Ein entscheidender Grund für die Zurückhaltung ist der Mangel an Ressourcen und Know-how im globalen Einkauf. Denn die Anforderungen für eine erfolgreiche Nutzung internationaler Zulieferer sind hoch. „Global Sourcing geht weit über das 'Importieren' von Waren hinaus, es beinhaltet die systematische Analyse und Nutzung des weltweiten Beschaffungsmarktes“, verweist Studienleiter Prof. Holger Müller auf die notwendigen Fähigkeiten für den globalen Einkauf. 

Diese Gefahren lauern beim globalen Einkauf

Er beschreibt damit ziemlich treffend das Problem kleiner und mittlerer Unternehmen – sie verfügen nicht über die Mittel, das Personal und die Zeit, um sich mit einer derart komplexen Materie zu beschäftigen. Dazu kommen erhebliche Risiken, die sich nur durch Erfahrungen und gute Kontakte minimieren lassen. Außerdem bestehen grundsätzliche Schwierigkeiten. Beispielsweise können hohe Transportkosten, Wechselkursschwankungen oder Zölle den vermeintlich günstigen Einkaufspreis so verteuern, dass die gesamte Beschaffung zum Verlustgeschäft wird.

Doch es lauern noch weitere Gefahren. So kann etwa die Finanzierung aus unterschiedlichen Gründen scheitern. Etwa, weil politische oder wirtschaftliche Instabilität im Lieferland nur schwer einzuschätzen ist und sich daraus Risiken im Zahlungsverkehr ergeben. Verlängerte Lieferzeiten, mangelhafte Qualität oder ein kompletter Lieferausfall sind weitere Risiken im internationalen Warenaustausch. Aber auch Sprachbarrieren und unklare Rechtslagen können zu Problemen in der Zusammenarbeit zwischen Auftraggebern und Lieferanten führen. Also, was tun? 

Verbünden Sie sich mit erfahrenen Unternehmen!

Für viele KMU sind die Voraussetzungen für Global Sourcing als Einkaufsstrategie sehr hoch und die verhaltene Nutzung deshalb nachvollziehbar. Das bedeutet aber nicht, dass sich die Vorteile der Globalisierung nicht nutzen ließen. Im Grunde genommen gibt es einen einfachen Weg für jedes Unternehmen, sich die günstigsten internationalen Lieferanten zu erschließen. Das Zauberwort heißt 'Kooperation'! Dahinter steckt ein klarer Gedanke: Sie sind als Unternehmen nicht alleine, andere stecken in derselben Situation und gemeinsam lassen sich Anforderungen erfüllen, die alleine nicht zu stemmen sind. 

Klar ist, dass Sie direkte Konkurrenten wohl kaum in eine Kooperation einbeziehen wollen. Aber wie wäre es, nach Partnern mit einem ähnlichen Bedarfsprofil zu suchen? Fast alle Maschinenbau-Unternehmungen brauchen Antriebselemente, Steuerungssysteme oder sonstige Maschinenelemente. Über die Verbände, zum Beispiel dem VDMA oder dem VDW, lassen sich Partner für den gemeinsamen Einkauf finden. Gute Kontakte lassen sich auch im Rahmen von Fachmessen oder Kongressveranstaltungen gewinnen. Global Sourcing bietet dabei noch eine völlig andere Komponente: Der Blick in andere Länder dient auch dazu, lokal die besseren Einkaufskonditionen zu erschließen. Die Kenntnis anderer Märkte und Anbieter kann ja interessante Aspekte für Preisverhandlungen mit den heimischen Anbietern hervorheben. Oder es lassen sich Erkenntnisse über neue Kundenpotenziale gewinnen. 

Global Sourcing bietet dabei noch eine völlig andere Komponente: Der Blick in andere Länder dient auch dazu, lokal die besseren Einkaufskonditionen zu erschließen. Die Kenntnis anderer Märkte und Anbieter kann ja interessante Aspekte für Preisverhandlungen mit den heimischen Anbietern hervorheben. Oder es lassen sich Erkenntnisse über neue Kundenpotenziale gewinnen.

