Die Beschäftigung mit dem Themenkomplex der Mitarbeitermotivation lohnt sich jedoch, denn dem Gallup Engagement Index zufolge haben sich bereits 15 Prozent aller Beschäftigten in die „innere Kündigung“ zurückgezogen, während 70 Prozent lediglich Dienst nach Vorschrift leisten. Anders gesagt: Lediglich 15 Prozent der deutschen Angestellten sind wirklich motiviert bei der Arbeit. Dies führt zu wirtschaftlichen Schäden in Milliardenhöhe: Lustloses, desinteressiertes Personal gibt sich nur wenig Mühe, die Umsätze anzukurbeln oder wichtige Kunden sorgfältig zu pflegen.

Wie motiviere ich Mitarbeiter?

Ein klassischer Denkfehler der Arbeitgeber ist die Annahme, dass Geld alle Probleme löst. Doch mit Sonderzahlungen oder auch einer Gehaltserhöhung lassen sich heute nur noch wenige Mitarbeiter motivieren. Warum? Vor allem jüngere Mitarbeiter achten heute weit mehr auf die richtige Work-Life-Balance und auf Anerkennung als noch vor einigen Jahren. Dazu fressen Steuern und Abgaben große Teile einer finanziellen Belohnung wieder auf. Kurzum: 50 Euro im Monat mehr werden keinen Mitarbeiter motivieren, wenn er keine Wertschätzung oder Würdigung erfährt.

Der amerikanische Psychologe David McClelland hat drei Faktoren ermittelt, die Mitarbeiter motivieren und die jeder Arbeitgeber beachten sollte:

  1. Leistungsmotivation: Die meisten Menschen möchten Leistung erbringen, um sich aufgrund der erbrachte Leistung stolz fühlen zu können. Kaum etwas demotiviert so sehr wie eine anspruchslose Tätigkeit ohne Aussicht auf Erfolg und ohne Verantwortung. Gelingt es zum Beispiel einem Mitarbeiter, einen wertvollen Auftrag für die Firma zu gewinnen und er erfährt vom Vorgesetzten entsprechendes Lob und Anerkennung, wird er hoch motiviert sein, weitere Aufträge zu gewinnen.
  2. Soziale Anschlussmotivation: Der Mensch strebt nach Würdigung und Anerkennung im Kreis Gleichgesinnter. Ein Kollege, der beim Meeting der Abteilung für sein Engagement gelobt wird, fühlt sich von Seinesgleichen gewürdigt. Dies motiviert ihn, weiterhin alles für diese Gruppe zu geben.
  3. Machtmotivation: Lob und Anerkennung führen zu steigendem Einfluss der Person. Die Aussicht auf mehr Einfluss und Macht ist daher für viele Menschen ein wichtiger Motivationsfaktor.

Bei den meisten Mitarbeitern spielt eine Kombination aus diesen Faktoren eine Rolle. Reine Machtmenschen oder Menschen, die nur Wert auf soziale Anerkennung legen, sind eher selten.

Mitarbeiter motivieren im betrieblichen Alltag

Um Mitarbeiter motivieren zu können, müssen zunächst aktuelle Probleme identifiziert werden. Die richtige Kommunikation ist dabei von grundlegender Bedeutung. Die jährlichen Mitarbeitergespräche sind ein wertvolles Hilfsmittel, um zu erfahren, woran es dem Mitarbeiter fehlt. Ist er demotiviert, weil er die Fleißarbeit in der Abteilung erledigt und dafür kaum Anerkennung erfährt, weil der extrovertierte, laute Kollege ständig das Lob einheimst? Dann übertragen Sie diesem Mitarbeiter eine verantwortungsvolle Aufgabe, in der er sich beweisen kann.

Ist der Mitarbeiter demotiviert, weil er das Gefühl hat, es gibt keine Aufstiegschancen für ihn? Sprechen Sie mit ihm über Fortbildungsangebote und die Möglichkeit, in eine andere Abteilung oder eine andere Zweigstelle zu wechseln, um seiner Karriere einen Schub zu verleihen.

Wichtig für den Vorgesetzten ist die Selbstreflexion im Umgang mit den Mitarbeitern. Wie oft wird den Mitarbeitern ein direktes Lob ausgesprochen? Hat die Mitarbeiterin für ihre sorgfältig vorbereitete und aufwendig gestaltete Präsentation während des großen Verkaufsmeetings lediglich ein knappes „Danke“ gehört, oder haben Sie ihr ausdrücklich für ihre hervorragende Vorbereitung und gelungene Präsentation gedankt?

Mitarbeiter motivieren ist ein langfristiger Prozess

Firmentypische Belohnungssysteme, wie die Zahlung einer Prämie bei Erreichen eines bestimmten Ziels, sind höchstens kurzfristige Motivatoren. Positives Feedback zur eigenen Arbeit, die Bestätigung der eigenen Kompetenzen und die Übertragung von Verantwortung tragen viel mehr dazu bei, Mitarbeiter zu motivieren. Coaches raten außerdem zu Transparenz: Werden die Mitarbeiter besser über die Firmenabläufe informiert, fühlen sie sich besser eingebunden und ernst genommen, hat die Journalistin Sabine Hockling herausgefunden. Weiterhin sollten sie ermutigt werden, ihre eigenen Ideen und Vorschläge einzubringen. Auch das Gefühl, selbst zumindest im Kleinen Einfluss nehmen zu können und nicht nur ein unbedeutendes Rad im Getriebe zu sein, wird viel dazu beitragen, Mitarbeiter zu motivieren.

Motivierte Mitarbeiter sind Gold für die Firma wert

Um zu verhindern, dass Ihre Mitarbeiter nur noch Dienst nach Vorschrift leisten oder sich gar in die innere Kündigung zurückziehen, sollten Sie auf die richtige Motivation achten.

  • Geld alleine ist kein Motivator.
  • Mitarbeiter zu motivieren gelingt am besten durch Lob und Anerkennung.
  • Mitarbeiter erwarten Feedback, Förderung und positive Zukunftsaussichten.
  • Die Mitarbeitermotivation sollte als langfristiger Prozess betrachtet werden. Einmalige Prämien oder ein einzelnes Lob bringen wenig.