Umsatz übertrumpft Vorjahresrekord

Die Marktanalyse von Berylls Strategy Advisors belegt, was angesichts der derzeitigen Unruhen in der Welt kaum zu erwarten war: Die Automobilzuliefererindustrie boomt weltweit. Mit einem Gesamtumsatz von 889 Milliarden Euro blicken die 100 größten Automobilzulieferer 2018 auf ein Rekordjahr zurück. Das entspricht einem Wachstum von 7,6 Prozent gegenüber 2017.

Wie auch schon in den Vorjahren belegen die deutschen Automobilzulieferer Bosch und Continental die beiden ersten Plätze. So machte Bosch (Mobility Solutions) 2018 einen Umsatz in Höhe von 47,6 Milliarden Euro. Continental erzielte 2018 einen Umsatz von 44,4 Milliarden Euro. Auf Platz drei im Ranking folgt der japanische Automobilzulieferer Denso mit einem Umsatz von 42,6 Milliarden Euro.

Profitabilität hat sich verschlechtert

Dem enormen Umsatzwachstum der Automobilzulieferer steht allerdings eine rückläufige Profitabilität gegenüber, der den teils hohen Investitionen in Zukunftstechnologien, den steigenden Personalkosten an ehemaligen „Billigstandorten“ und in einigen Bereichen stark steigenden Rohstoffpreisen geschuldet ist. EBIT oder Operating Income der Automobilzulieferer verschlechterte sich demnach 2018 im Schnitt um einen Prozentpunkt auf nur noch 7,7 Prozent.

Große Veränderungen durch M&A-Aktivitäten

Die Zuliefererstudie macht auch deutlich, dass Fusionen, Unternehmenskäufe und Übernahmen den Markt der Automobilzulieferer 2018 kräftig aufgemischt haben. Bereits 2017 sorgte der Verkauf der Anlassersparte von Bosch an ein chinesisches Konsortium für Aufsehen. Doch das ist fast nichts im Vergleich mit dem, was sich 2018 alles getan hat. Bosch verabschiedet sich immer mehr vom klassischen Verbrenner-Geschäft und setzt immer mehr auf Autonomes Fahren: Mehr als 1.000 Patente hält das Unternehmen mittlerweile in diesem Bereich, und nimmt damit eine führende Position in den CASE-Technologien (Connected, Autonom, Shared und Elektrifiziert) ein. Continental denkt über eine Aufteilung seiner Produktwelt in eine „alte“ und eine „neue“ Welt mit klassischen und neuen Produkten nach. Und Denso hat vor kurzem Anteile an Infineon erworben, und damit ebenfalls die Weichen für neue Technologien gestellt.

Der chinesische Automobilzulieferer Weichai Power (Platz 20 im Ranking) ist eine Allianz mit Ballard Power eingegangen, einem Hersteller für Automotive-Brennstoffzellen. Und Automobilzulieferer Schaeffler baute seine Kompetenzen beim autonomen Fahren durch den Zukauf des schwäbischen Mittelständlers Paravan aus. Honeywell gründete die Turbolader-Sparte Garrett vollständig aus und verabschiedete sich damit genau wie Johnson Controls gänzlich aus dem Automobilgeschäft.

Chinas Automobilzulieferer geben Gas

Chinas Automobilzulieferer heben sich im Berylls Strategy Advisors-Ranking mit einer Wachstumsrate von 31,5 Prozent und einer durchschnittlichen Verbesserung von 12 Plätzen im Ranking deutlich von den anderen Ländergruppen ab. Besonders erwähnenswert sind hier der Akku-Spezialist CATL und der Elektronik- und Safety-Spezialist Joyson.

Aber auch die Automobilzulieferer in den USA können exzellente Zahlen vorlegen. Sie wuchsen 2018 im Durchschnitt um 13,1 Prozent und lieferten mit 9,5 Prozent auch das beste EBIT / Operating Income ab. Die 28 japanischen Automobilzulieferer im Ranking konnten mit 10 Prozent ein solides Wachstum vorweisen, blieben beim EBIT / Operating Income allerdings unterdurchschnittlich.

Und Deutschlands Automobilzulieferer?

Deutschlands Automobilzulieferer – im Ranking mit insgesamt 17 Unternehmen vertreten – überzeugen mit 8,5 Prozent EBIT / Operating Income und liegen damit klar oberhalb der durchschnittlichen 7,7 Prozent. Allerdings konnten sie 2018 auch nur ein Umsatzwachstum von 3,5 Prozent verzeichnen.

Wie sieht die Lage der Automobilzulieferer aktuell aus – und wie geht es weiter?

Die ersten Monate des Jahres 2019 zeigen laut Berylls Strategy Advisors eine ähnliche Entwicklung wie das Frühjahr 2018. Dennoch deutet alles darauf hin, dass dieses Jahr für die Automobilzulieferer nicht so erfolgreich wird wie die vorangegangenen.

Die Gründe für diesen pessimistische Ausblick sind nicht nur die US-Zollpolitik, der nahende Brexit oder auch die weltweite Anti-Diesel-Stimmung. Es sind auch die technischen Gegebenheiten, die gegen weitere, ähnlich erfolgreiche Jahre sprechen. Vielen Unternehmen wird es beispielsweise schwerfallen, den Spagat zwischen Investitionen in CASE-Technologien (Connectivity, autonomes Fahren, Sharing und E-Mobilität) und rückläufigen Erträgen aus dem bisherigen Geschäft zu meistern. Große Unternehmen wie Bosch, Continental und ZF, aber auch Automobilzulieferer, die bereits aktiv in CASE-Technologien investieren, werden hier wesentlich weniger zu kämpfen haben.

Auch ist es so, dass die Kassen vieler Automobilzulieferer nach den umsatzstarken letzten Jahren prall gefüllt sind. Das wird die Industriekonsolidierung mit großer Dynamik weiter vorantreiben. Und diese Dynamik nimmt angesichts der zunehmend gefragten CASE-Technologien noch zu.

Viele chinesische Unternehmen sind gut auf die Transformation vorbereitet: Wachstum und Marktdurchdringung der E-Mobilität – aktuell die primäre CASE-Technologie – sind der Studie nach in China größer als im Rest der Welt. China hat laut Berylls Strategy Advisors demnach das Potenzial, etablierten Zulieferern schon in den nächsten Jahren den Rang abzulaufen und sie aus den Berylls Top 100 zu verdrängen.