Gitta Haupold - Silicon Saxony

Quelle: BLEND3 Frank Grätz

Digitalisierung des Mittelstandes

Silicon Saxony – Die sächsische Industrie im Zeitalter der Digitalisierung 

»Wir leben den digitalen Wandel. Sachsen ist schon vorn.« sagt Gitta Haupold. Aber sie möchte erreichen, dass alle Unternehmen im Land innovativ, digital und international aufgestellt sind.

Frau Haupold, »Silicon Saxony« heißt Ihr Branchennetzwerk. Der Name ist eine Anspielung auf das Silicon Valley in Kalifornien – der Wiege der IT- und Hightech-Industrie. Ist Sachsen ein Hightech-Land? 

Gitta Haupold: Den Namen haben wir bewusst so gewählt. Die Voraussetzungen, damit sich Technologiefirmen hier ansiedeln konnten, sind gut. Aber wir haben bereits eine Tradition darin. Als wir uns Ende 2000 gegründet haben, gab es hier mit Siemens, Infineon und AMD große Halbleiterproduzenten. Sie haben eine Sogwirkung entwickelt, die in der Folge viele Mittelständler aus diesem Bereich angezogen haben. Außerdem bildete das Mikroelektronik-Pilotforschungsunternehmen ZMD schon zu DDR-Zeiten einen Nukleus hier in Dresden. Nach der Wende standen der Chipindustrie 2.000 bis 3.000 Arbeitskräfte zur Verfügung.

»Mastering the Digital Change« lautete das Motto des letzten Branchentreffens. Ist es das Thema der Zukunft?

Auf jeden Fall. Unsere Firmen bringen mit ihren Produkten und Dienstleistungen diese Ideen auf den Markt mit ein. Es gibt hoch digitalisierte und automatisierte Fabriken. Man kann sagen, hier wird der digitale Wandel bereits gelebt.

In welchen Bereichen können gerade sächsische Firmen im Internetzeitalter punkten?

Für digitale Prozesse braucht man passende Software, mit der die Menschen und die Maschinen untereinander kommunizieren können. Alle sind mit allem über das Internet verbunden. Das meinen die Begriffe Internet der Dinge und Industrie 4.0. Das Know-how dafür haben wir in Sachsen. Nur hier werden die nötigen Mikrochips in dieser Größenordnung produziert.

Warum tun sich Mittelständler besonders schwer mit dem Wandel?

 Wir haben in einer Umfrage herausgefunden, dass die Digitalisierung zwar zunimmt, Treiber sind aber die Kunden. Sie zwingen die Firmen, ihren Grad der Digitalisierung zu erhöhen, und das ist erforderlich. Häufig ist der Firmenchef eines klassischen Zulieferbetriebs in der Mikroelektronik ein Maschinenbauer, der nichts von Software versteht. Ihnen wollen wir helfen, sie aufklären und informieren. Dazu bieten wir zu diesen Themen Vorträge an oder liefern Best-Practice-Bespiele. 

Quotation mark

Wir helfen Unternehmen, internationale Märkte zu erobern.

Was bieten Sie den Unternehmen, die zu Ihnen kommen, noch?

Wir sind zunächst mal eine Informations- und Kommunikationsplattform. Aber wir helfen Unternehmen, internationale Märkte zu erobern. Wir sind auf Messen vor Ort vertreten und bieten Unternehmerreisen an – wir waren in Singapur, als Nächstes fahren wir nach Taiwan. Die Unternehmen können sich anschließen und praktisch ein Rundum-sorglos-Paket buchen. Wir helfen Firmen aber auch bei der Fachkräfte-Rekrutierung an den Hochschulen. 

Sie sehen sich als Vermittler zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Haben Sie ein Beispiel, wie solche Kooperationen gut gelingen?

Beispielsweise in der Wissens- und Technologieförderung. Wir koordinieren 60 Energieeffizienz-Projekte. Als Nächstes wollen wir verstärkt Projekte fördern, die sich auf der Grenze zwischen zwei Branchen befinden. Wir denken dabei an Biotechnologie und Mikroelektronik. 

Welches sind die größten Entwicklungs- und Investitionshemmnisse?

Hier in Sachsen müsste es noch mehr große Unternehmen geben. Sie würden eine neue Wachstumswelle auslösen wie damals nach der Wende.

Sind Sie schon einmal ins Silicon Valley gereist, um neue Entwicklungen aufzuspüren?

Wir sind jährlich dort auf der Semicon West-Messe in San Francisco zusammen mit der Wirtschaftsförderung Sachsen. Und ich habe schon mal die Firma Intel besucht und mich dort inspirieren lassen.


Frau Haupold, wir bedanken uns für das spannende Interview und Ihre Zeit.

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