So werden Güter in Deutschland transportiert
 

Die IW-Studie Faktencheck Güterverkehr in Deutschland – Von der fehlenden Infrastruktur zum Verlagerungspotenzial zeigt: Die Anteile der Transportwege in Deutschland waren im Stichjahr 2019 klar zugunsten der Straße verteilt.
 

  • Mehr als 84 Prozent des Frachtverkehrs wurden per Lkw bewegt.
  • 13,6 Prozent wurden auf der Schiene oder auf dem Wasser bewegt.
     

Auffällig beim Transportmittel Lkw ist, dass es zu 56 Prozent Strecken von weniger als 50 Kilometer zurücklegt. Und nur acht Prozent seiner beförderten Tonnage fährt es mehr als 300 Kilometer weit. Dieser Wert ist wichtig, wenn es um die Verlagerung des Güterverkehrs geht. Denn eine Transportweite ab 300 Kilometern gilt als Untergrenze für Lieferungen mit der Bahn.
 

Verkehrsträger Schiene: Nur begrenztes Potenzial
 

Schon lange wird im Programm der Parteien beim Thema Güterverkehr gefordert, weniger Fracht mit Lkw und mehr Fracht mit der Bahn zu befördern. Das hat zum einen verkehrspolitische Gründe (z. B. weniger Staus auf Autobahnen), zum anderen ökologische (z. B. weniger CO2). Doch viel passiert ist nicht. Und kann es bis auf Weiteres auch kaum. Das liegt laut IW-Studie an folgenden Umständen.
 

  • Die Infrastruktur ist bereits mit dem heutigen Verkehrsaufkommen überfordert. Viele Straßen und Brücken sind baufällig oder sanierungsbedürftig.
  • Bahn und Schiff transportieren überwiegend Massengut über weite Strecken. Lkw liefern vorwiegend auf kurzen Etappen baunahe Materialien und verderbliche Lebensmittel aus. Außerdem werden sie stark im Verteilerverkehr in der Fläche genutzt. Denn anders als mit dem Zug oder mit dem Schiff, kann mit dem Lkw durch das gut ausgebaute Straßennetz so gut wie jedes mögliche Ziel angefahren werden.

Aus diesen Fakten schließen die Autoren der Studie, dass der Verlagerung im Güterverkehr derzeit enge Grenzen gesetzt sind. Und zwar aus diesen Gründen:
 

  • Es müssten zunächst große finanzielle Mittel in die Verbesserung der Infrastruktur von Straßen- und Schienennetz gesteckt werden. Bis diese umgesetzt sei, vergingen noch Jahre. Das liege auch an flankierenden juristischen und organisatorischen Herausforderungen.
  • Der zunehmende B2C-Onlinehandel führe dazu, dass immer mehr kleinteilige Waren umgeschlagen werden, die eher für den flexiblen, feinverteilenden Transport auf der Straße geeignet seien. Umgekehrt würde der Transport per Bahn von Massengütern wie Kohle und Mineralölerzeugnissen abnehmen.

Multimodaler Verkehr gewinnt an Bedeutung
 

Den Ergebnissen der Studie nach ist eine Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene in größerem Umfang kurzfristig also nicht möglich. Alle Prognosen deuteten stattdessen darauf hin, dass der Lkw auch noch 2050 das wichtigste Transportmittel sein werde.

Federführend bei der Studie war IW-Senior Economist und Thomas Puls. Er interpretiert die Resultate der Erhebung wie folgt: 

Quotation mark
Eine qualitativ hochwertige und umfassende Abdeckung mit Güterverkehrsleistungen wird nur möglich sein, wenn die Stärken der einzelnen Verkehrsträger in einem Gesamtsystem kombiniert werden. Ein Gegeneinander von Straße, Schiene und Wasserstraße ist der sichere Weg zum Scheitern, denn keiner der Verkehrsträger ist auf absehbare Zeit in der Lage, die Transportaufgaben eines anderen zu übernehmen.”

Neben mehr multimodalem Verkehr empfiehlt das Autorenteam der Verkehrspolitik:
 

  • den verstärkten Einsatz von klimaneutralen Antriebskonzepten im Güterverkehr, um so die Klimaziele zu erreichen
  • Sanierung maroder Verkehrswege
  • engere Kooperation Deutschlands hinsichtlich des Güterverkehrs mit seinen Nachbarn, eine europäische Hafenpolitik und den gezielten Ausbau von Transportkorridoren