Hygieneartikel und Produkte der Medizintechnik stark nachgefragt

Viele Unternehmen produzieren aufgrund der Corona-Pandemie weniger, schließen ganze Werke oder melden Kurzarbeit an. Die Nachfrage ist in vielen Branchen erheblich gesunken. Einige Unternehmen haben jedoch schnell auf die Krise reagiert und ihre Produktion auf Güter umgestellt, die in diesen Zeiten massiven Absatz finden: Das sind in erster Linie Hygieneartikel und Produkte der Medizintechnik. Andere Betriebe, die ohnehin schon Abnehmer aus diesen Bereichen hatten, behandeln die Fertigung von medizintechnischen Komponenten nun mit der höchsten Prioritätsstufe.

Rechtliche Aspekte bei der Produktumstellung

Wer Ähnliches plant oder über eine Umsetzung nachdenkt, sollte die rechtlichen Aspekte einer Produktumstellung beachten. Zum einen muss der Marktzugang genehmigt werden, zum anderen kommen bei Produktversagen mögliche Haftungsrisiken auf das produzierende Unternehmen zu.

Gesundheitsgüter dürfen nicht ohne Zulassung auf den Markt gelangen, sie müssen geprüft und zertifiziert sein. Wer also plant, Schutzausrüstungen, Desinfektionsmittel oder medizinische Geräte herzustellen, muss mit diesen Produkten die geltenden Anforderungen erfüllen. Die EU-Kommission hat im Zuge der Corona-Pandemie allerdings bereits Maßnahmen beschlossen, um branchenfremden Betrieben den Zugang zum Markt zu erleichtern. Diese drei Leitfäden zur Produktion von Schutzausrüstung, Handdesinfektionsmitteln sowie Ausrüstung mittels 3D-Druck sind auf der Website der EU-Kommission abrufbar.

Die Haftungsrisiken bleiben davon jedoch unberührt. Funktioniert beziehungsweise wirkt ein Produkt nicht wie versprochen, können Schadensersatzansprüche die Folge sein. Verantwortlich ist dabei nicht nur der Produzent, sondern bei eingeführten Produkten auch der Importeur. Es empfiehlt sich also trotz des Zeitdrucks die umfassende technische und funktionelle Prüfung der jeweiligen Produkte, bevor sie auf den Markt gelangen.

4 Beispiele: Diese deutschen Unternehmen haben ihre Produktion umgestellt

1. Schütz GmbH & Co. KGaA

Die Schütz GmbH & Co. KGaA stellt normalerweise Verpackungssysteme her, mit denen unterschiedliche Füllstoffe transportiert und gelagert werden, darunter Kunststoff- und Stahlfässer. Dank der Erfahrung in der Kunststoffverarbeitung und im Spritzguss konnte das B2B-Unternehmen innerhalb von nur zwei Tagen ein entsprechendes Werkzeug zur Fertigung von Gesichtsvisieren herstellen. Mittlerweile bietet Schütz die Gesichtsvisiere als Komplettsatz zur Selbstmontage in hohen Stückzahlen zu Selbstkosten an.

2. Beiersdorf

Der Hautpflegekonzern Beiersdorf hat drei seiner Produktionswerke zur Herstellung von Desinfektionsmitteln aktiviert. In einem ersten Schritt stellte das Unternehmen 500 Tonnen der dringend benötigten Mittel für zentrale öffentliche Einrichtungen und Einsatzkräfte zur Verfügung. Die technischen Voraussetzungen für die Produktion von Desinfektionsmitteln waren innerhalb einer Woche geschaffen.


3. Schönberg GmbH & Co. KG

Die Firma Schönberg Kunststoffe & Verarbeitung stellt eigentlich Messeprodukte wie Ausstellungsregale und Tresen her, beispielsweise aus Plexiglas. Da die Nachfrage durch die Corona-Pandemie eingebrochen ist, fertigt das B2B-Unternehmen nun Schutzscheiben für Bedientresen. Diese stoßen bei Supermärkten, Apotheken und anderen Geschäften auf reges Interesse.

4. EBM-Papst

Das B2B-Unternehmen EBM-Papst stellt Motoren und Ventilatoren her. Seit vielen Jahren sind auch Komponenten für Beatmungsgeräte im Produktportfolio. Aufgrund der hohen Nachfrage von Beatmungs-, Atemschutz- und Analysegeräten im Laborbereich, die sich gegenüber der Zeit vor der Pandemie verfünfzehnfacht hat, wird die Fertigung von Komponenten für medizinische Zulieferteile nun priorisiert.