Warum sind Fachkräfte so wichtig?

Obwohl sich die teils dramatischen Prognosen aus der Vergangenheit nicht bewahrheitet haben, herrscht in zahlreichen Branchen ein erheblicher Mangel an Fachkräften. So können laut einer aktuellen Studie des Instituts für Deutsche Wirtschaft bereits jetzt in 96 Berufen Stellen nicht besetzt werden. Betroffen sind von diesem Trend in erster Linie reine Männer- und Frauenberufe. Der Engpass existiert vor allem in Berufen aus dem naturwissenschaftlich-technischen Bereich. Diese Daten relativieren sich etwas, wenn die Statistiken der Arbeitsagenturen gegenübergestellt werden, die auch in Mangelberufen bundesweit noch mehr Bewerber als offene Stellen verzeichnen.

Weil nicht alle Branchen und Regionen gleichermaßen betroffen sind, scheint ein flächendeckender Fachkräftemangel nicht gegeben zu sein. Trotzdem sehen Unternehmen in der IHK-Konjunkturumfrage genau darin die größten Risiken. Dafür spricht auch der demografische Wandel, der zu einer stetig alternden Bevölkerung führt. So schätzt das Statistische Bundesamt beispielsweise, dass in Baden-Württemberg bereits im Jahr 2030 100 Erwerbspersonen 77 Nicht-Erwerbspersonen gegenüberstehen werden. Rechtzeitig die notwendigen Fachkräfte für das Unternehmen zu gewinnen, dürfte also die große Herausforderung der Zukunft sein. 

Dem drohenden Engpass an Fachkräften entgegensteuern

Die Unternehmensberatung McKinsey empfiehlt Unternehmen, dieser Entwicklung rechtzeitig gegenzusteuern. Sie könnten hierfür einerseits ihre eigene Attraktivität als Arbeitgeber erhöhen, andererseits Kooperationen mit anderen Betrieben eingehen oder Shared Services in Anspruch nehmen, um den eigenen Bedarf an Fachkräften abzudecken. 

So machen sich Unternehmen attraktiv für Arbeitnehmer

Was eine Fachkraft an Gehalt verdienen kann, ist für viele Arbeitnehmer nur einer von mehreren Faktoren, um sich für ein Unternehmen zu entscheiden. Wichtig sind außerdem das Umfeld und die Arbeitsbedingungen. Ist der Betrieb familienfreundlich? Gibt es flexible Arbeitszeitmodelle? Und wie steht es um Möglichkeiten zur Fortbildung? Durch entsprechende Angebote gewinnen Jobs für Bewerber auf dem Arbeitsmarkt an Attraktivität. Die Bindung hoch qualifizierten Personals macht viele dieser Maßnahmen mittel- bis langfristig sogar kostenneutral.

 Denn werden materielle Anreize mit immateriellen Vorteilen kombiniert, erhöht dies die Bindung an das jeweilige Unternehmen und vermindert umgekehrt die Gefahr einer erfolgreichen Abwerbung durch Mitbewerber. 

Neue Wege im Recruiting

Gelingt es einem Unternehmen, sich als Marke zu etablieren, wirkt sich das zudem positiv auf das Recruiting aus. Jahr für Jahr wächst die Bedeutung von Social Media-Kanälen für das Recruiting. Und auch positive Empfehlungen von Mitarbeitern tragen im Zeitalter der sozialen Medien dazu bei, dass ein Arbeitgeber Bewerber für eine qualifizierte Position ansprechen kann. Des Weiteren müssen sich Personalchefs darauf einstellen, verstärkt selbst aktiv auf die Suche nach Kandidaten zu gehen, statt auf den Eingang von Bewerbungen zu warten. Viele Fachkräfte stellen ihren Lebenslauf mittlerweile auf entsprechende Jobplattformen und können hier direkt von interessierten Unternehmen oder Headhuntern angesprochen werden. 

Wenn ein Kandidat gefunden ist: Gehalt und weitere Vergünstigungen

Bei Gehaltsverhandlungen ist für viele Fachkräfte meist nicht allein das Gehalt entscheidend. Der Blick geht auch auf die sogenannten Fringe Benefits. Dabei handelt es sich um Bestandteile des Gehalts, die in Form von Sach- oder Dienstleistungen zur Verfügung gestellt werden. Das können beispielsweise ein Dienstfahrzeug mit Privatnutzung, ein finanzieller Beitrag zur privaten Altersvorsorge oder rabattierte Leistungen des Unternehmens sein.

Ein attraktives Gehalt einer Fachkraft ist nur ein Element, mit dem Unternehmen Experten gewinnen und auch langfristig binden. Mindestens genauso wichtig sind das Arbeitsumfeld und weitere Gehaltsbestandteile. Diese Entwicklung erfordert von Personalverantwortlichen neue Denkweisen.