Kreuzfahrtschiffe sind in Hamburgs Hafen gern gesehene Gäste. Die Hamburger nehmen regen Anteil, wenn wieder einmal eines der gigantischen schwimmenden Hotels am Elbufer festmacht – wenn da nur nicht die Marinediesel-Emissionen wären, die die Schiffe während ihrer Liegezeiten verursachen. Denn auch im Hafen benötigen die Restaurants, Bars, Hotelzimmer und Schiffssysteme den Strom, den die Schiffsgeneratoren liefern.

Becker Marine Systems hat für dieses Problem eine Lösung parat: Eine besatzungslose Schwimmplattform, HUMMEL genannt, soll zukünftig eine emissionsärmere Stromversorgung auf Basis von Flüssiggas ermöglichen. Die HUMMEL ist gewissermaßen ein schwimmendes Kraftwerk und kann Kreuzfahrtschiffe durch den emissionsarmen Treibstoff LNG (Liquefied Natural Gas) umweltfreundlich mit Energie versorgen. Dabei werden keine Schwefeloxide und Rußpartikel mehr emittiert, auch der Ausstoß von Stickoxiden und Kohlendioxid verringert sich deutlich. Ihren offiziellen Betrieb wird die HUMMEL mit Beginn der Kreuzfahrtsaison im Frühjahr 2015 im Hamburger Hafen aufnehmen. „Wir wollen das umweltfreundliche Flüssigerdgas als Treibstoff für Schiffsantriebe etablieren“, heißt das ehrgeizige Ziel der beiden Geschäftsführer Dirk Lehmann und Henning Kuhlmann.

Quelle: Becker

Eine Million Tonnen CO2 eingespart

Auch mit weiteren Entwicklungen reduziert das Unternehmen bei Schiffen Treibstoffverbrauch und damit Energiekosten – und setzt so unternehmerisch auf den Aspekt der Nachhaltigkeit in der Schifffahrt. Schifffahrtsunternehmen in der ganzen Welt verwenden inzwischen seine Produkte: Bald werden beispielsweise twistierte Ruder auf den 18000- und 14000-TEU-Schiffen der United Arab Shipping Company (UASC) eingebaut. Im Gegensatz zu herkömmlichen Ruderblättern besitzt das twistierte Ruder keine gerade Vorkante, über die der Schiffspropeller das Wasser leitet, sondern der untere Teil ist leicht gedreht –„twisted“ – angeordnet. Dadurch kommt es nicht zum gefürchteten Materialabtrag wie bei herkömmlichen Schiffsruderanlagen. Auch die kanadische Reederei Seaspan Ship Management will die Becker-Innovationen auf seinen 10000- und 5100-TEU-Schiffen verwenden, in Kombination mit dem energiesparenden Düsenring „Becker Twisted Fin“. Dieser ist deutlich kleiner als vergleichbare Produkte und verfügt über ein spezielles, flaches Profil. Die von dem Becker Mewis Duct® bekannten Finnen im Inneren des Düsenringes werden über die Düse hinaus nach außen verlängert. Um eine Wirbelbildung mit Kavitation am Ende der Finnen zu verhindern, hat Becker spezielle Endkappen für die Finnen entwickelt – ähnlich den von modernen Flugzeugtragflächen bekannten Winglets. Der kleine Düsenring erzeugt Schub, sorgt für die Festigkeit der Finnen und verhindert Vibrationen.

Diese Energiespardüse kam bei langsameren Schiffen zum Einsatz, das neue Produkt wurde aufgrund starker Nachfrage von Reedereien für Containerschiffe und Schiffe, die schneller als 19 Knoten fahren, entwickelt. CFD-Berechnungen, Modellversuche und Testfahrten zeigen, dass diese Kombination eines „Becker Twisted Fin“ und dem Becker TLKSR twistiertem Ruder Einsparungen von bis zu fünf Prozent erzielt. Rechnet man die Einsparungen durch alle ausgelieferten Becker-Antriebssysteme zusammen, sind mittlerweile über eine Million Tonnen CO2 vermieden worden. Das Becker-Ruder hält seit Kurzem auch das weltgrößte Containerschiff (19000 Container) „CSCL Globe“ der Reederei China Shipping Container Lines (CSCL) auf Kurs.

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