Brexit: Der aktuelle Stand

Am 31. Januar 2020 ist das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union ausgetreten. Bis zum Ende des Jahres gilt zwischen Großbritannien und der EU allerdings noch eine Übergangsfrist. Für diesen Zeitraum ist der Warenhandel vom Brexit noch nicht betroffen. Es ist sogar möglich, dass der Übergangszeitraum noch verlängert wird. Unternehmen mit britischen Geschäftskontakten sollten diesen aber nicht ungenutzt verstreichen lassen, denn in einigen Bereichen könnten im Anschluss umfangreiche Änderungen auf sie zukommen.

Wie diese genau aussehen werden, wird noch verhandelt. Ziel ist ein Handels- und Partnerschaftsabkommen, das bis zum Ende des Jahres entstehen soll. Angestrebt wird unter anderem ein Freihandelsabkommen. Falls beiden Seiten keine Einigung gelingt („Hard Brexit“), greifen Regelungen der Welthandelsorganisation (WTO). Diese hätten Zölle und andere Einschränkungen zur Folge.

So stark ist der Einkauf vom Brexit betroffen

Der Brexit birgt unvorhersehbare Störungen in der Lieferkette. Sowohl Import als auch Export werden nach Ablauf der Übergangsfrist vom EU-Austritt der Briten betroffen sein. Auch wenn noch nicht klar ist, in welchem Umfang, sollten sich vor allem die Teilbereiche Einkauf und Logistik angemessen aufstellen, um vor den möglichen Folgen auch im ungünstigsten Fall gewappnet zu sein – das erfordert ein vorausschauendes Management.

Laut dem Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sind etwa 40.000 Unternehmen aus Deutschland betroffen, die Waren aus Großbritannien importieren. Nach Schätzungen des DIHK kommen durch den Brexit mindestens 500 Millionen Euro Zusatzkosten auf deutsche Unternehmen zu.
 

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Laut dem Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sind etwa 40.000 Unternehmen aus Deutschland betroffen, die Waren aus Großbritannien importieren. 

Altverträge prüfen, Vorsicht bei Neuverträgen: Das muss der Einkauf jetzt beachten

Folgende Maßnahmen sollte der Einkauf nach der Empfehlung des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) jetzt ergreifen:
 

  • Bestehende Verträge mit britischen Lieferanten sollten auf den Einfluss künftiger Zölle oder Exportbeschränkungen geprüft, gegebenenfalls gekündigt und neu verhandelt werden – vor allem, wenn der Einkauf laut Vertrag für die Verzollung zuständig ist.
     
  • Aus den Verträgen sollte deutlich hervorgehen, wer das Risiko bei Verzögerungen in der Lieferkette trägt, die sich aus der Zollabfertigung ergeben könnten.
     
  • Bei Neuverträgen sollte sich der Einkauf die Möglichkeit offenhalten, die Inhalte nachzuverhandeln, wenn die Gespräche über das Handels- und Partnerschaftsabkommen mit Großbritannien abgeschlossen sind. Viele Vertragsvorlagen britischer Lieferanten würden ein einseitiges Kündigungsrecht für den britischen Lieferanten vorsehen.
     
  • Ebenso sollte sich der Einkauf in Neuverträgen nicht auf einen Gerichtsstand in Großbritannien einlassen oder britisches Recht akzeptieren, da dies im Streitfall hohe Kosten nach sich ziehen könnte.

„Hard Brexit“: Auswirkung der Zölle auf Einkauf und Logistik

Nach Ablauf des Übergangszeitraums sind grundsätzlich auf nach Deutschland eingeführte Waren Zölle zu erheben, sollten die Verhandlungen kein Freihandelsabkommen ergeben. In diesem Fall würde der „Hard Brexit“ zu einer Verteuerung der gelieferten Waren führen. Bei einem Import wird dann sowohl die Einfuhrumsatzsteuer in Deutschland fällig sowie ein möglicher Zollsatz. Die Höhe dieses Zollsatzes unterscheidet sich von Produkt zu Produkt, generell sind aber bis zu 35 Prozent innerhalb der Welthandelsorganisation (WTO) möglich.

Zusätzliche Kosten verursachen Überweisungsgebühren und höhere Personalaufwände, da die Abwicklung der Formalitäten Zeit kostet. Immerhin: Aufgrund der freien Wechselkurse ist es denkbar, dass eingeführte Waren bei einem Kursverfall des Pfundes preisgünstiger werden.