Rohre und Armaturen

Industriebedarf

Rohre und Armaturen: Die Arterien unseres Versorgungskreislaufs

Mit mindestens 2 Millionen Kilometern Länge ist nach Expertenschätzungen allein das Netz an interkontinentalen und kontinentalen Pipelines zum Transport von Erdöl, Erdgas und Trinkwasser zu beziffern. Regionale Zuleitungen sowie sämtliche Rohrleitungssysteme der Industrie zur Beförderung von flüssigen oder gasförmigen Stoffen und von Schüttgut sind hier nicht eingerechnet. Die wirtschaftliche Bedeutung von Rohren und von Armaturen, die Durchlauf, Druck und thermische Zustände messen und regeln, ergibt sich aus der enormen Transportkapazität von Rohren, die allen anderen Transportarten überlegen ist. Allein die jährliche weltweite Transportmenge von über 4 Mrd. Tonnen Erdöl durch Pipelines entspräche ungefähr der durchschnittlichen Ladekapazität von 1.000 Öltankern. 

Wirtschaftliche Überlegenheit durch geringe Störanfälligkeit

Gemessen an den gewaltigen Entfernungen, die durch Versorgungspipelines überwunden werden, weisen die großen Hauptadern der weltweiten Erdöl- und Gasversorgung ein äußerst geringes Maß an Störfällen auf. Der Dachverband der Europäischen Mineralölhersteller (CONCAWE) konnte in jüngeren Untersuchungen über einen Zeitraum von zehn Jahren für die Rohrleitungssysteme der europäischen Erdölförderung einen Anteil von nur 2 % an allen Beförderungsunfällen im Vergleich zu Schiff, Schiene und Straßenverkehr ermitteln. Trotz der immensen Kapitalkraft, die hinter jedem Großprojekt im Rohrleitungsbau steckt, ist kein anderer Transportweg für flüssige und gasförmige Rohstoffe und Schüttgut so wirtschaftlich wie das Fernleitungsrohr. 

Im Strom mitschwimmend: Molche, die Leckagen schnell diagnostizieren

Es gibt überdies kein Transportmittel, das – gemessen an der effektiven Transportmenge – so wirksam kontrolliert wird wie ein Rohrleitungssystem. Neben dem Einsatz von Reinigungsmolchen, die dafür sorgen, dass korrosive Ablagerungen im Inneren des Rohrs entfernt werden, kommen sogenannte „intelligente Molche“ zum Einsatz, die im Strom großer Versorgungsleitungen buchstäblich „mitschwimmen“ und umfassend über den aktuellen Zustand einer Rohrleitung informieren. Das Besondere dabei: Die Prüfgeräte erfassen während des laufenden Betriebs selbstständig Messdaten über Verformungen, Wanddicken, Korrosion etc. – teilweise sogar per Ultraschallmessung. Diese drohenden Leckagen durch Materialermüdungen und Risse können so frühzeitig erkannt und behoben werden. Die Hersteller dieser Diagnosegeräte verfeinern die Technologie zusehends auch für Rohre mit kleineren Durchmessern. Rohrleitungen werden in ihrem Durchmesser generell so dimensioniert, dass Durchlauf und Widerstand zu optimalem Druck führen, wodurch eine höhere Durchlaufgeschwindigkeit des Transportguts erzielt wird. Weitere technologische Fortschritte im Rohrleitungsbau entstehen also durch den Einsatz stärker belastbarer und korrosionsfreier Materialien, neue Verbindungstechnologien zwischen den Rohrstücken und den Einsatz moderner Mess- und Regeltechnik. Den Herstellern von Armaturen und Pumpstationen kommt dabei die Aufgabe zu, die forcierten Bedingungen, unter denen Rohstoffe in immer größeren Mengen immer schneller zur nächsten Station gelangen müssen, adäquat zu steuern. Die Wirtschaftlichkeit, mit der subversive Leitungssysteme betrieben werden können, setzt sich also aus den Faktoren Gestehungskosten, Durchlaufmenge und nicht zuletzt auch Lebensdauer eines Leistungssystems zusammen. 

Vorbilder nachhaltiger Energiewirtschaft: Geschlossene Kreisläufe

Die Weltwirtschaft ist in einem hohen Maße von der genauen Regulierung des Versorgungskreislaufs durch Pipeline- und Zuleitungssysteme abhängig. Speziell im Transport von Erdgas ist zudem eine möglichst konstante Balance zwischen zeitnahem Verbrauch und Lieferung vonnöten. Das „Zwischenlagern“ von Erdgas erfolgt mit hohem Druckaufwand und daher auf sehr energieintensive Weise in unterirdischen Speichern. Der Versorgungskreislauf mit fossilen Rohstoffen basiert also auf sehr sensiblen Berechnungen von Bedarfsmengen im Verhältnis zu den Transportmengen.
Fossile Energieträger werden trotz des weltweiten Bemühens um Reduktion von CO2-Emissionen auch auf lange Sicht weiterhin ihre tragende Rolle in der weltweiten Energieversorgung beibehalten.
Wenn man so will, repräsentieren CO2-Emissionen den vorerst nicht zu verhindernden „venösen Anteil“ des energetischen Versorgungskreislaufs. Um einen idealen, also geschlossenen Kreislauf handelt es sich in der weltweiten Energieversorgung de facto also noch nicht. 

Gasisolierte Leitungen: Hoffnungsträger für den verlustfreien Energietransport

Die Rohrleitungsindustrie und mit ihr die Armaturenbranche werden auch im Zeitalter der nachhaltigen, regenerativen Energien eine Hauptrolle spielen. Um im größeren, auch weltwirtschaftlich relevanten Umfang gewonnene Wind- und Solarenergie nutzen zu können, spielt der verlustfreie Transport von Strom eine zunehmend wichtigere Rolle. Gasisolierte Leitungen, (GIL) werden bereits in Umspannstationen bei der Übertragung elektrischer Hochspannungen an Überlandleitungen eingesetzt. Die Weiterentwicklung von GIL-Systemen könnte eines Tages dafür sorgen, dass auch Solarstrom über immer größere Entfernungen transportiert werden kann. In Europa steht weder genügend Fläche noch konstante Sonnenstrahlung zur Verfügung, um fossile Energieträger in nennenswerter Ergiebigkeit zu ersetzen. Durch die Möglichkeit, Strom in GIL-Pipelines so verlustfrei wie möglich auch durch Meere hindurch zu verlegen, ergeben sich allerdings ganz neue Ansätze zur Erschließung regenerativer Energiequellen. 

Fazit: Rohre und Armaturen werden auch zukünftig die weltweite Energieversorgung prägen

Nachhaltigkeit ist kein Wert, der ausgerechnet mit den Herstellern von Rohren und Pipelines in Verbindung gebracht wird. Der Rohrleitungsbau bleibt dennoch auf lange Sicht das große Vorbild für den effizienten Transport schlechthin und hat sogar Visionen beflügelt, ihn verstärkt auch wieder zur Beförderung fester Körper und sogar Personen in Betracht zu ziehen. Diese Art „Science Fiction“ ist wissenschaftlich und physikalisch gesehen auch nicht unrealistisch. Aber nicht nur mit Blick auf zukünftige Herausforderungen wird der Bedarf an Rohren und Armaturen aus immer stabileren und zunehmend belastbareren Werkstoffen weiterhin steigen. Auch dann, wenn die letzten Quellen fossiler Energieträger längst ausgeschöpft wurden.

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