Der Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) wurde im Jahr 2004 gegründet – auf Initiative der Umweltschutzorganisation World Wildlife Fund (WWF). Wir haben mit Expertin Ilka Petersen, Referentin Landnutzung und nachhaltige Biomasse beim WWF Deutschland, über die Thematik Palmöl und RSPO gesprochen.

Frau Petersen, was genau garantiert das RSPO-Siegel?

Bei der Zertifizierung wird von einem unabhängigen Auditor überprüft, ob die sieben Prinzipien und 41 Kriterien des RSPO eingehalten werden, die ökologische und soziale Themen umfassen. Dazu gehören zum Beispiel ein Verbot der Umwandlung von wertvollen Naturflächen wie Regenwald, und zwar seit 2005, der Schutz von bedrohten Arten, ein – neu durchgesetztes – Verbot des Einsatzes von hochgefährlichen Pestiziden, die Umwandlung von Torfböden jeglicher Tiefe, Beachtung von Landnutzungsrechten, Arbeitsschutz, das Recht auf die Bildung einer Gewerkschaft, Verbot von Kinderarbeit und vieles mehr.

Worin sehen Sie die Vorteile des RSPO-Siegels für Unternehmen?

Viele Unternehmen kaufen Palmöl oder Palmkernöl auf dem Weltmarkt ein, ohne zu wissen, unter welchen zum Teil desaströsen ökologischen und sozialen Bedingungen dies hergestellt wurde. Auch in Deutschland sind noch 45 Prozent des importierten Palmöls im freiwilligen Markt nicht zertifiziert. Diese Unternehmen überprüfen nicht, ob Mindeststandards wie ein Verbot der Rodung von Regenwald oder Landrechte eingehalten wurden. Der RSPO schafft Transparenz und ermöglicht es auch, in direkten Dialog mit den Produzenten zu treten. Der RSPO ist freiwillig, alle sitzen an einem Tisch und müssen sich auf gemeinsame Kriterien verständigen. 
 

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„Viele Unternehmen kaufen Palmöl oder Palmkernöl auf dem Weltmarkt ein, ohne zu wissen, unter welchen zum Teil desaströsen ökologischen und sozialen Bedingungen dies hergestellt wurde.“

Ilka Petersen, WWF Deutschland

 

Wie ist das RSPO-Siegel entstanden?

Der RSPO ist aus der Not heraus entstanden. Der großflächige Anbau in Palmölplantagen boomt seit den 1990er-Jahren, und die Regierungen sowohl in den Produktionsländern als auch in den Käuferländern hatten dem nichts entgegengesetzt. Immer mehr Wald verschwand. Deshalb haben sich damals die Zivilgesellschaft, Unternehmen und Produzenten zusammengetan. Es wurde und wird versucht, eine politische Lücke mit Freiwilligkeit zu schließen und möglichst viele mit ins Boot zu holen. Mittlerweile sind rund 20 Prozent der Weltproduktion RSPO-zertifiziert. Was im Umkehrschluss heißt, 80 Prozent sind es nicht. Wir brauchen also dringend die Politik und verpflichtende Nachhaltigkeitskriterien, die für alle gelten müssen.

Wer braucht die Zertifizierung?

Aus meiner Sicht jedes Unternehmen, das Palmöl einsetzt oder Produkte mit Palmöl kauft oder verkauft. Noch besser ist es unserer Ansicht nach, über die RSPO-Zertifizierung hinauszugehen, Bio-Palmöl einzusetzen oder direkte Lieferketten mit Kleinbauern aufzubauen. Aber das macht bisher leider nur eine Minderheit. Der Biobereich ist auch bei Palmöl Vorreiter und macht tolle Projekte, wie Palmöl in dynamischen Agroforstsystemen. Der konventionelle Bereich muss unbedingt nachziehen.

Wie sieht der Zertifizierungsablauf aus?

Bei neuen Plantagen muss als erstes ein HCV-Gutachten (High Conservation Value) erstellt werden. Dafür gibt es zugelassene Gutachter, die diese Bewertung auf der Fläche vornehmen. Wenn bei dieser Bewertung zum Beispiel das Nest eines Orang-Utans gefunden wird, ist das ein Indikator dafür, dass die Fläche nach RSPO-Regeln geschützt werden muss. Im Audit, zum Beispiel durch den TÜV, wird auch geprüft, ob Landrechte beachtet wurden, wie Pestizide gelagert werden, dass Arbeitsrechte eingehalten werden und Arbeitsschutzmaßnahmen existieren.  

Wie lange ist die Zertifizierung gültig? Und finden in dieser Zeit Prüfungen statt, ob alle gesetzten Standards eingehalten werden?

Die Zertifizierung gilt für fünf Jahre. Sie wird einmal im Jahr kontrolliert.

Können Sie etwas zur Entwicklung des weltweiten Palmölbedarfs sagen?

Grundsätzlich steigt der Palmölbedarf weltweit kontinuierlich. Mittlerweile werden auf circa 19 Millionen Hektar 65 Millionen Tonnen Palmöl produziert. Drei der Hauptursachen für das Wachstum:
 


Eine letzte Frage: Viele Umweltverbände meinen, dass die Verbraucher mit dem RSPO-Siegel nur beruhigt werden sollen, im Grunde aber nicht viel dahintersteckt. Wie stehen Sie zu solchen Aussagen?

Der RSPO ist für uns ein Mindeststandard, der sich gerade im vergangenen Jahr enorm weiterentwickelt hat. Es wurden neue, strengere Kriterien aufgenommen, die Umweltverbände lange eingefordert hatten, wie das Verbot der Umwandlung von Torf jeglicher Tiefe sowie anderer Flächen mit hohem Kohlenstoffgehalt und ein Verbot hochgefährlicher Pestizide. Wenn diese jetzt auch in die Tat umgesetzt werden, sind wir einen großen Schritt weiter. Viele Unternehmen nutzen die Diskussion leider aus, um gar nichts im Bereich Palmöl zu machen. Sie nutzen Palmöl, das nach keinem Standard überprüft wird. Oder ein anderes Öl wie Soja oder Kokos, ohne Nachhaltigkeitskriterien einzufordern, um der Kritik aus dem Weg zu gehen. Aber andere Öle sind ja nicht per se nachhaltiger.

Frau Petersen, vielen Dank für das Interview!