Erfolg mit Arbeitsgemeinschaften und Systempartnern 

Im Rahmen von größeren Projekten entstehen Systempartnerschaften. Sie können solche arbeitsteiligen Projekte gut für gemeinsam geführte Einkaufsaktivitäten nutzen. Der Aufbau von Produktionslinien, zum Beispiel in der Automobilindustrie oder bei Herstellern von Massenartikeln, setzt häufig intensive Zusammenarbeit voraus. Die Kooperation lässt sich auf gemeinsame Aktivitäten im Einkauf übertragen. Der Vorteil dabei wäre die Verbreiterung der Wissens- und Erfahrungsbasis. Beispielsweise wäre es möglich, unterschiedliche Anforderungen bei Produkten der Antriebstechnik – Elektromotoren, Getrieben, Steuerungseinrichtungen – aufeinander abzustimmen oder zu ergänzen. Dies würde den Bedarf erweitern und wäre eine gute Grundlage für bessere Liefer- und Zahlungsbedingungen bei den gemeinsam genutzten Lieferanten. 

Ein weiterer Vorteil wäre eine Verteilung der personellen Möglichkeiten. Ist erst einmal eine Vertrauensbasis entstanden, könnten die Aufgaben unter den Kooperationspartnern arbeitsteilig organisiert werden, was einerseits die Wissensbasis verbreitert und andererseits personelle Entlastung verspricht. 

Dass derartige Kooperationsbestrebungen von großem Vorteil sein können, belegen die großen Automobilhersteller oder die Hersteller von IT-Produkten. Sie kaufen gemeinsam ein, nutzen teilweise dieselben Zulieferer oder Systempartner. Voraussetzung für eine so weit gehende Zusammenarbeit sind klare vertragliche Regelungen. Dass selbstbewusste Konkurrenten aus wirtschaftlichen Gründen ihre Bedenken überwinden und dann jahrelang erfolgreich zusammenarbeiten, zeigen etwa die Automobilhersteller im Bereich der Motorenproduktion. Nicht nur, dass austauschbare Baugruppen-Systeme entwickelt werden, die Hersteller tauschen auch komplette Aggregate untereinander aus. 

Eine Checkliste für das Global Sourcing

Vor allem die großen Konzernunternehmen mit internationaler Erfahrung nutzen heute Global Sourcing als strategische Ressource. Kleine und mittlere Unternehmen halten sich aus unterschiedlichen Gründen zurück, fühlen sich aber mehrheitlich den Anforderungen des globalen Warenaustausches nur unzureichend gewappnet. Da jedoch auch der Wettbewerb internationalisiert wird, ist es sinnvoll, die eigenen Defizite und Versäumnisse zu überwinden. Nachfolgend finden Sie eine Checkliste, die beim Erschließen neuer Lieferanten und Märkte helfen soll. 

Checkliste: Global Sourcing für Ihr Unternehmen

  1. Sind Sie mit der aktuellen Art und Weise des Einkaufs und der Beschaffung zufrieden?
  2. Was möchten Sie, was sollte das Unternehmen ändern?
  3. Welche Prioritäten haben Sie im Einkauf?
    • Preisgestaltung
    • Qualität
    • Verfügbarkeit, Verlässlichkeit
  4. Haben Sie / hat das Unternehmen Erfahrung im internationalen Einkauf?
  5. Hat das Unternehmen internationale Kooperationspartner / Kunden?
  6. Wie pflegen Sie / wie pflegt das Unternehmen Kontakte ins Ausland?
    • Kontaktpflege auf persönlicher Ebene
    • Vielfältige Kontaktpflege
    • Institutionalisierte Unternehmenskontakte
  7. Welche Befürchtungen haben Sie / bestehen im Unternehmen in Bezug auf Global Sourcing?
    • Überforderung und unzureichende Kenntnisse und Fähigkeiten
    • Unsicherheit bei der Partnerwahl
    • Ungewollter Technologietransfer und Plagiate
  8. Haben Sie / hat das Unternehmen schon einmal Beratung in Sachen Global Sourcing in Anspruch genommen?  
     

Die gerade entstehenden oder bereits in Kraft getretenen Freihandelsabkommen (USMCA) werden den Strom der Waren weltweit verändern. Dies ist ein entscheidender Grund, sich mit Global Sourcing zu beschäftigen, auch wenn Sie heute noch nicht daran denken, Waren aus fernen Ländern zu beziehen. In jedem Fall lohnt es sich, über die Möglichkeiten und Potenziale nachzudenken.