Mehr als die Hälfte der Befragten hält den Einkauf für nicht effektiv

Die vielleicht wichtigste Zahl der Umfrage „Procurement 2020“ vorab: 83 Prozent der befragten Führungskräfte geben an, dass sie ihre Funktion nicht primär in der strategischen Beschaffung sehen beziehungsweise den strategischen Einkauf für ihre Unternehmensführung nicht als entscheidend erachten.

Nur 28 Prozent der befragten Führungskräfte betrachten den Einkauf demnach als einen Kernaspekt der Unternehmensstrategie. Allerdings: Mehr als die Hälfte (51 Prozent) der Führungskräfte hält ihre Betriebsmodelle im Einkauf in ihrer heutigen Form nicht für effizient.

Fertigungsindustrie schätzt ihren Einkauf als besonders strategisch ein

Die Führungskräfte des Einzelhandels haben das größte Vertrauen in ihre Beschaffungsfunktion: 43 Prozent der Einzelhändler halten ihre Beschaffungsoperationen für sehr effizient und 18 Prozent für etwas effizient. Auch in Bezug auf den strategischen Wert des Einkaufs attestiert die Umfrage dem Einzelhandel gute Noten: 79 Prozent der Führungskräfte geben an, dass ihr Einkauf „überwiegend oder vollständig strategisch ausgerichtet“ ist.

Im produzierenden Gewerbe bewerten hingegen nur 27 Prozent ihre Beschaffungsaktivitäten als sehr effizient und 24 Prozent als etwas effizient. Ähnlich schlecht beurteilen die befragten Technologie- und Healthcare-Unternehmen ihren Einkauf. Nur 21 Prozent der Führungskräfte in beiden Bereichen sind der Meinung, dass ihr Einkauf sehr effizient arbeitet. Noch schlechter sieht es bei den Finanzdienstleistungsunternehmen aus. Hier schätzen nur 15 Prozent ihren Einkauf als sehr effizient ein.

Die Fertigungsindustrie hat das positivste Bild von ihrem Einkauf: 91 Prozent der Führungskräfte im verarbeitenden Gewerbe geben an, dass ihre Beschaffungsaktivitäten sehr strategisch ausgerichtet sind.

Interesse an Verbesserung ist groß

Die oben genannten Zahlen verdeutlichen, dass viele Unternehmen ihren Einkauf nicht genügend priorisieren, schulen und unterstützen. Insgesamt halten nur 44 Prozent der CEOs sowie 44 Prozent der CFOs ihre Beschaffungsfunktionen für sehr oder teilweise effizient.

Gleichzeitig hat eine breite Basis der befragten Führungskräfte ein großes Interesse daran, den Einkauf zu optimieren: 48 Prozent der befragten Unternehmen haben ihre Einkaufsfunktion in den vergangenen fünf Jahren neu organisiert oder sind gerade dabei zu reorganisieren. 20 Prozent planen, ihre Beschaffung in den nächsten zwei Jahren neu aufzustellen.

Wie Unternehmen ihren Einkauf optimieren möchten

68 Prozent der befragten Führungskräfte sind der Meinung, dass der Einkauf effizienter arbeitet, wenn er früher an der Entwicklung neuer Produkte und der langfristigen Strategie beteiligt ist. 82 Prozent der CEOs sind der Ansicht, dass die Schulung und Weiterbildung der Mitarbeiter ein wichtiger Weg ist, um die Effizienz der Beschaffung zu verbessern. 90 Prozent der CPOs glauben, dass die Verbesserung von Beschaffungstechnologien der Schlüssel zur Optimierung der Beschaffungsstrategie ist – bei den CEOs sind es 76 Prozent.

Die Umfrage macht auch deutlich, dass es je nach Branche unterschiedliche Sichtweisen gibt, wie sich der Wert des Einkaufs steigern lässt. So sehen Führungskräfte in den Bereichen Financial Services, Transportation, Retail und Technology die größte Chance in der Personal- und Kompetenzentwicklung, während Führungskräfte im verarbeitenden Gewerbe die Reorganisation bevorzugen.

Fazit

Die Bedeutung des strategischen Einkaufs variiert von Branche zu Branche. Die Umfrage zeigt aber, dass der strategische Einkauf in vielen Unternehmen bisher zu stiefmütterlich behandelt wird. Viele Unternehmen haben das immerhin erkannt und versuchen, dies zukünftig zu ändern, oder sind bereits dabei.