Was Sie über das Pulverbeschichten wissen müssen

Wie funktioniert eine Beschichtung mit Pulver?

Das Prinzip der Pulverbeschichtung ist denkbar einfach: Üblicherweise wird dabei zunächst das spezielle Farbpulver nasschemisch vorbehandelt. Im nächsten Schritt werden die Teile des Farbpulvers und das zu beschichtende Werkstück entgegengesetzt statisch aufgeladen, um sich gegenseitig elektrisch anzuziehen. In der Praxis sieht das so aus, dass das Pulver meist in einer speziellen Sprühvorrichtung elektrisch geladen und das Werkstück geerdet wird. Durch diese Erdung entsteht ein elektrisches Feld, welches die geladenen Pulverteilchen auf das Werkstück zieht. 

Nach dem Beschichten des Werkstückes, wird die Oberfläche des Werkstückes in einem sogenannten „Trockner“ erhitzt, sodass sich die Farbe einbrennt und eine glatte Oberfläche entsteht. Meist geschieht dies bei Temperaturen zwischen 150 und 200 Grad Celsius. Den Gesamtvorgang des Einbrennens nennt man „Vernetzung“. Die Schichtdicke bei dieser Form des Pulverbeschichtens liegt bei ca. 80 µm.

Gibt es noch weitere Arten der Pulverbeschichtung?

Ja. Neben der elektrostatischen Pulveraufladung zählt die Pulverbeschichtung mit Flüssigkeitsbett zu den gängigsten Arten der Pulverbeschichtung. Bei diesem Verfahren bekommt das Farbpulver dank einer speziellen Drucklufttechnik „fluid-ähnliche“ Eigenschaften. Das zu beschichtende Werkstück wird stark erhitzt und in das fluidisierte Pulver getaucht. Durch die hohe Temperatur des Werkstücks schmilzt das Farbpulver und verbindet sich mit dessen Oberfläche. Das Verfahren kommt meist dann zum Einsatz, wenn eine besonders hohe Schichtdicke erzielt werden soll. 

Immer mehr an Bedeutung gewinnt die Verwendung von Pulverlack im Bereich der Bandbeschichtung (Coil Coating Verfahren). Im Gegensatz zu den beiden genannten, gängigsten Verfahren, bei denen einzelne Werkstücke bearbeitet werden, ermöglicht das Coil Coating Verfahren das ein- oder beidseitige Beschichten von flachen Stahl- oder Aluminiumbändern (Coils) im Durchlauf. Häufig kommen diese im Fassadenbau zum Einsatz, aber auch beim Bau von Haushaltsgeräten wie Waschmaschinen, Mikrowellen oder Kühlschränken. Die Beschichtung findet dabei direkt im Walzwerk statt, durch das die zu beschichtenden Bänder senkrecht oder waagerecht maschinell durchlaufen. Mit mehreren statischen Sprühpistolen wird dann gleichzeitig der Pulverlack auf die Bänder aufgetragen.

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Warum Pulverbeschichtung statt klassischer Nasslackierung?

Pulverbeschichtungen bieten viele Vorteile gegenüber klassischen Nasslackierungen. Sie schützen nahezu perfekt vor Korrosion, sind kratz- und schlagfest, chemikalienbeständig, witterungs- und abriebfest und sind vor allem im Nachhinein bis zu einem gewissen Grad biegsam. 

Außerdem ist die Farb- und Strukturauswahl riesig. Pulverbeschichtungen sind des Weiteren umweltverträglicher als Nasslackierungen, da keine Lösungsmittel zum Einsatz kommen und überschüssiges Pulver einfach recycelt werden kann. Weitere Argumente für Pulverbeschichtungen sind das Preis-Leistungsverhältnis und die guten Ergebnisse trotz der nur einschichtigen Bearbeitung.

Woraus genau bestehen Pulverlacke?

In ihrer chemischen Zusammensetzung ähneln Pulverlacke herkömmlichen Nasslacken. Sie bestehen aus Bindemitteln (für den Lackfilm), Additiven (für die Oberflächenbeschaffenheit), Farbmitteln und Füllstoffen (für z. B. mehr Volumen oder Mattierungen). Im Gegensatz zu den Nasslacken beinhalten Pulverlacke jedoch keine Lösungsmittel, und sind deshalb besonders umweltverträglich. Aus der Nähe betrachtet, bestehen Pulverlacke aus sehr kleinen, trockenen und körnigen Partikeln. Meist basieren diese auf Epoxid- oder Polyesterharzen. Es gibt aber auch – je nach Einsatzgebiet - viele modifizierte Harze. Die Partikelgröße und Rieselfähigkeit beeinflussen stark das Verhalten des Pulverlacks beim Beschichtungsvorgang. Alle Pulverlacke zeichnen sich dadurch aus, dass sie bei ca. 50 Grad Celsius beginnen zu schmelzen.

In welchen Bereichen kommen Pulverbeschichtungen zum Einsatz?

Pulverbeschichtungen kommen in vielen Bereichen der Oberflächenbearbeitung vor. Pulverlacke machen ca. 10% am gesamten Lackmarkt aus. Im Maschinenbau werden z. B. Gehäuse, Verkleidungsbleche, Gussteile, Gewinde, Bohrungen und sogar Federn beschichtet. 

Im Bauhandwerk schützen Pulverbeschichtungen Dachrinnen, Feuerschutztüren und Säulen vor Korrosion, aber auch Briefkästenanlagen, Kabelkanäle oder verschiedenste Formen von Blechen. 

In der Möbelindustrie wird die Pulverbeschichtung u. a. für Möbelfüße und –griffe genutzt, aber auch für Tischgestelle, Stühle, Lampen, Bettgestelle oder Gartenmöbel. 

Auch in der Automobilindustrie wird häufig mit Pulver beschichtet, z. B. beim Beschichten von Innenraumteilen, aber auch Motorhalterungen, Abdeckungen, Halteblechen, Achsen oder Gepäckträgern. Auch sind viele Alufelgen heutzutage pulverbeschichtet. 

Und weil Pulverbeschichtungen eine hohe Lebensmittelechtheit, chemische Beständigkeit und hervorragende Reinigungseigenschaften aufweisen, findet man sie überall im Küchenbereich und in Krankenhäusern – vom Küchengerät bis hin zum Röntgenbildbetrachter.