Handelsstreit USA und China: Die Ursachen

„Wenn unser Land kein Aluminium und Stahl herstellen kann, ist es fast kein richtiges Land mehr“, sagte US-Präsident Donald Trump Anfang des Jahres 2018. Sein Vorwurf: Dumping anderer Länder, also der Verkauf von Waren unter einem angemessenen Preis.

Der US-Präsident ist schon lange der Meinung, dass sein Land im Welthandel massiv benachteiligt wird. Bereits im Jahr 1990 sagte Trump, dass er, sollte er einmal US-Präsident werden, „eine Steuer auf jeden Mercedes-Benz erheben (werde), der in dieses Land rollt“.

Januar 2018: Erste Strafzölle im Handelsstreit USA und China

Im Januar 2018 verhängten die USA erste Strafzölle auf Waschmaschinen (20 bis 50 Prozent) und Solarmodule (30 Prozent). Am 23. März 2018 erhoben die USA weitere Zölle auf den Import von Stahl (25 Prozent) und Aluminium (10 Prozent). Davon blieb die EU allerdings nach zähen Verhandlungen zunächst ausgeschlossen.

Die US-amerikanischen Stahl- und Aluminiumproduzenten freuen sich über die Zölle, schließlich werden sie dadurch vor der ausländischen Konkurrenz geschützt. „Für die Stahlfirmen haben sich die Zölle schon jetzt mehr als bezahlt gemacht“, meinte etwa Gary Hufbauer vom Peterson Institute for International Economics im Mai 2018. Die Stahlpreise aus der heimischen Produktion seien seit der Entscheidung im März deutlich stärker gestiegen als im Ausland.

Und wie beurteilen europäische Firmen die Zölle? Thyssenkrupp zum Beispiel sieht nur begrenzte Auswirkungen auf das eigentliche Geschäft: „Wir haben nur ein geringes Engagement in den USA“, so ein Unternehmenssprecher. Lediglich drei Prozent der US-Stahlimporte stammen aus Deutschland, die wichtigsten Lieferanten sind Kanada, Brasilien und Südkorea. Bei Aluminium kommt sogar weit mehr als die Hälfte der Einfuhren aus kanadischer Produktion.

Juni 2018: Erste Reaktionen aus China und der EU

Im Juni 2018 antwortet China auf die Zölle der USA – und erhebt Gegenzölle auf 128 US-Produkte im Wert von mehr als drei Milliarden US-Dollar. Betroffen sind davon unter anderem Wein, Schweinefleisch und Obst. Im Juni 2018 ist dann die Schonfrist der EU vorbei: Die USA dehnen ihre Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumerzeugnisse aus Europa aus. Die Antwort der EU lässt nicht lange auf sich warten. Die EU verhängt ihrerseits „Vergeltungszölle“ auf US-Waren im Wert von 2,8 Milliarden US-Dollar. Betroffen sind besonders Erdnussbutter, Jeans, Whiskey, Motorräder, Yachten und Motorboote.  

Juli 2018: Weitere Strafzölle durch USA und China

Am 6. Juli belegen die USA verschiedene Produkte chinesischen Ursprungs mit Zöllen von 25 Prozent – offiziell als Ausgleich für Verstöße gegen geistige Eigentumsrechte und erzwungenen Technologietransfer. Die Abgaben betreffen chinesische Waren im Gesamtwert von 34 Milliarden US-Dollar (Liste mit einer detaillierten Auflistung der betroffenen Güter).

Darüber hinaus haben die USA am 23. August 2018 eine weitere Liste mit chinesischen Waren im Gesamtwert von 16 Milliarden US-Dollar erstellt, für die die Möglichkeit besteht, Ausnahmen zu erwirken (Zweite Liste mit chinesischen Gütern). Dafür ist ein spezielles Verfahren zu durchlaufen. Die Anträge sind bis spätestens 18. Dezember 2018 zu stellen.

Nun entbrennt ein wahrer Handelskrieg. China erhebt erneut Gegenzölle, diesmal in Höhe von 25 Prozent auf US-Güter im Wert von 34 Milliarden US-Dollar. In erster Linie geht es jetzt um US-Produkte wie Soja, Tabak, Hirse, Schweine- und Rindfleisch, Whiskey und Autos.

September 2018: Die USA legen im Handelsstreit nach

Seit dem 24. September 2018 erheben die USA weitere Abgaben in Höhe von zunächst zehn Prozent auf chinesische Importe im Wert von 200 Milliarden US-Dollar. Ab 1. Januar 2019 sollen diese Zusatzzölle auf 25 Prozent ansteigen. Begründet wird dieser Schritt mit den weiterhin anhaltenden „unfairen Handelspraktiken“ Chinas.

November 2018: Status quo im Handelsstreit USA und China

Im Handelsstreit zwischen China und den USA ist keine Einigung in Sicht. Beim Asien-Pazifik-Gipfel (APEC) Mitte November 2018 in Papua-Neuguinea haben sich beide Seiten mit neuen Vorwürfen überzogen. US-Präsident Donald Trump verzichtete auf eine Anreise und ließ sich durch seinen Vizepräsidenten Mike Pence vertreten.

Pence und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping gingen sich im Streit um Handelspraktiken und Zölle hart an. Xi kritisierte die protektionistische Politik von US-Präsident Donald Trump massiv. Pence hingegen drohte Peking im Gegenzug mit einer drastischen Erhöhung der Strafzölle.

Es bleibt abzuwarten, ob der Handelsstreit weiter eskaliert oder beide Parteien noch eine gemeinsame Lösung finden. 

Handelsstreit USA und China: Folgen für Deutschland

So düster es auch aussieht: „Europa könnte zum großen Profiteur werden, wenn sich China zu Zugeständnissen im Rahmen der WTO drängen lässt“, sagt Gabriel Felbermayr, der das Ifo-Zentrum für Außenwirtschaft leitet. Laut Felbermayr könnten derlei Kompromisse der wettbewerbsfähigen deutschen Industrie deutlich mehr nutzen als der US-amerikanischen.

Gleichzeitig warnt Ifo-Experte Felbermayr vor den Gefahren des Konflikts: „Insgesamt erhöht der Handelskrieg zwischen den USA und China die weltwirtschaftlichen Risiken deutlich“. Der Konflikt führe zu einem Aufwertungsdruck auf den Dollar, was die Schwellenländer belastet.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) zeigt sich skeptisch: „Deutsche Unternehmen haben sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in China viel investiert und beschäftigen in beiden Wirtschaftsräumen jeweils rund eine Million Menschen“, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.

„Viele ihrer Produkte werden über den Pazifik hinweg gehandelt und können zukünftig schwieriger abgesetzt werden. Am Ende werden alle Produkte einfach teurer, ohne dass irgendjemand davon einen Mehrwert hätte“, befürchtet Treier.