Einkauf und Wareneingang mit Lagerkennziffern optimieren

Lagerkennziffern oder Lagerkennzahlen sind betriebswirtschaftliche Indikatoren, die dazu dienen, die Lagerhaltung zu überprüfen und wirtschaftlich zu optimieren. Diese Kennziffern werden in Relation zu bekannten branchenüblichen Werten gesetzt oder orientieren sich an Vorjahresperioden. Berücksichtigt werden die Art, die Menge, der Ort sowie die Lagerdauer der Güter. Denn auf der einen Seite sollen ausreichend Produkte verfügbar sein, um auf Bestellungen adäquat reagieren zu können, auf der anderen Seite binden bevorratete Artikel viel Kapital.

Der Lagerbestand ist demnach die wichtigste Kennziffer. Sie wird spezifiziert nach Mindestbestand, Meldebestand und Höchstbestand.

Mindestbestand

Der Mindestbestand oder Sicherheitsbestand ist notwendig, um die Verfügbarkeit von Gütern aufrechtzuerhalten – auch im Hinblick auf zu erwartende Probleme, Nachfrageschübe oder unvorhersehbare Ereignisse. So hat zuletzt die Corona-Pandemie gezeigt, dass die Produktion bei Lieferanten unverhofft ins Stocken geraten oder es durch den Brexit bei importierter Ware zu Verzögerungen durch den Zoll kommen kann. So ist die Höhe des Mindestbestandes nicht fest verankert, sondern sollte sich an Erfahrungswerten orientieren. Um den Mindestbestand berechnen zu können, muss die durchschnittliche Lieferzeit sowie der regelmäßige Absatz definiert werden.

Ein Beispiel: Die Lieferzeit nach Bestelleingang beträgt in der Regel sieben Tage, der Verbrauch eines Produktes liegt im Durchschnitt bei 50 pro Tag. Damit werden im Schnitt 350 Einheiten in der Woche verbraucht. Insofern liegt der Mindestbestand bei 350 Einheiten.
 


Meldebestand

Der Meldebestand ist der Bestand der Warenmenge, bei dessen Erreichen eine neue Bestellung ausgeführt werden muss (oder automatisch ausgelöst wird), um den Mindestbestand bis zum Eintreffen der neuen Lieferung nicht angreifen zu müssen. Der Meldebestand ergibt sich aus: Tagesverbrauch x Lieferzeit + Mindestbestand.

In obigem Beispiel wären das also 50 Einheiten x 7 Tage + 350 Einheiten = 700 Einheiten.

Maximalbestand

Generell begrenzt der vorhandene Lagerplatz den Maximalbestand, auch Höchstbestand genannt. Darüber hinaus sollte die gelagerte Warenmenge aber auch bei vorhandenem Lagerplatz einen festgelegten Maximalbestand nicht überschreiten. Denn die eingekauften Güter müssen in der Regel innerhalb kurzer Zeit bezahlt werden, ein Vorrat bindet daher immer auch Kapital an das Lager.

In die Berechnung des Maximalbestandes fließen der Mindestbestand sowie die optimale Bestellmenge mit ein: Maximalbestand = Mindestbestand + optimale Bestellmenge. Die optimale Bestellmenge hängt von den Bezugskosten und den Lagerkosten ab, die jedes Unternehmen für sich selbst definieren muss. Für die Berechnung der optimalen Bestellmenge eignet sich beispielsweise die Andler-Formel.

Der Maximalbestand läge im obigen Beispiel bei einer optimalen Bestellmenge von beispielsweise 1.000 Einheiten also bei 1.350 Einheiten.