Florian Pachaly und Fabian Eckert tranken gerne Kaffee während ihres Studiums, phasenweise sogar sehr oft. Eines aber störte sie daran: die vielen Einwegbecher, die sie und die anderen Studenten täglich in den Müll warfen. Pachaly, 22, studierte BWL in der Nähe von Freiburg, Eckert, 28, Nachhaltigkeitsmanagement in Schweden. Ohne voneinander zu wissen, hatten sie dieselbe Idee: den Müll mit einem Pfandsystem für Coffee-to-go-Becher zu reduzieren. Dann fanden sie zueinander.

Beide, ursprünglich aus dem Münchner Umland, schrieben der Münchnerin Julia Post, die in der Stadt eine Initiative gegründet hatte, um Coffee-to-go-Trinker dazu zu bringen, eigene Becher für den Kaffee für unterwegs mitzubringen. Weil sich beide gleichzeitig an sie wandten, riet sie ihnen, sich zusammenzutun. Im August 2016 trafen sich Florian Pachaly und Fabian Eckert in München, im Dezember gründeten sie das Start-up Recup.

40.000 Tonnen Abfall pro Jahr

Es gibt Menschen, die sagen, dass es auf der Welt größere Probleme gibt, als Einwegkaffeebecher. Das ist grundsätzlich richtig. Es ist aber auch kein kleines Problem. Die Deutsche Umwelthilfe hat berechnet, dass die Deutschen jedes Jahr 2,8 Milliarden Coffee-to-go-Becher wegwerfen, was 7,6 Millionen Bechern am Tag entspricht. Um all diese Becher und Deckel herzustellen, werden pro Jahr 22.000 Tonnen Rohöl benötigt, 29.000 Tonnen Papier (oder: 43.000 Bäume) und 1,5 Milliarden Liter Wasser (der Jahresverbrauch von 32.000 Bürgern). Nach durchschnittlich 15 Minuten landet der Becher im Müll. Das macht ungefähr 40.000 Tonnen Abfall pro Jahr.

Weil sie aussehen, als seien sie aus Pappe, könnte man annehmen, die Becher ließen sich wie Altpapier recyceln. Dieser Eindruck täuscht: In der Regel sind die Becher im Inneren mit einer feinen Plastikschicht überzogen. Deshalb können sie nicht wiederverwertet werden und enden in einer Müllverbrennungsanlage. Und im schlimmsten Falle in Büschen, auf Bahngleisen oder in Straßengräben.

 

Fabian Eckert (links) und Florian Pachaly (rechts)

Fabian Eckert (links) und Florian Pachaly (rechts) wollen, dass der Kaffeekonsum nachhaltiger wird.

Es fing in Rosenheim an, dann kam der Rest des Landes

Nachdem sie das Start-up gegründet hatten, entwarfen Pachaly und Eckert ihren ersten Recup-Becher, ein Mehrwegbecher aus recycelbarem Kunststoff. Dann testeten sie mit Cafés in Rosenheim, in der Nähe von München, ob Kunden ihn annehmen würden. Das taten sie. Also sprachen die Gründer weitere Cafés und Bäckereien an, in München, Berlin, Ludwigsburg, Oldenburg, Köln. Mittlerweile nehmen insgesamt mehr als 800 Cafés und Bäckereien in Deutschland an ihrem Pfandsystem teil, jeden Tag kommen neue dazu.

Das System funktioniert so: Wer ein Café oder eine Bäckerei betreibt und statt oder zusätzlich zu Einwegbechern die Mehrwegbecher von Recup anbieten will, meldet sich auf der Internetseite des Start-ups an. Recup verleiht dem Betreiber die Becher gegen Pfand und verlangt zusätzlich eine Gebühr von einem Euro pro Tag, also etwa 30 Euro im Monat. „Für diese Gebühr tauschen wir alte und kaputte Becher aus, kümmern uns um die Logistik und stellen Werbematerial zur Verfügung“, sagt Pachaly.

Die Kunden wiederum bezahlen einen Euro Pfand für den Becher und können ihn bei jedem teilnehmenden Café oder Bäcker wieder abgeben. In der Recup-App ist aufgelistet, wo das möglich ist. Die Betreiber verpflichten sich, den Kunden einen Rabatt anzubieten, wenn sie auf den Einwegbecher verzichten. Für die Anbieter lohne sich das, sagt Pachaly, und rechnet vor: Ein Pappbecher koste etwa acht Cent, würden 15 Becher am Tag an fünf Tagen die Woche gespart, habe man die Recup-Gebühr fast schon wieder drin. Außerdem kämen Leute, die Becher abgeben wollen. Und wenn sie vor Croissants und Kuchen stehen, kaufen sie vielleicht noch etwas.

