Fertigungsindustrie im Aufwind

Automatisierungs- & Prozesstechnik

Gute Zeiten für die Fertigungsindustrie: Aufwind in der Eurozone

Der Einkaufsmanager-Index (EMI) für die verarbeitende Industrie erreichte Anfang 2018 seinen historischen Höchststand in der Eurozone. Das berichten die Analysten von IHS Markit. Damit setzt sich der Aufwärtstrend seit Januar 2017 stetig fort. Der Industrie bieten sich somit auch im Jahr 2018 lukrative Geschäftsmöglichkeiten. Die Zahlen im Überblick.

EMI: Kennzeichen für die wirtschaftliche Entwicklung

Der Einkaufsmanager-Index (EMI) ist einer der wichtigsten Indikatoren für die wirtschaftliche Entwicklung. Er wird aus Faktoren wie dem Auftragseingang, der Produktionsleistung, dem Lagerbestand, den tatsächlichen Lieferungen sowie der Beschäftigungsanzahl gebildet. So lassen sich stets aktuelle Informationen über die Aktivitäten der Industrie gewinnen. Zudem verrät der EMI Veränderungen am BIP (Bruttoinlandsprodukt). Er orientiert sich damit stark am US-amerikanischen PMI (Purchasing Managers Index), der seit 1931 monatliche Daten zur Wirtschaftsentwicklung in den USA sammelt und auswertet.

EMI: Die Entwicklung seit Januar 2017

Die Analysten von IHS Markit fassen es zusammen: Die Eurozone verzeichnet derzeit das stärkste Wirtschaftswachstum seit zwölf Jahren. Auch die Beschäftigungszahlen sind erfreulich – nämlich so gut wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Entsprechend stiegen auch die Einkaufspreise an: auf den höchsten Stand seit knapp sieben Jahren. Insgesamt erreichte die Eurozone im Januar 2018 einen EMI von 59,6. Einen höheren Wert gab es lediglich im Vormonat: Im Dezember errechnete man einen finalen Wert von 60,6.

Was bedeuten diese Zahlen?

Der EMI wird anhand von Daten aus rund 3000 europäischen Industrieunternehmen erhoben: Neben Deutschland fließen Daten aus Österreich, Frankreich, Spanien, Irland, den Niederlanden, Italien und Griechenland in den Wert ein. Ein EMI von 50 wird als neutral angesehen, ein Wert von unter 50 als rückläufige Entwicklung. Je größer die Abweichung vom neutralen Wert 50 ist, desto besser entwickelt sich die wirtschaftliche Lage.

And the winner is …

Guter europäischer Zahlen zum Trotz entwickeln sich die einzelnen europäischen Länder jedoch höchst unterschiedlich. Und auch die Industriezweige profitieren längst nicht alle vom Boom. Während der Vorleistungs- und Investitionsgüterbereich die besten Geschäfte verzeichnete, blieb der Konsumentenbereich hinter den Erwartungen zurück. Die Industrie bleibt damit der Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft. Aus europäischer Sicht sind vor allem die Niederlande auf der Gewinnerseite. Mit einem EMI von 62,5 befinden sich unsere westlichen Nachbarn derzeit auf einem Rekordhoch. Deutschland liegt mit einem Wert von 61,2 zwar nicht weit dahinter, schwächelt jedoch im Dreimonatsvergleich und erreichte im Januar 2018 damit ein Dreimonatstief. Gewinner ist Griechenland: Seit mehr als zehn Jahren erreichte man in Südeuropa nicht solche hohen Werte von derzeit 55,2. Die Zahlen laut IHS im Überblick:

Niederlande 62,5
Österreich 61,3
Deutschland 61,1
Italien 59,0
Frankreich 58,4
Irland 57,6
Spanien 55,2
Griechenland 55,2

 

 

 

 

 

 

 

Gelungener Auftakt für 2018

Die Auftragseingänge boomen, die Beschäftigungszahlen steigen, die Verbraucher zeigen sich ausgabefreudig: Das Jahr 2018 hätte aus wirtschaftlicher Sicht kaum besser starten können. Und die Analysten von IHS Markit sehen auch den Jahresverlauf weiterhin positiv:

Quotation mark

Den aktuellen Vorabschätzungen zufolge dürfte die Wirtschaft aktuell mit einer super Wachstumsrate von annähernd 1 % auf Quartalsbasis zulegen.

Chris Williamson, Chief Business Economist bei IHS Markit

Der Aufschwung dürfte somit auch 2018 weitergehen – und der deutschen Industrie vielversprechende Auftragseingänge, Beschäftigungspotenziale und neue Projekte bescheren. Dabei spielt der Export nach wie vor eine herausragende Rolle: Alle Länder verbuchten im Befragungsmonat ein hohes Bestellvolumen aus dem Ausland. Das kommt nicht zuletzt auch der Gehaltsentwicklung  zugute – und die kurbelt wiederum die Konjunktur an. Eine Win-win-Situation? Nicht ganz.

Die Kehrseite der Medaille

Wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. Denn beschleunigt hat sich auch der Preisdruck und mindert die gute Stimmung in der Industrie. Auch dieser befindet sich auf einem Rekordhoch, er ist so stark wie zuletzt im Jahr 2011. Die anhaltend hohen Ölpreise sind ein Grund für steigende Preise in der Industrie, aber auch die gute Konjunktur selbst treibt die Preise in die Höhe. So übersteigt die Nachfrage nach bestimmten Gütern in vielen Industriezweigen das Angebot. Das schafft zwar zahlreiche neue Jobs – doch für diese müssen zunächst geeignete Mitarbeiter rekrutiert werden. Bleibt das aus, sind Kapazitätsengpässe und längere Lieferzeiten die Folge – ein Szenario, vor dem die Analysten von IHS Markit schon heute warnen und das trotz ausgezeichneter wirtschaftlicher Bedingungen bereits an der Tagesordnung ist. So werden die Verbraucherpreise aller Voraussicht nach in den kommenden Monaten des Jahres 2018 deutlich anziehen. Zugleich erwarten die Experten von IHS Markit eine Erhöhung der Zinsen. So ist es ratsam, Investitionen bald zu tätigen, um vom derzeit noch vergleichsweise niedrigen Zinsniveau zu profitieren.

Handeln ist angesagt

In der Eurozone herrscht gute Stimmung und der EMI-Index ist auf dem Höchststand. Vor allem die Niederlande profitieren und auch Deutschland ist ganz vorne mit dabei. Die Industrie sollte sich jedoch nicht auf den positiven Werten ausruhen. Investitionen und die Schaffung neuer Stellen sind dringend, um die Bedürfnisse von Partnern, Lieferanten und Kunden zu erfüllen.

  • Der EMI-Index war im Januar 2018 auf historischem Höchststand.
  • Gewinner sind die Niederlande und Griechenland.
  • Die Exportquote bleibt europaweit auf hohem Niveau.
  • Für die kommenden Monate sind Preissteigerungen und Zinserhöhungen zu erwarten.
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