Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Dichtungstechnik

Die Folgen der Corona-Pandemie stellen den Technischen Handel vor neue Herausforderungen. Viele Betriebe sind wegen der branchenweiten Umsatzrückgänge in flexible Kurzarbeitszeitmodelle gewechselt. Ergänzt durch Homeoffice-Lösungen erhalten sie die Kundenbetreuung und den Vertrieb aufrecht.

Wie sich die Pandemie speziell auf die Dichtungstechnik auswirkt, wurde in der VTH-Kurzumfrage „Status quo: Wo steht der Technische Handel in der Corona-Krise?“ untersucht, die INSIDE BUSINESS exklusiv vorliegt.

In der Auswertung vom 27. Mai 2020 gaben 23 der 40 befragten Unternehmen aus der Dichtungstechnik an, Kurzarbeit angemeldet zu haben. Knapp zwei Drittel hatten Auftragseinbußen zu beklagen, immerhin die Hälfte aller Unternehmen hat negative Auswirkungen der Pandemie auf die Zahlungsmoral der Kunden festgestellt. Glücklicherweise sieht kein einziges Unternehmen seine Existenz durch die Corona-Krise akut gefährdet.

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Diese 4 Firmen haben kreativ auf die Krise reagiert

Um die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie einzudämmen, haben verschiedene Unternehmen aus der Dichtungstechnik kreative und maßgeschneiderte Lösungen entwickelt, die von ihrer herkömmlichen Geschäftsidee teils deutlich abweichen. Hier kommen vier Beispiele für Corona-bedingte Anpassungen im Produktionsablauf:

1. Eriks: Handle-Clean „Katrin“

Die Firma Eriks ist ein Multi-Produkt-Spezialist mit einem breiten Sortiment an Maschinenbau-Elementen und technischen Dienstleistungen für alle Industriesegmente. Unter anderem stellt das Unternehmen Industriedichtungen her. Um die Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus beim Einkaufen zu verringern, entwickelte das Unternehmen einen Hygieneschutz für Einkaufswagen. Das sogenannte Handle-Clean „Katrin“ schieben Kunden vor dem Einkauf über den Handgriff des Einkaufswagens und vermeiden so den direkten Kontakt mit der Oberfläche. Nach dem Einkauf lösen sie den Hygieneschutz und verstauen ihn in einem Kunststoffbeutel. Das Produkt lässt sich bei über 60 Grad in der Spülmaschine reinigen, möglicherweise daran haftende Viren werden beim Waschvorgang abgetötet.

2. Spectroplast: Personalisierte Beatmungsmasken aus dem 3D-Drucker

Das Start-up Spectroplast aus der Schweiz stellt Silikon-Designs mit einem 3D-Druckverfahren her. Fertig funktionsfähige Produkte können aus jedem handelsüblichen Silikon und ohne Verwendung von Gussformen hergestellt werden. Das erleichterte die Umsetzung der Corona-bedingten Idee, Dichtungen für Beatmungsmasken aus dem 3D-Drucker zu fertigen. Diese Dichtungen sind der individuellen Gesichtsform angepasst und kommen bei Intensivpatienten zum Einsatz. Auf Basis eines Handyvideos des Patienten kann Spectroplast die personalisierte Maske am Computer erstellen. So können auch Corona-Erkrankte, denen die Standardmasken nicht passen, optimal beatmet werden. Bis zu 50 Spezialdichtungen stellte das Unternehmen während der Hochzeit der Pandemie her.

3. Innseals Dichtungstechnik: Vielfältig einsetzbare Gesichtsschutzschilde

Die österreichische Firma Innseals Dichtungstechnik, normalerweise auf industrielle Dichtungstechnik spezialisiert, stellt wegen der Corona-bedingten Ausnahmesituation vielseitig einsetzbare Gesichtsschutzschilde her. Die Produktionskapazität lag im Mai 2020 bei mehr als 8.000 Kopfformen pro Tag. Abnehmer sind unter anderem Krankenhäuser, Pflegeheime, Praxen, Friseursalons und Kosmetikstudios.

4. Dichtungstechnik Wallstabe und Schneider: Kantine wird Nähsaal

Als die Kantine der Firma Dichtungstechnik Wallstabe und Schneider aus dem bayerischen Niederwinkling zu Zeiten der Kontaktbeschränkung nicht öffnen durfte, funktionierte das Unternehmen diese zu einem Nähsaal um. Dort stellten viele helfende Hände Zuschnitte für insgesamt 2.943 Schutzmasken aus Stoffen, Tischdecken und Bettwäsche her. Eine Hälfte wurde verschenkt, die andere Hälfte an die Mitarbeiter ausgegeben.