Berufe aus der Nachkriegszeit

Insbesondere bei Tätigkeiten, die in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg ausgeübt wurden, werden heute viele ausgestorbene Berufe gezählt. Dazu gehören etwa Schirmmacher, Handschuhmacher oder Schiffszimmerer. Diese Berufe wurden komplett durch andere Berufsbilder ersetzt. Auch Produkte und Dienstleistungen aus anderen Sparten werden aktuell so selten nachgefragt, dass sie vielleicht bald nicht mehr vorhanden sind. Das ist etwa beim Drechsler oder beim Metallschleifer der Fall, wo alljährlich weniger als zehn neue Auszubildende gezählt werden. 

Seltene und alte Berufe als Kulturgut

Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Berufsbildern, die technisch und bedarfstechnisch eigentlich als ausgestorben gelten müssten, aber aus bestimmten Gründen dennoch nachgefragt werden. Dies gilt vor allem für hoch qualifizierte Handwerker wie etwa Geigenbauer, die mit ihrer Tätigkeit einen kulturellen Auftrag erfüllen. Aus dem Bereich der Volkskultur ist der Besenbinder zu nennen, der noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein gefragter Handwerker und Dienstleister war und inzwischen eher Schauvorführungen auf Festen und Märkten anbietet. 

Neue Anforderungen schützen manche sterbende Berufe vor dem Aus

Obwohl auch bei qualifizierten Berufen zahlreiche aussterbende Tätigkeitsfelder festgestellt werden, verschwinden diese Berufe meist nicht komplett. Vielmehr werden Ausbildung und Berufsbild neuen Anforderungen angepasst. Das bekannteste Beispiel ist der Kfz-Mechaniker, der 2003 durch den Kfz-Mechatroniker abgelöst wurde. In diesem neuen Berufsbild wurden die früheren Berufe Kfz-Mechaniker, Kfz-Elektriker und Automobilmechaniker zusammengefasst. Damit reagierte der Gesetzgeber auf die neuen Anforderungen im Automobilbau. Einer der Gründe: In Autos moderner Bauart sind kaum noch rein mechanische Komponenten verbaut. Vielmehr werden die Fahrzeuge zunehmend mit elektronischen Systemen ausgestattet. 

Diesem Beispiel folgten weitere Berufe. So wurden etwa die Aufgaben des Vermessungs- und Bergvermessungstechnikers sowie des Kartografen im Beruf des Geomatikers gebündelt. Von dieser Entwicklung sind übrigens auch traditionelle Handwerksberufe nicht ausgenommen. So wurde aus dem inzwischen als Beruf verschwundenen Müller ein „Verfahrenstechnologe für Mühlen- und Futtermittelwirtschaft“. 

Der Trend scheint also zur Zusammenlegung von Aufgabenfeldern zu führen. Eine Ausnahme bildet etwa der Technische Zeichner, der seit dem 1. August als ehemaliger Beruf gilt. Zu diesem Stichtag wurde die Ausbildung des Technischen Zeichners durch die beiden Berufe Technischer Systemplaner sowie Technischer Produktdesigner ersetzt. Während Technische Systemplaner vorwiegend in Planungs- und Ingenieurbüros der Anlagen- und Gebäudetechnik tätig sind, unterstützen Technische Produktdesigner dank ihrer Kenntnisse in CAD-Programmen Ingenieure sowie Produktdesigner. 

Ist Technik ein „Job-Killer“?

Als wichtigste Ursache für aussterbende Berufe gilt die wachsende Produktivität. Dies zeigt sich auch beim Blick auf die jüngere Vergangenheit. 1991 etwa waren in der Industrie deutschlandweit etwa 9 Millionen Mitarbeiter beschäftigt, die einen Umsatz von rund 225 Millionen Deutsche Mark erwirtschafteten. 1996 waren lediglich noch 6,6 Millionen Menschen in der Industrie beschäftigt. Diese erwirtschafteten einen Umsatz von circa 320 Millionen Deutsche Mark, also etwa den eineinhalbfachen Umsatz. 

Dass neue Technologien Arbeitsplätze vernichten und Berufe verschwinden lassen, ist nicht zwangsläufig die Konsequenz daraus. Durch die moderne Computertechnologie beispielsweise verschwinden keine Berufe, wie eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ergab. Demnach sind lediglich etwa 0,4 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Berufen tätig, die komplett von Computern und durch Automatisierung erledigt werden könnten. Bei etwa 60 Prozent der Arbeitnehmer könnte ein Anteil von 30 bis 70 Prozent der bisherigen Tätigkeit von Maschinen übernommen werden. Diese wiederum müssen jedoch überwacht und gesteuert werden, sodass sich zwar die Tätigkeit des Arbeitnehmers ändert, der Arbeitsplatz aber nicht wegfällt. Bei der Studie hat sich außerdem herausgestellt: Je höher die Qualifikation und der Bildungsgrad der Arbeitnehmer ist, umso weniger Tätigkeiten können durch Automaten und Computer übernommen werden. 

Neue Technologien und Globalisierung: mehr Chance als Risiko

Neben technischen Innovationen ist es vor allem die Globalisierung, die vielen Arbeitnehmern Angst macht, dass ihr Beruf zu einer „aussterbenden Rasse“ zählen könnte. Der Wegfall von Handelsschranken und zunehmende internationale Verflechtungen haben dazu geführt, dass die Arbeitsteilung nunmehr auch auf internationaler Ebene erfolgt. In der Vergangenheit hat dies teilweise zu einem Konkurrenzkampf verschiedener Branchen geführt, sodass in Westeuropa beispielsweise die Textilindustrie und Unterhaltungselektronik stark schrumpften und jetzt als Domäne asiatischer Staaten gelten. 

Doch die Globalisierung bietet ebenso wie der Einstieg ins Computerzeitalter mehr Chancen als Risiken – davon ist die Bundeszentrale für politische Bildung überzeugt. Eine wichtige Voraussetzung: Die Arbeitnehmer dürfen sich nicht auf einmal Gelerntem ausruhen, sondern müssen lebenslang lernen. Auch neue Arbeits- und Arbeitszeitmodelle sollten angedacht werden, um die vorhandene Arbeit gerechter auf die Arbeitnehmer zu verteilen, empfehlen Arbeitsmarkt-Experten. Zwar ist auch in Zukunft mit Umbrüchen innerhalb einzelner Berufe zu rechnen. Doch insgesamt könnten durch die Digitalisierung und Globalisierung sogar mehr Berufe entstehen, als in der Summe weggefallen sind. Das hat etwa die flächendeckende Einführung von Computern in Firmen und Behörden gezeigt, woraus die komplett neue Branche der IT-Dienstleistungen entstand. 

Fazit: Seit Beginn der Industrialisierung befindet sich die Arbeitswelt in einem kontinuierlichen Wandel. „Alte Berufe“ verschwinden, neue Berufsbilder entstehen. Beschleunigt wurde die Entwicklung vom rasanten technologischen Fortschritt und der zunehmenden Globalisierung. Dabei verschwinden viele Berufe nicht einfach spurlos, sondern die Aufgaben werden in „neuen Berufen“ zusammengefasst.