Moderne Fußbälle sind Hightech-Produkte

Ideale Flugeigenschaften, optimaler Härtegrad, Belastbarkeit: Ein moderner EM-Fußball muss höchsten Ansprüchen genügen. Die Zeiten, in denen von einem Profiball Geringeres verlangt wurde als Perfektion, sind lange verstrichen. Zu wichtigen Turnieren werden die Eigenschaften entsprechender Bälle im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit diskutiert und kritisiert. Mit früheren WM- und EM-Bällen gingen Profifußballer dabei zum Teil hart ins Gericht. 

Damit der EM-Ball „Beau Jeu“ auch höchsten Qualitätsansprüchen genügt, wurden daher verständlicherweise weder Kosten noch Mühen gescheut. Die Wahrheit ist: Der kleine Ball vereint in sich so viel Hightech, wie man es vielleicht von einem modernen Smartphone vermuten würde! 

Schicht auf Schicht: So raffiniert ist die Hülle des „Beau Jeu“

Von außen sieht der „Beau Jeu“ aus wie ein gewöhnlicher Fußball. Die ausgereifte Technik, die in dem unscheinbaren EM-Modell steckt, entzieht sich hingegen den Blicken der Fußballfans. Allenfalls Experten erkennen: Wabenzahl und -aufbau des EM-Balls entsprechen nicht denen klassischer Fußbälle – und das aus gutem Grund. Eine geringere Zahl strukturgleicher Waben vereinfacht die Produktion des Balls. Geübte Augen vermissen bei der Betrachtung des Fußballs zudem jegliche Nähte. Der Grund: Moderne Fußbälle werden schon seit Langem verklebt. Das verbessert die aerodynamischen Eigenschaften und sorgt zugleich für eine höhere Schusspräzession. Zugleich wird auf diese Weise das Eindringen von Wasser zu nahezu 100 Prozent verhindert. Ein wichtiger Punkt, denn mit Wasser vollgesogene Bälle können bei Kopfbällen zu Verletzungen führen! Bei der Entwicklung des „Beau Jeu“ kam hierbei das moderne Heißklebeverfahren „Thermal Bonding“ zum Einsatz. 

Dass die Hülle aus insgesamt fünf Schichten – hergestellt aus verschiedenen Hightech-Materialien – besteht, sieht man dem EM-Fußball aber beim besten Willen nicht an. Die äußerste Schicht ist so konzipiert, dass die aufgedruckten Dekoelemente über lange Zeit erhalten bleiben und nicht durch Beanspruchung abgerieben werden. Die darunterliegenden Schichten stellen indes die herausragenden Eigenschaften des Balls sicher. Der verwendete Polyurethan-Schaum etwa sorgt für das erstklassige Flugverhalten des „Beau Jeu“. Als Trägermaterial dient ein spezielles Polyester-Baumwoll-Gewebe. 

Roboterfuß ermöglicht Feinabstimmung in der Entwicklung

Bis die Entwicklung eines neuen EM-Fußballs abgeschlossen ist, muss dieser unzählige Tests und Feinanpassungen über sich ergehen lassen. Und wie testet man einen Fußball am besten? Natürlich, indem man mit ihm so viele Schüsse wie möglich durchführt – aus unterschiedlichen Positionen versteht sich. Durch dieses Trial-and-Error-Verfahren können die Eigenschaften des Balls sukzessive nach den Wünschen der Entwickler angepasst werden. 

Das Problem: Verwertbar sind die Ergebnisse nur, wenn exakt die gleichen Schüsse beliebig oft wiederholt werden können. So erfahren ein menschlicher Fußballspieler auch sein mag, er wäre niemals in der Lage, einen Ball mehrmals hintereinander im genau gleichen Winkel und mit derselben Geschwindigkeit zu treffen. Für die zur Standardisierung durchgeführten Testschüsse hat adidas daher eigens einen Roboterfuß entwickelt. Dieser ist imstande, denselben Schuss beliebig oft zu wiederholen. 

Bis der EM-Fußball „Beau Jeu“ das qualitative Maß erreicht hatte, mit dem er in der Europameisterschaft 2016 eingesetzt wird, hat er unzählige dieser standardisierten Roboterschüsse hinter sich gebracht. 

Qualitätssicherung bei adidas: Mit Highspeed gegen die Stahlwand

Während eines Profifußballspiels ist ein Fußball hohen Belastungen ausgesetzt. Die ausgereifteste Technologie nützt nichts, wenn der EM-Fußball seine guten Spieleigenschaften schon nach einigen kräftigen Schüssen zu verlieren beginnt. Aus diesem Grund müssen Fußbälle strenge Belastungstests bestehen, um von der FIFA zugelassen zu werden. 

Bei adidas übernimmt die Qualitätssicherung derselbe Roboterfuß, mit dessen Hilfe auch die Daten zur Verbesserung der Flugeigenschaften ermittelt werden. Im sogenannten „Shooter-Test“ wird der neu entwickelte Fußball mit einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern gegen eine Stahlplatte geschossen. 3500-mal wird diese Prozedur wiederholt. Nur wenn sich danach keine Ermüdungserscheinungen beim Material zeigen, gilt der Ball als tauglich für Profifußballspiele. Obligatorisch für die Zulassung sind laut FIFA übrigens „nur“ 2000 dieser Shooter-Tests. 

Der Trend zum Hightech-Fußball dürfte sich fortsetzen

Die Herstellung von Profifußbällen ist ein echter Hightech-Prozess. Die vielen Arbeitsstunden, die in dem „Beau Jeu“ stecken, sieht man dem unscheinbaren EM-Fußball nicht an – geschweige denn dessen ausgereifte Technologie. Man darf gespannt sein, ob es adidas gelingt, die Eigenschaften der hergestellten Profifußbälle für künftige Turniere noch weiter zu verbessern.