Warum Edelstahl?

In der Lebensmittelindustrie führt in vielen Bereichen kein Weg an Edelstahl vorbei. Denn je härter und dichter ein Material beschaffen ist, desto weniger besteht die Gefahr, dass ein Nahrungsmittel durch den Kontakt mit dem Material beeinträchtigt wird. „Migration“ wird der Prozess genannt, wenn eine chemische Substanz auf ein anderes Material oder einen anderen Stoff übergeht. Das Risiko, dass ein Material toxische Spuren in anderen Substanzen hinterlässt, sinkt mit seiner Dichte. In der Verpackungsindustrie gehören die Migrationseigenschaften zum Beispiel von Plastikflaschen daher zu den intensiv diskutierten Themen.

Rostfreier Edelstahl als Legierung aus Eisen und Chrom erfüllt diese hygienischen Bedingungen und steht darüber hinaus zu wirtschaftlich vertretbaren Kosten zur Verfügung.

Porenlose Reinheit und die Alternative Glas

Eine ähnlich geschlossene und dichte, also porenlose Oberflächenstruktur bietet neben Edelstahl und einigen Industriekeramikspezialitäten der Werkstoff Glas. Der ist aber wegen seiner Zerbrechlichkeit kaum geeignet, dort zum Einsatz zu kommen, wo extreme Robustheit gefordert ist – etwa im intralogistischen Transport von flüssigen Lebensmitteln und Getränken in Dosierungs- und Abfüllanlagen. In der allgemeinen Logistik ist der Milchtankwagen das Symbol für den hygienischen Transport verderblicher Lebensmittel. Und dass Weine mittlerweile in Edelstahlbehältern und nur noch selten in Holzfässern reifen, ist ebenso bekannt. Generell ist Edelstahl überall dort präsent, wo die Weiterverarbeitung oder Zwischenlagerung von Nahrungsmitteln eine Rolle spielt. Auch der Blick in Bäckereien, Schlachthöfe oder Fischverarbeitungsbetriebe eröffnet ein edelstahlgeprägtes Gesamtszenario. Arbeitsflächen und Werkzeuge sind dort weitestgehend aus dem hygiene- und lebensmittelfreundlichen Edelstahl gefertigt.

Edelstahl als Hygienebotschafter

Den wohl sensibelsten Bereich, der unter Hygieneaspekten vorstellbar ist, bilden medizinische Anwendungen. In Kliniken und Arztpraxen ist Edelstahl allgegenwärtig. Für das Chirurgenbesteck, bei dem Edelstahl der hochwertigsten Qualitätskategorie zum Einsatz kommt, gibt es keine Alternative – und wird dort auch nicht gesucht. Edelstahlimplantate sind in vielen Fällen immer noch medizinische Praxis, wenngleich hier zunehmend neue Werkstoffgenerationen zum Einsatz kommen.

Die Lebensmitteltauglichkeit von Edelstahl

Was den meisten Menschen nicht bewusst sein dürfte: Die Bestandteile des Materials Edelstahl sind auch Bestandteile der menschlichen Ernährung. Dass der Körper Eisen benötigt, ist allgemein bekannt. Dass aber Chrom – natürlich in kleinsten Mengen – ebenfalls zu den lebensnotwenigen Stoffen gehört, dürfte eher überraschen. Bei einigen Stoffwechselerkrankungen werden sogar Präparate auf Chrombasis verordnet, um einen Mangel dieses Stoffs zu kompensieren. Dieses sogenannte dreiwertige Chrom ist allerdings kein Bestandteil von Edelstahl – bei diesem kommt nur sechswertiges Chrom zur Anwendung. Grundsätzlich ist es aber so, dass Edelstahl seine stofflichen Bestandteile so stark bindet, dass eine Migration, falls überhaupt, in kleinsten und vollkommen unbedenklichen Mengen erfolgt.

Vorschriften für Edelstahl in der Lebensmittelindustrie

Damit Edelstahl seine grundsätzlichen Vorteile als hygienisch leicht zu handhabender Werkstoff ausspielen kann, muss es vor allem eine Eigenschaft vorweisen: Korrosionsbeständigkeit. Längst nicht alle Edelstahlqualitäten sind vor Rostbildung geschützt. Entscheidend für diese Eigenschaft, die dann erst zum Einsatz im Lebensmittel- und Hygienebereich qualifiziert, ist die genaue Zusammensetzung des Werkstoffs. Es gilt die Faustregel: Je höher der Chromanteil, desto korrosionsbeständiger ist die Legierung.

Der Gesetzgeber schreibt bei zahlreichen Anwendungen vor, welche Materialien zum Einsatz kommen müssen, um die hygienischen Bedingungen zu erfüllen. Da es unterschiedlichste Sorten von Edelstahllegierungen gibt, wird in den gesetzlichen Regelungen auch Bezug auf die Mindestanteile speziell des Chroms genommen. Zu den klassischen Verordnungen, in denen die Qualität des Edelstahls eine Rolle spielt, gehört die Trinkwasserverordnung. Hier geht es neben der Lebensmitteltauglichkeit zusätzlich um den Schutz vor Keimbildungen in Rohren und Tanks.

Was gerne vergessen wird, wenn von optimalen hygienischen Bedingungen die Rede ist: Auch im Lebensmittelbereich kommen mitunter sehr materialaggressive Substanzen zum Einsatz. Abgesehen von Salzen spielen Säuren als Bestandteile vieler Produkte eine Rolle. Hier erweist sich erneut Edelstahl als sicherste Option, alle Verordnungen und Vorschriften souverän zu erfüllen.

Fazit: Bei hygienesensiblen Anwendungen gehört dem Edelstahl weiterhin die Zukunft

Bei der Erforschung neuer Materialien gilt Edelstahl als Vorbild, was seine Härte, Stabilität und Oberflächenstruktur betrifft. Edelstahl kann aus seinen angestammten Anwendungsbereichen also nur verdrängt werden, wenn sich zu diesen Eigenschaften weitere Vorzüge wie ein leichteres Gewicht gesellen. Da es am Ende immer auch um Kostenvorteile geht, bleibt Edelstahl in vielen Bereichen konkurrenzlos.