Urlaubslandschaft

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Vom Tagebau zur Urlaubslandschaft

Statt Braunkohle wird in dieser Region jetzt Naherholung gefördert. Wie sich ein geschundenes Industriegebiet zum Tourismusmagneten entwickeln konnte, zeigt das Leipziger Neuseenland. Stadt und Natur wurden hier auf gelungene Weise miteinander verbunden.

 Wo sich bis zur Wende gigantische Schaufelradbagger durch die Landschaft frästen, um Braunkohle abzubauen, wird mittlerweile inmitten von Grün gepaddelt, gebadet oder spazieren gegangen. Nachdem der Tagebau größtenteils eingestellt worden war, wurden die dem Abbau geschuldeten sogenannten Restlöcher in der Landschaft mit Regen-, Grundwasser und Wasser aus Flüssen wie Saale oder Elster geflutet, und im Laufe der 1990er-Jahre entstand ein Verbund von elf Seen: das Leipziger Naherholungsgebiet Neuseenland – eine neue Tourismusregion.

 Die Übernachtungszahlen steigen

Nicht zuletzt durch diese Landschaftsbaumaßnahmen hat die Region um Leipzig enorme touristische Schubkraft erfahren. Seit 2003 sind die Übernachtungszahlen im Neuseenland um über 50 Prozent auf 667.000 angestiegen, auch in diesem Jahr geht der Trend aufwärts: Allein im ersten Halbjahr wurden rund 5.000 gewerbliche Übernachtungen gezählt.

 Und das nicht von ungefähr. Denn alle touristischen Initiativen sind mit einer Marketingstrategie abgestimmt, die verschiedene Angebote miteinander kombiniert. Warum, so die Idee, einen Urlaub in einer der drei sächsischen Regionen Heideland, Burgenland oder eben Neuseenland nicht mit einem Städtetrip verbinden und damit einen touristischen Mehrwert für alle Beteiligten erzielen?

 Das Neuseenland steht in diesem Konzept für eine junge, moderne und naturnahe Wasserlandschaft. „Wir sind in der Lage, natürliche Fließwasser- und Seenlandschaften mit den kulturellen Angeboten einer Großstadt zu verbinden“, sagt Projektmanagerin Daniela Kuhnert von Leipzig Tourismus und Marketing. „Das ist etwas Besonderes in Deutschland.“

 Für dieses Angebot hat man sich einiges einfallen lassen: Segeln, Surfen oder Wakeboarden sind möglich – sogar Wildwasserrafting. Im Kanupark am Markkleeberger See erwartet die Kanuten eine Slalomstrecke, auf der internationale Spitzensportler trainieren – aber auch Freizeitsportler dürfen sich hier an den Stromschnellen ausprobieren. Motorsportfreunde können das ehemalige Tagebaugebiet per Quad erkunden, Familien sich im größten Vergnügungspark Ostdeutschlands, im „Belantis“ südlich von Leipzig, amüsieren. Viele Aktivitäten lassen sich auf dem Wasserweg miteinander verbinden. Zum Beispiel auf der befahrbaren Wasserroute aus Leipzigs Innenstadt heraus zum Cospudener See.

 Und die Region eignet sich nicht nur für Aktivurlauber, sondern hat auch Geschichtsinteressierten einiges zu bieten. Zum Beispiel Burg Gnandstein mit der Wehranlage aus romanischer Zeit. Folgenreich für die Geschicke Europas war die Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813, in der die verbündeten Russen, Preußen, Österreicher und Schweden Napoleons Vorherrschaft in Europa beendeten. An die Waffengänge unter Hunderttausenden erinnern das Denkmal im Südosten Leipzigs und jährliche Veranstaltungen an den historischen Schauplätzen.

 Für jeden das passende Angebot

Und für die Kombi-Idee „Urlaub mit Großstadtflair und in einer Aktivregion“ hat die Leipziger Tourismus und Marketing GmbH noch mehr Ideen entwickelt. Speziell für das Neuseenland leitet sie drei Produktlinien und Marketingthemen ab: „Kultur und Genuss“ steht für Bergbau- und Industriekultur und die Museen, die sich mit den Ereignissen rund um die Völkerschlacht bei Leipzig beschäftigen; die Produktlinie „Wasser und Vital“ fördert die Fahrgastschifffahrt und den Wassersport; mit „Aktiv und Natur“ gibt es Angebote rund um Radfahren, Klettern und Wandern. Das gemeinsame Marketing von Stadt und Region wird auf Messen verbreitet sowie über die sozialen Netzwerke.

 Damit, so Tourismusmanagerin Daniela Kuhnert, ist das Neuseenland praktisch die ideale Urlaubsregion für jeden: „Wir haben passende Angebote für Familien und Aktivurlauber, aber auch für Kurzreisende und für Schulklassen.“


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Der Cospudener See… 

… gilt als „die Badewanne Leipzigs“ 

Wie alles begann ….

… 1974 wird Cospuden (zuletzt: 38 Einwohner), Ortsteil von Markkleeberg südlich von Leipzig, zugunsten des Tagebaus Zwenkau abgebrochen.

… 1981: Die Kohleförderung beginnt.

… 1987: Das mit über fünf Millionen Tonnen Braunkohle maximale Förderniveau wird erreicht.

… 1992: Die Kohleförderung wird beendet.

… 1993 – 2000: Das Restloch-Gebiet wird geflutet und als EXPO-Projekt der Öffentlichkeit übergeben.

… Heute ist der See 4,4 Quadratkilometer groß und maximal 54 Meter tief. 

Quelle: Regionaler Planungsverband Westsachsen