Wie zu Henry Fords Zeiten

Seit Ford mit dem Model T die Fließbandproduktion in der Automobilindustrie eingeführt hat, hat sich an den Grundprinzipien der Autoherstellung wenig geändert. Die Montage des Automobils ist in einzelne Schritte zerlegt, jeder Mitarbeiter übernimmt eine bestimmte Aufgabe. Im Leipziger Werk des bayerischen Autobauers BMW ist ein Takt beispielsweise 76 Sekunden lang. Sechs verschiedene Takte beherrscht jeder einzelne Mitarbeiter. Während seiner Schicht wechselt er alle zwei Stunden die Aufgabe, damit die Arbeit nicht zu monoton wird. Während das Grundprinzip unverändert erhalten bleibt, hat sich Arbeit an den einzelnen Stationen aber stark verändert. 

Roboter als Helfer

Roboter haben in der Automobilindustrie eine lange Tradition. Schon längst übernehmen die mechanischen Helfer körperlich schwere Aufgaben. Im Karosseriebau und in der Lackiererei arbeiten Industrieroboter schon lange allein. Die Mitarbeiter steuern und überwachen die Tätigkeiten der Maschinen per Monitor. Aus Sicherheitsgründen werden diese Roboter nur in durch Gitter gesicherten Bereichen eingesetzt. Menschen dürfen nicht in die Nähe der laufenden Maschinen.

 Roboter als Kollegen

Neue Entwicklungen bringen Mensch und Maschine näher zusammen. Seit einigen Jahren testen alle deutschen Hersteller, wie Mitarbeiter und Roboter enger arbeiten können. Im US-amerikanischen Werk Spartanburg meldet BMW, als Erster in der Automobilbranche "eine direkte Mensch-Maschine-Kooperation in der Serienfertigung" umgesetzt zu haben. Bisher war die Fertigung ein Revier ausschließlich für menschliche Mitarbeiter. Nun arbeiten Maschinen und Menschen Hand in Hand, die körperliche Belastung für die Mitarbeiter nimmt ab.

 Sensoren machen es möglich

Bisher galt die direkte Interaktion von Menschen und Robotern in der Produktion als zu gefährlich. Die schweren Greifarme der Industrieroboter bergen bei einem Zusammenstoß ein hohes Verletzungsrisiko für den Menschen. Innovative Sensortechnik und eine ausgeklügelte IT-Steuerung machen die Zusammenarbeit möglich. Moderne Roboter in der Fertigung spulen nicht einfach ihr Programm ab, sie können angepasst reagieren, wenn Unerwartetes geschieht. In vielen Bereichen nehmen Roboter den Menschen nicht nur schwere Arbeiten ab, sie sparen auch zusätzliche Arbeitsschritte ein. Bei BMW montieren mittlerweile Roboter die Türdichtungen. Während sie den anstrengenden Job ausführen, messen sie mit eingebauten Sensoren direkt die Verarbeitungsqualität der Dichtung.

Entlassungen sind unwahrscheinlich

Obwohl die Automobilindustrie eine Vorreiterrolle in der Fertigungsrobotik einnimmt, müssen die Mitarbeiter nicht um ihre Arbeitsplätze fürchten. Langfristig sparen die Unternehmen durch die modernen Fertigungsroboter Arbeitsplätze ein. Allerdings fällt der Abbau der Arbeitsplätze mit dem Renteneintritt der Babyboomer zusammen. Geht diese letzte geburtenstarke Generation in Rente, rücken die geburtenschwachen Jahrgänge nach. Damit gehen zwar auf Dauer Arbeitsplätze verloren, gleichzeitig wird aber der Fachkräftemangel effektiv ausgeglichen und die Produktivität steigt. Allein der VW-Konzern müsste in der Zukunft jedes Jahr 10.000 Mitarbeiter einstellen, um die in den Ruhestand gehenden zu ersetzen. Der zunehmende Anteil an Fertigungsrobotik sichert den Wirtschaftsstandort Deutschland. 

Die Arbeit wird anspruchsvoller

Durch den Einsatz von Fertigungsrobotern fallen viele körperlich belastende und monotone Tätigkeiten weg. Die Aufgaben, die für die Mitarbeiter bleiben, werden insgesamt anspruchsvoller und komplexer. Die Teamarbeit erhält einen höheren Stellenwert. Viele Aufgaben werden in Zukunft über Ressort- und Ausbildungsgrenzen hinweg erledigt werden. Das erfordert neue Konzepte für die Ausbildung und Qualifizierung der Mitarbeiter. IT-Kenntnisse werden in der Zukunft für die Arbeit in der Fabrik nahezu unerlässlich sein. 

Fazit

Die Fertigungsrobotik verändert die Arbeitswelt in einem ähnlichen Maße, wie es zuletzt die industrielle Revolution getan hat. Die Automobilindustrie nimmt dabei wieder eine Vorreiterrolle ein. Doch andere Branchen ziehen nach. In der Logistik, der Verwaltung, der Kranken- und Altenpflege und natürlich im produzierenden Gewerbe wächst der Anteil innovativer Fertigungsroboter ständig. Hier finden Sie Anbieter für Robotersysteme und Experten für die Roboterprogrammierung.