatien, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn, die baltischen Staaten sowie die übrigen Staaten Südosteuropas und alle früheren Länder der Sowjetunion. Rund 400 Unternehmen sind Mitglieder des Verbands, Tendenz steigend.

Zwölf Arbeitskreise hat der OAOEV bisher ins Leben gerufen. Darunter sind fünf Branchenarbeitskreise, die die Bereiche Digitalisierung, Agrarwirtschaft, Gesundheitswirtschaft, urbane Infrastruktur und Energieeffizienz sowie Logistik und Verkehrsinfrastruktur vorantreiben sollen. Zudem gibt es sieben Länderarbeitskreise, die sich auf die Entwicklungen in Belarus (Weißrussland), Mittelosteuropa, Südeuropa, Russland, Zentralasien, dem Südkaukasus und der Ukraine fokussieren.

Fazit

Osteuropa ist und bleibt für Deutschland einer der wichtigsten Beschaffungsmärkte. Die dortigen Lieferanten sind vor allem wegen niedriger Lohnkosten bei gleichzeitig hoher Qualität interessant für Einkäufer. Zudem punktet Osteuropa durch seine geografische Nähe zu Deutschland. Die Qualität der Produktionsstätten und der Zulieferer Mittel- und Osteuropas wird zukünftig noch steigen, dafür sorgen umfassende Initiativen des OAOEV.