Wer hat die Lizenz zum Gelddrucken?

Die Sicherheitsmerkmale werden der Euronote bei ihrem Druck hinzugefügt. Der Geldscheindruck ist nur ausgewählten Druckereien gestattet, den sogenannten Sicherheitsdruckereien. Gieseke & Devrient, kurz G&D, ist eine solche Sicherheitsdruckerei, die in Deutschland die Lizenz zum Gelddrucken besitzt. Seit dem 19. Jahrhundert druckt das Traditionsunternehmen im Auftrag der Obrigkeit. Wo einst Fürsten und Privatbanken das große Geld bestellten, sind es heute die einzelnen Staaten, die ihre Währung bei G&D herstellen lassen.

Geschützt werden die Druckereien von hohen Zäunen und allerhand Sicherheitsvorkehrungen, was nicht verwunderlich ist, denn schließlich wandern hier tägliche Tausende von Euros durch die Produktionslinien. Und auch sonst gibt sich das Unternehmen sehr verschwiegen. In früheren Jahren soll es den Mitarbeitern nicht einmal erlaubt gewesen sein, zu erzählen, wo sie arbeiten. Doch trotz aller Verschwiegenheit: Einige Herstellungsverfahren sind bekannt. 

Der Sicherheitsdruck beginnt schon beim Papier

Eigentlich ist es gar kein richtiges Papier, auf das unsere Euronoten gedruckt werden. Vielmehr handelt es sich um einen aus Baumwolle bestehenden Bedruckstoff. Einige Sicherheitsmerkmale werden bereits hier integriert. Damit der Geldschein beispielsweise im UV-Licht leuchtet, werden schon diesem Grundstoff kleinste fluoreszierende Partikel hinzugefügt. Die Beschaffenheit des Druckstoffes ist auch verantwortlich für das typische Geldscheingefühl. 

Warum sich Geld wie Geld anfasst

Mit dem Stahlstich-Tiefdruckverfahren schaffen es die Druckereien, dem Geld eine ganz besondere Haptik mitzugeben. Durch immensen Druck von mehreren Tausend bar wird die Farbe auf das Papier übertragen. So entstehen die fühlbaren Reliefs der abgebildeten Motive. Darum ist es eigentlich nicht ganz korrekt, vom Gelddruck zu sprechen – die Geldscheine werden vielmehr geprägt. 

Das Besondere an den Farben der Geldscheine

Jeder Euroschein trägt auf der Vorderseite links unten den Wert als grün schillernde Zahl aufgedruckt. Kippt man den Geldschein, verändert sich die Farbe beispielsweise von Hellgrün nach Dunkelgrün. Diese Farbänderung wird durch eine Spezialfarbe erreicht. Je nach Lichteinstrahlwinkel verändert sie ihren Farbton. Darum heißt eines der Prüfverfahren für Banknoten "Kippen".

Auch der für unser Auge scheinbar unveränderliche Farbton einer Euronote birgt ein Geheimnis. Unter Infrarotlicht erscheinen die Farben anders als im Tageslicht und man kann deutliche Unterschiede feststellen. Möglich wird das durch die Nutzung der Metamerie. Sie umschreibt Farbpaare, die zwar im Druckverfahren den gleichen CMYK-Ton treffen, sich aber in der Zusammensetzung der Blau-, Rot-, Gelb- und Schwarzanteile unterscheiden. Dieser Unterschied wird unter dem Infrarotlicht-Filter sichtbar.

Des Weiteren werden für den Geldscheindruck an manchen Stellen ganz spezielle Farbtöne verwendet. Diese liegen außerhalb des normalen CMYK-Farbraumes und können darum von herkömmlichen Druckern nicht korrekt dargestellt werden. Andere Farbtöne liegen nicht innerhalb des RGB-Farbraumes, was einen Schutz vor dem Einscannen darstellt. 

Der Sicherheitsfaden – mehr als ein optisches Merkmal

In der Druckerei wird jedem Geldschein ein Sicherheitsfaden eingearbeitet, der sich etwa in der Mitte des Geldscheins über die gesamte Höhe erstreckt. Er dient zum einen als optisches Merkmal, hat aber noch eine weitere Funktion. Im Grunde ist der Sicherheitsstreifen ein kleines Magnetband, das den Euroschein in seiner Echtheit und seinem Wert gegenüber Automaten erkennbar macht. Anhand der dort gespeicherten Signatur erkennt der Automat den Schein und kann ihn bearbeiten. In der Vergangenheit kam es deswegen bereits zu so mancher Panne. Als die Bundeszentralbank auf die neuen Euroscheine umstellte, versagten vielerorts die Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn. Die Software, die zur Erkennung notwendig gewesen wäre, wurde zu spät bereitgestellt. 

Folien, Hologramme und Durchsichtsregister

Um es den Fälschern besonders schwer zu machen, werden in den Druckereien Folien und Hologramme direkt in den Geldschein eingearbeitet. Diese Elemente verändern je nach Blickwinkel ihr Motiv und sind sehr schwer zu reproduzieren. Auch Durchsichtsregister erfordern eine hohe Präzision beim Druck. Hier wird ein Motiv in einzelnen Fragmenten auf der Vorder- und Rückseite des Geldscheins im sogenannten Passerdruck so aufgebracht, dass im Durchlicht ein geschlossenes Motiv daraus wird. Ein weiteres sehr bekanntes Sicherheitsmerkmal ist das Wasserzeichen, das ebenfalls direkt in das Papier eingearbeitet wird und im Gegenlicht sichtbar ist. 

Präzisionsdrucke für Fälschungssicherheit

Je mehr verschiedene Sicherheitsmerkmale in den Druck von Geldscheinen einfließen, desto fälschungssicherer werden die Banknoten. Ist der Aufwand für Fälscher zu groß oder überschreiten die Techniken das Können der Betrüger, wird eine Banknote uninteressant.

Moderne Druckmaschinen für den Irisdruck erzeugen einen charakteristischen Farbverlauf in den Untergrundfarben der Geldscheine, die auch ein sehr leistungsstarker Farbkopierer nicht reproduzieren kann. Sehr präzise Druckmaschinen sind in der Lage, Mikrodruckmuster zu erzeugen, die erst unter einer Decodierlinse als Bild sichtbar werden. Mithilfe moderner Drucktechnik ist es zudem möglich, eine hohe Fälschungssicherheit zu garantieren. 

Fazit: Neue Verfahren für mehr Sicherheit

Die Anforderungen an Unternehmen, die Technik und Know-how zum Gelddruck liefern, steigen stetig. Geldfälscher passen sich an und schaffen es, wichtige Sicherheitsmerkmale nachzuahmen. Entsprechend hoch ist der Druck, immer neue und anspruchsvollere Verfahren zu entwickeln, um die Fälschungssicherheit von Banknoten zu gewährleisten. International aufgestellte Fälscherringe verfügen über die finanziellen Mittel, um die nötigen Maschinen sowie das Fachwissen zu beschaffen. Zeitlich versetzt ziehen sie nach und Fälschen auch anspruchsvollste Drucktechniken in guter Qualität. Daher sind im Bereich des Gelddrucks ständig neue und noch sicherere Lösungen gefragt.