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„Wir können den größten ökologischen Nutzen ja nur erzielen, wenn wir ein stabiles Pfandsystem mit möglichst wenig Bechern haben.“

Florian Pachaly, Recup

Die Münchner sind nicht die Einzigen mit dieser Idee

Recup hat mittlerweile viele Wettbewerber. Denn der Coffee-to-go-Mehrwegbecher ist längst zu einer Art Symbol für das gute Umweltgewissen geworden. Cup For Cup oder Just Swap It heißen die Konkurrenten – es gibt aber auch stadteigene Projekte wie Freiburg Cup oder Hannoccino aus Hannover.

Daneben springen auch ganz andere Firmen auf diesen Trend auf: Aral zum Beispiel. Mit 2.400 Stationen ist Aral der größte Tankstellenkonzern in Deutschland und mit etwa 85.000 verkauften Kaffees am Tag auch der größte Coffeeto-go-Anbieter. Seit einiger Zeit erlässt Aral jedem Kunden, der einen eigenen Kaffeebecher mitbringt, zehn Cent auf das Getränk. Aber auch Starbucks oder die Deutsche Bahn bieten ihren Kunden Rabatte auf den Kaffee an, wenn sie ihren eigenen Mehrwegbecher mitbringen. Sogar in den McCafé-Filialen ist das mittlerweile möglich.

Was Recup von seinen Mitbewerbern unterscheidet, ist, dass das Unternehmen die Becher vermietet und nicht verkauft. Das heißt: Recup nimmt die Becher zurück, wenn ein Café sie nicht mehr haben möchte, und zahlt den Pfand zurück. Pachaly sagt: „Wir können den größten ökologischen Nutzen ja nur erzielen, wenn wir ein stabiles Pfandsystem mit möglichst wenig Bechern haben.“

Das Problem an diesem Modell ist allerdings, dass es nur funktioniert, wenn sehr viele mitmachen. Denn: Kann man den Becher in einer Stadt nirgends abgeben, kauft ihn auch keiner. Und auch finanziell gesehen funktioniert das System nur mit vielen Teilnehmern. 800 Cafés, das sind derzeit gerade mal 800 Euro am Tag – für 15 Angestellte. Gehälter zahlen können die Gründer nur, weil sie private Investoren haben.

In anderen Ländern gehen Großstädte schon konsequenter gegen die Müllberge vor: New York und San Francisco zum Beispiel haben Wegwerfbecher aus Polystyrol verboten. Seitdem sieht man dort viele Kaffeetrinker mit Kaffeebehältern aus Metall, Kunststoff oder Porzellan auf den Straßen.

Ist ein Mehrwegplastikbecher umweltfreundlich?

Dennoch fragt man sich: Wie gut sind Becher, selbst wenn sie mehrfach verwendet werden, für die Umwelt, wenn sie aus Plastik sind? Denn auch diese Becher müssen produziert und zusätzlich gespült werden. Eine genaue Ökobilanz, in der Einweg- und Mehrwegbecher miteinander verglichen werden, gibt es noch nicht. Aber die Verbraucherzentrale NRW ist kürzlich zu dem Schluss gekommen, dass Mehrwegbecher nur dann umweltfreundlicher sind, wenn sie häufig benutzt, ökologisch gespült und möglichst kurz transportiert werden.

Die Becher von Recup sind aus recycelbarem Kunststoff, sie werden in Deutschland produziert und sollen 500 Spülgänge durchhalten. Für die Recup-Gründer steht fest, dass sie eine umweltfreundlichere Alternative zu den Einwegbechern sind. Denn darum geht es ihnen ja, sagen sie: den Menschen zeigen, dass sie ihr Konsumverhalten mit einfachen Mitteln nachhaltiger gestalten können. „Wir wollen das aber nicht mit erhobenem Zeigefinger machen“, sagt Pachaly.

In den nächsten Wochen startet Recup in Hamburg, Rostock, Augsburg, Ulm, Schwäbisch-Hall, am Starnberger See und auf Sylt. Natürlich sind die Münchner noch am Anfang. In Deutschland gibt es 47.000 Bäckerläden und 11.500 Cafés. Aber sie sind optimistisch, dass die Müllberge durch sie immer kleiner werden.