E-Procurement: Zeit, Gas zu geben

Wer seine Prozesse heute im Einkauf verbessern möchte, kommt langfristig nicht an E-Procurement und E-Tools vorbei. Doch deutsche Unternehmen müssen bei der Digitalisierung ihrer Basisprozesse Gas geben. Vor allem Mittelständler tun sich mit E-Procurement, mit der Implementierung digitaler Arbeits- und Produktionsprozesse in die Lieferkette, noch schwer. So zumindest das Fazit der BME-Studie „Barometer Elektronische Beschaffung 2018“, an der zwischen Oktober 2017 und Januar 2018 insgesamt 303 Unternehmen aus Industrie, Dienstleistungsgewerbe, Handel und öffentlichen Institutionen teilnahmen.

Werden KMU digital abgehängt?

Die Studie des BME macht deutlich: In der Digitalisierung geht die Kluft zwischen KMU und Großbetrieben weit auseinander. KMU streben zwar ähnliche Ziele wie Konzerne an, doch sie werden diese nach Einschätzung der Experten weder kurz- noch mittelfristig erreichen. Die Studie legt dar, dass insbesondere KMU digital noch zu wenig aktiv sind. Verglichen mit Entwicklungsstrategien führender Unternehmen sei zu befürchten, dass mehr und mehr Firmen digital abgehängt würden und dadurch massive Wettbewerbsnachteile erleiden könnten.

Der Wille zur Digitalisierung ist da

„Das Tempo des digitalen Wandels zieht rasant an“, so Dr. Karsten Machholz, Professor für Strategische Beschaffung und Supply Chain Management an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt und Mitautor der Studie „What’s the Next Big Thing in Procurement“. Der Wissenschaftler bestätigt, dass führende Einkaufsorganisationen ihre Zukunft in der Digitalisierung sehen und aus dieser Erkenntnis heraus massiv in digitale Technologien investieren. Aber: „Die Digitalisierung des Einkaufs steht erst am Anfang. Während 83 Prozent der Befragten glauben, dass die Digitalisierung ihr Geschäft stark beeinflussen wird, verfügen nur fünf Prozent aktuell über hoch automatisierte Prozesse“, so Machholz.

Quotation mark

„In den nächsten zehn Jahren ergeben sich für Unternehmen mehr Chancen als in den letzten beiden Jahrzehnten zusammen“

Marcell Vollmer, Chief Digital Officer von SAP Ariba

Alles wird smarter und schneller

Die vielleicht faszinierendste Erkenntnis der Studie unter mehr als 450 Supply-Chain-Führungskräften weltweit: Einkaufsleiter erwarten nicht nur schnellere, sondern auch intelligentere Informationssysteme. Gleichzeitig denken sie aber nicht, dass Roboter den Einkäufer in absehbarer Zeit ersetzen könnten, wenngleich durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz und Machine Learning Roboter intelligenter und effizienter werden. Mehr als 60 Prozent der Befragten planen deshalb Investitionen in die robotergestützte Prozessautomatisierung (20 Prozent), in künstliche Intelligenz/Cognitive Computing (17 Prozent), in maschinelles Lernen (15 Prozent) und in Chat-Bots (9 Prozent). 

Es geht nicht nur ums Geld

Natürlich spart die Digitalisierung Kosten ein. Aber sie kann und soll laut der Studie der Hochschule Würzburg-Schweinfurt auch anderes leisten. So wollen 88 Prozent durch die Digitalisierung Zwangsarbeit, Armut und Konfliktmineralien aus ihren Lieferketten verbannen und ihren Unternehmen dabei helfen, sowohl finanzielle als auch ethische Kriterien zu erfüllen.

„In den nächsten zehn Jahren ergeben sich für Unternehmen mehr Chancen als in den letzten beiden Jahrzehnten zusammen“, lautet die Einschätzung von Marcell Vollmer, Chief Digital Officer von SAP Ariba. Es ist höchste Zeit, diese Chancen zu nutzen.