Was ist eine ABC-Analyse?

Die ABC-Analyse ist ein Instrument zur Schwerpunktbildung und Prioritätensetzung in Unternehmen. Sie ermöglicht es, wesentliche von unwesentlichen Produkten, Leistungen und Aufgabenbereichen eines Unternehmens abzugrenzen.

Eine ABC-Analyse schafft Klarheit über die Unternehmensbereiche mit einer hohen und geringeren wirtschaftlichen Bedeutung. Damit liefert die Analyse eine wichtige Entscheidungsgrundlage für unternehmerisches Handeln.

Geschichte der ABC-Analyse

Der renommierte italienische Ökonom Vilfredo Pareto (1848 bis 1923) stellte fest, dass in nahezu jeder Gesellschaft rund 80 Prozent des Reichtums auf 20 Prozent der Bevölkerung verteilt sind. Dieses Prinzip wurde international als Pareto-Prinzip oder auch 80:20-Regel bekannt.

In den 1950er-Jahren entwickelte H. Ford Dickie, Manager bei General Electric, das Pareto-Prinzip zur ABC-Analyse für die Materialwirtschaft weiter. Ihr liegt die Erkenntnis zugrunde, dass ein relativ geringer Ressourceneinsatz für die wichtigsten Aufgaben stärker zum Erfolg beiträgt als ein hoher Einsatz für unwichtigere Dinge.

Anwendungsgebiete und Ablauf

Die ABC-Analyse kommt aufgrund ihrer leichten Anwendbarkeit und der einfach darzustellenden Ergebnisse in vielen Bereichen zum Einsatz, in der Absatzwirtschaft beispielsweise zur Optimierung von Kundenbeziehungen. Hier hilft die ABC-Analyse, Produkte und auch Kunden zu analysieren. Dafür werden die Produkte oder Kunden zunächst aufgelistet, nach einem oder mehreren Kriterien sortiert und anschließend anhand ihres Anteils am Gesamtumsatz klassifiziert.

In der Material- und Lagerwirtschaft spielt die ABC-Analyse vor allem hinsichtlich der Bestandsoptimierung und damit verbunden mit der Optimierung der Beschaffungspolitik eine Rolle. Es geht in erster Linie darum, Materialpositionen, Umsatzwerte von Lieferanten sowie Bestellungen und Entnahmehäufigkeiten zu analysieren. Genau wie in der Absatzwirtschaft werden dafür zunächst sämtliche Lieferanten oder Materialien aufgelistet, danach sortiert und anschließend gemäß ihrer Wertigkeit in die Kategorien A, B oder C eingeteilt.

Die Festlegung der Kategoriegrenzen hängt von der Zielsetzung jedes Unternehmens ab. Grundsätzlich zeichnen sich A-Teile aber dadurch aus, dass sie einen relativ hohen Wertanteil (ca. 70 bis 80 Prozent) und einen geringen Mengenanteil haben (ca. 10 bis 20 Prozent). B-Teile zeichnen sich dadurch aus, dass sie in etwa einen „mittleren“ Wertanteil von 10 bis 25 Prozent haben und einen Mengenanteil von rund 10 bis 40 Prozent. C-Teile hingegen sind nach der ABC-Analyse klassifizierte Waren, die einen relativ niedrigen Wertanteil (ca. 5 bis 10 Prozent), aber einen hohen Mengenanteil haben (ca. 50 bis 70 Prozent). Typische C-Teile sind beispielsweise Schrauben und Muttern.
 

ABC-Analyse: C-Teile Schrauben

Ein gängiges Beispiel für C-Teile sind Schrauben. (Foto: Unsplash/Ben Lodge)
 

A-, B- und C-Kategorien unterschiedlich behandeln

Anhand der Ergebnisse der ABC-Analyse können Unternehmen beispielsweise die Kosten ihrer Lagerhaltung senken, indem sie für die A-, B- und C-Produkte unterschiedliche Lieferbereitschaften definieren. Produkte der Kategorie A (hohe Betreuung) sollten bei Bestellung und Bestandsüberwachung besonders gründlich vorbereitet und die Abrufmengen geringgehalten werden.

Bei Produkten der Kategorie B (normale Betreuung) ist keine aufwendige Bestandsplanung erforderlich. Und bei Kategorie-C-Produkten (vereinfachte Betreuung) genügen eine einfache Bestellabwicklung (zum Beispiel telefonisch) und auch eine vereinfachte Lagerbestandsüberwachung.

Fazit

Die ABC-Analyse ermöglicht die Analyse relativ komplexer Sachverhalte mit einem vertretbaren Aufwand durch die Beschränkung auf die wesentlichen Faktoren. Sie ist einfach und flexibel einsetzbar und hilft, überflüssigen Aufwand für unwichtige Dinge zu vermeiden. Allerdings spiegelt eine ABC-Analyse nur einen Ist-Zustand wider. Unternehmen müssen selbst entscheiden, welche Handlungsanweisungen daraus erfolgen.